Allrad-Peugeot aus dem Elsass
Ganz besondere Peugeot kommen aus Sentheim im Elsass. Allradgetriebene nämlich. Das Erstlingswerk von Henry Dangel war 1979 ein Peugeot 504 Break mit vier angetriebenen Rädern. Norev hat ihn nun miniaturisiert, mit besonderem Augenmerk auf seine spezielle Technik.
Dangel als französischer Automobilhersteller – nie gehört? Was Henry Dangel im elsässischen Sentheim seit 1968 produziert, ist auch sehr speziell. Zunächst Sport- und Rennwagen, und seit 1979 ist Dangel auf den Umbau von Peugeot-Pkws auf Allradantrieb spezialisiert. Nicht nur ein zuschaltbarer Frontantrieb für die damals heckgetriebenen Peugeot 504 und 505, sondern richtig, geländegängig, offroadig: zuschaltbarer Frontantrieb, Getriebe mit Geländereduktion, Sperrdifferenzial, Unterfahrschutz, gewaltig höher gelegt dank zusätzlichem Rahmen, ausgestellte Kotflügel. Und das auf Basis des 504 und 505 Break, beim 504 natürlich auch des Pickup. Das waren damals einzigartige Fahrzeuge, quasi die Vorgänger des SUV. Sie verbanden einen zivilen Kombi mit den Vorteilen eines veritablen Geländegängers. Ideal für Rettungsdienste, Behörden (vor allem die Schweizer Post), Baufirmen, Architekten, besonders der 504 Pickup auch als Lifestyle-Vehikel und für die Teilnahme an Offroad-Rallyes. Dangel macht das heute noch: Citroën, Peugeot und Fiat Lieferwagen baut er auf Allradantrieb um. Henry Dangel, ein ehemaliger Peugeot-Konstrukteur, blieb seinem Arbeitgeber treu, und heute werden im Elsass rund 60 Fahrzeuge täglich auf 4×4 umgerüstet. Das Geschäft brummt und ist immer noch in Familienbesitz, auch wenn Firmengründer Henry Dangel 2006 im Alter von 71 Jahren verstorben ist.
Sein Erstlingswerk 1979 war der damals bereits zwölf Jahre alte, aber immer noch ziemlich frische Peugeot 504 Break, ein richtig schöner, großer Familienkombi der Zweiliter-Klasse. Seine Dauerhaftigkeit und Stabilität ist Legende, und nahezu kein 504 Break wurde jemals verschrottet, sofern er noch fahren konnte. Denn dann fuhr er einem zweiten, harten Leben in Afrika entgegen. Wenn er schon als Hecktriebler so tough war, so war er prädestiniert zum Allradler. 1982 schaffte ein 504 Dangel den zweiten Platz bei der Rallye Paris-Dakar, und 1985 bezwang ein 504 Break Dangel den Horrormarathon von Algerien nach Kapstadt längs durch Afrika.
Norev hat nicht einfach nur einen Peugeot 504 Break etwas höher gelegt. Norev hat dieses Modell komplett neu konstruiert, als Dangel. Optisch unterscheiden ihn vom Serienkombi die breit ausgestellten vorderen Kotflügel, die beim Modell formintegrierter Bestandteil der Karosserie sind. Dann steht das Ding verdammt hoch auf den Rädern, weit mehr Luft unterm Bauch ist als beim Serien-Peugeot, andere Felgen. Richtig schön ist das Norev-Modell, wenn man es aufs Dach legt und am Bauch krault: Dangel hat den selbst tragend konstruierten Peugeot auf einen zusätzlichen Rahmen geschraubt, was ihn hoch stellt und seinem Rückgrat Stabilität verleiht. Das hat Norev wunderschön wiedergegeben, auch die massiven hinteren Blattfedern und den Schutz für die vordere Radaufhängung. Ebenfalls gut zu sehen: Vom Getriebe gehen zwei Kardanwellen ab, eine zur Hinter- und eine zur Vorderachse. Darüber hinaus ist der Norev-Peugeot in sehr zeitgenössischem Spät-70er-Jahre-hellgrünmetallic (Peugeot nannte es Goldgrünmetallic 510) lackiert, verfügt über ein super detailliertes, mehrfarbiges Interieur und schöne Detaillierung. Das Modell stellt die Ausstattungsvariante GR dar, einen normalen Kombi. Ebenfalls als Dangel gab es den Familiale mit einer dritten Rücksitzbank für die lieben Kleinen. Für technikbegeisterte Modellautosammler ist dieser Dangel-Peugeot schlichtweg ein Muss. Und wer Henry Dangel bisher nicht kannte, hat nun einen guten Grund, sich ihm zu nähern.
afs


Modellfotos: bat


Foto: Archiv afs

Foto: Archiv afs
Steckbrief:
Norev 475430 Peugeot 504 Break GR 4×4 (Dangel) 1980. Fertigmodell Zinkspritzguss, Maßstab 1:43. Preis 35 Euro.