Das fleißige Bienchen
Der kleinste und putzigeste Lieferwagen der Welt: Busch legt seine Piaggio Ape, also den Vespa-Dreiradroller, neu auf. Nicht nur eine andere Farbe, nämlich Orange, sondern auch mit einem neu konstruierten Holzaufsatz für die Pritsche. So süß…!
Da fängt der Putzmeter schon wieder an, nervös zu zucken: Ein Piaggio Dreiradlieferwägelchen in 1:43 von Busch, keine sechs Zentimeter lang, komplett aus Kunststoff und liegt somit federleicht in der Hand. Verpackt ist der Kleine in der für 87er üblichen Busch-PC-Box. Der Putzometer hat also durchaus Grund, sich in Bewegung zu setzen.
Vor 15 Jahren, 2011, erschien das flinke Bienchen bei Busch in 1:43 als Pritschenwagen in Rot, Dunkelblau, Pastellgelb und in Weiß mit Kuhflecken, 2012 folgte die Version mit Kofferaufbau in Dunkelgrün und Rot. Sie alle sind bis auf die blaue Pritsche noch werksseitig lieferbar, jeweils 25 Euro. Beim Neuling sind die Farbe und vor allem der die Pritsche nach oben erweiternde Holzaufbau neu.
Busch und 1:43? Geht das zusammen? Die Biene ist der bislang erste und einzige Ausflug von Busch in den Maßstab 1:43. Überhaupt sind sie 87er-Schuster recht konsequent und bleiben bei ihren Leisten. Rietze machte 2008 ein paar Suzuki-Werbemodelle aus Zinkdruckguss in 1:43, kein Erfolg, keine Fortsetzung des Themas. Herpa hingegen machte viel, beginnend mit den legendären Ferrari aus Kunststoff Mitte der 80er Jahre und schwenkte dann Anfang der 90er auf Zinkdruckguss um, um an der Industriemodell-Welle zu partizipieren. Bis 2023 blieb Herpa diesem Genre treu, Daimler-Benz war der letzte Auftraggeber. Recht gut im Geschäft war Herpa um 2016, als die Franken den Porsche-Industrieauftrag zum 911 Typ 991/II erhielt und ungemein stolz darauf waren, in der Ausschreibung Minichamps geschlagen zu haben. Minichamps nahm’s sportlich und machte den 991/II dann auf eigene Rechnung, damit die Elfer-Sammler auch diese Generation vom gewohnten Hersteller bekamen. Im Gespräch mit dem damaligen Pressesprecher von Herpa (damals sprach Herpa noch mit der Presse!) erfuhren wir, dass die Auflagen für die Herstellung von Industriemodellen immer höher wurden, und das wurde metaphorisch bestätigt durch die vom Volkswagenwerk geforderte Höhe der Mauer rund ums Dietenhofener Stammwerk. Begründung von VW: Sie bekommen von uns sensible Daten, also muss ihre Fabrik geschützt werden. Herpa entschied sich gegen den avisierten VW-Auftrag und gegen die neuen Mauern rund um das Fabrikgelände.
Apes Zukunft liegt in Indien
Busch hat ganze Arbeit geleistet, ein formvollendetes Bienchen, super graviert, sehr schön detailliert, sämtliche Leuchten als farbig-transparente Teile eingesetzt, zwei Rückspiegel und der Soloscheibenwischer äußerst filigran, die Schriftzüge außen und das einzige Instrument innen als sauberes Druckwerk, die kleinen, silbernen Felgen mit Gummireifchen versehen, wodurch das Modell munter rollt. Insgesamt besteht es aus 28 Einzelteilen. Die Stahlwerkzeuge sind hervorragend poliert, sodass die Kunststoffoberfläche wie lackiert glänzt, und der neu hinzugekommene Holzaufsatz ist vorbildgerecht in mattem Braun gehalten.
Die Ape ist die größere Schwester der Vespa, also die Biene die größere Wespe – in der Piaggio-Nomenklatur. In einigen Ländern heißt sie Vespacar. „Vespa Ape“ ist somit falsch, der Herstellername lautet Piaggio, die Typbezeichnung Ape. 1948 erschien die erste Ape, und generell hat sie sich bis zuletzt nicht geändert. In Italien wurde sie bis 2024 gebaut, im indischen Baramati und auf den Philippinen läuft sie weiterhin vom Band. Zunächst war die Ape offen, also die Front der Vespa, kombiniert mit einer Pritsche und einer hinteren Starrachse. 1956 kam die erste Ape mit Kabine. Der Motor (besser: das Motörchen) befand sich bis 1967 vorne, also in der Kabine. Danach erschien die Ape MP (= Motore Posteriore), Motor an der Hinterachse, bis zu 600 Kilo Nutzlast, ein knatterndes 190-Kubik-Motörchen. Ab 1969 gab es die Ape 50 mit 50 Kubik, ein Einzylinder-Zweitakter mit 3 PS, 200 Kilo Nutzlast. Die 50-Kubik-Ape kann in Deutschland mit Versicherungskennzeichen gefahren werden, benötigt wird der Führerschein AM (im Autoführerschein enthalten), und wenn das Bienchen auf Tempo 25 gedrosselt ist, genügt die Mofa-Prüfbescheinigung. Das heißt, die kleine Ape darf man in Deutschland schon mit 15 Jahren fahren. Sie muss nicht zur TÜV-Prüfung. Es gab dann noch größere Apes mit 220 cm³ und sogar mit einem Einzylinder-Dieselmotor, und ein absoluter Gag war die Ape 50 Cross Country von 1994 in lustigen Farben, Überrollbügel, Bullbar und Radiokonsole.
1996 wurde die Kabine auch für die kleine 50er-Ape neu gestaltet, das Vorbild für das Busch-Modell, nunmehr mit zwei Scheinwerfern, und die letzte größere Änderung erfolgte 2019, also aus der Ape 50 TL5T das Euro-4-taugliche Modell ZAPC mit LED-Scheinwerfern wurde, das bis zuletzt 2024 gebaut wurde. Eine Ape bedient man nicht wie ein Auto, sondern wie einen Motorroller: Links am Lenker ist der Kupplungshebel, die Schaltung erfolgt durch Drehen des rechten Handgriffs. Der Rückwärtsgang wird mithilfe eines Hebels im Fußraum eingelegt. Eine Getriebesynchronisation gibt es nicht. Was war der Grund dafür, dieses Kultmobil nicht mehr in Italien zu produzieren und in Europa anzubieten? Drei Mal dürft Ihr raten – natürlich die Abgas- und Sicherheitsvorschriften! Piaggio baut im italienischen Pontedera nunmehr ausschließlich den vierrädrigen Porter, der zunächst auf dem Daihatsu Hijet basierte, 2021 das neu konstruierte, eigenständige Modell Typ NP6 (Benziner, Diesel oder Elektrovariante). Modern zwar, aber völlig charmebefreit. Wird nie Kultstatus erreichen.
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Busch 60006 Piaggio Ape 50 TL5T Pritsche mit Holzaufsatz 1999 orange. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:43. UVP 28,49 Euro.