Gemüsesuppe ohne Salz
Die Neuheitenlieferung von Wiking im Oktober gestaltet sich wie eine Gemüsesuppe ohne Salz – ein buntes Allerlei, aber ohne Pfiff. Bei den Monatsneuheiten fehlt der Pfiff, sprich eine Formneuheit. Aber wir Sammler sind ja geduldig und warten, falls notwendig auch bis Weihnachten. Dann liegt sicher die eine oder andere echte Neuheit unter dem Tannenbaum. Bis dahin versöhnen uns die Lüdenscheider Modellbauer mit einer interessanten Mischung an bekannten, aber neugestalteten Miniaturen.
Personenwagen und Kleintransporter
Eine weitere Neuauflage erlebt der DKW Munga Geländewagen, der sich seit 1959 im Wiking-Sortiment tummelt. Das jetzt erschienene Modell besitzt eine sehr interessante Historie, auf welche die Aufdrucke auf den Seiten hinweisen. Die „DKW Munga Himalaya-Expedition“ startete im Januar 1958 in Zürich und führte zwei DKW Munga F91/4 über ungefähr 10.000 Kilometer bis nach Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal. Die Route führte über Land durch Österreich, Jugoslawien, Bulgarien, die Türkei, den Iran, Pakistan und Indien bis zum Ziel in Nepal. Ankunft war dort im März des gleichen Jahres. Eines der Fahrzeuge war in Rot (wie das Wiking-Modell), das andere in Khakibeige lackiert, und sie wurden durch den bekannten und bewährten Dreizylinder-Zweitaktmotor (3=6) angetrieben. Neben der logistischen Unterstützung der dritten Schweizer Dhaulagiri-Expedition diente die Fernfahrt für die Auto Union als willkommener Test für die Zuverlässigkeit des Munga auch unter härtesten Bedingungen. Diese Fahrt unterstrich seinen Ruf als für alle Situationen geeignetes Geländefahrzeug nachhaltig. Schön, dass Wiking an diese interessante Begebenheit erinnert.
Die Mercedes G-Klasse ist heute weniger Geländewagen als vielmehr luxuriöses Lifestyle-Automobil – bei entsprechenden Verkaufspreisen. So hat auch das neue Wiking-Modell ein absolut statusträchtiges Prestigeobjekt zum Vorbild, das sich gestalterisch an die AMG-Versionen anlehnt. Mattschwarze Lackierung, Fünfsternfelgen und Mercedes-Stern im Kühlergrill in Gold, verdunkelte hintere Scheiben, mehr Luxus geht fast gar nicht. Wiking hat sich als Vorbild das Mercedes G-Modell den G 500 mit einem Fünfliter-V8-Saugmotor ausgesucht, was auch hinter den vorderen Radausschnitten zu lesen ist. Diese Ausführung gab es bisher bei Wiking nur als Sondermodell für Daimler-Benz.
Das Modell des Rolls-Royce Silver Shadow I (also der ersten Generation von zweien) erschien im Jahr 1987 als Klassiker im Wiking-Katalog und ist seitdem dort vertreten. Eine dem neuen Modell ähnliche Lackierungsvariante erschien im Jahr 2014. Doch die aktuelle Version überzeugt durch eine umfangreiche, zusätzliche Bedruckung. Dem Verfasser gefällt vor allen der feine rote Zierstreifen über den saphirblau lackierten Seitenflanken. Der Rolls-Royce Silver Shadow war zu seiner Zeit das meistgebaute Automobil dieser Marke mit Lieferfristen von zeitweise bis zu zwei Jahren. Wiking hat hier ein wunderschönes Modell auf die mit Weißwandringen versehenen Räder gestellt.
Unser Miniatur-Campingplatz füllt sich langsam, vorwiegend mit VW Bullis. Wiking liefert das beliebte Modell des VW T2b Westfalia im verbreiteten hellgrünen Farbton. Leider weist kein Aufdruck auf den Ausbauer des Fahrzeugs, Westfalia, hin.
Lastwagen und Traktoren
Möbel werden, ob alte oder neue, mit Möbelwagen transportiert. Und einen solchen hat Wiking seit 1958 als eines der ersten verglasten Modelle im Sortiment. Zwei Jahre später gab es sogar ein Werbemodell für die Schweizer Firma Möbel-Pfister, allerdings sehr spartanisch bedruckt. Die Schriftzüge waren entweder auf Deutsch, Italienisch oder Französisch aufgedruckt. Heute sind diese Miniaturen sehr selten und gesucht. Wiking nannte damals kein Vorbild für den Möbelwagen, um ihn universell vermarkten zu können. Das aktuelle Modell in den frohen Hausfarben der immer noch existierende Firma Pfister ist jedoch eindeutig als Mercedes LP 312 Koffer-LKW mit Ackermann-Aufbau zu identifizieren. Ackermann aus Wuppertal war damals bei Möbelherstellern und auch Umzugsspeditionen sehr beliebt, da sie ein optimales Ladevolumen boten. Und die oben angebrachte „Ackermann-Schwinge“ sah einfach schick aus. Pfister, wie sich das Unternehmen heute nennt, ist in der Schweiz mit 18 Filialen vertreten und beschäftigt circa 1400 Mitarbeiter. Seit dem Jahr 2020 ist Pfister ein Bestandteil der XXXLutz-Gruppe.
Nach einem Mercedes LPS 1620 Rungensattelzug und einem MAN Pritschensattelzug fährt nun auch der neue Henschel HS 140 Pritschenlastwagen für die fiktive „Eisen- und Stahlhandel A.G.“. Wiking hat das Modell mit der hinten offenen Pritsche ausgestattet, damit auch längere Stahlteile transportiert werden können. Ein passendes Ladegut liegt allerdings nicht bei.
Der Miniaturlastwagen nach dem Vorbild des Magirus-Deutz 235 D TE war seit seinem Erscheinen im Jahr 1967 bei Wiking immer ein Favorit vieler Jungs. Und auch die aktuelle Version in Schiefergrau mit beigefarbenem Fahrgestell und Stahl-Hochbordpritsche sieht hervorragend aus. Eine ungewöhnliche, aber eindrucksvolle Farbkombination! Diese Bauteilzusammenstellung gab es bisher nur im Modellset „Gestählte Bullen“ des kleinen Wiking-Ladens von Michi Bloeßl. Bei seiner Premiere im Jahr 1963 war die Fernfahrerkabine etwas vollkommen Neues und bot den Helden der Landstraße ungewohnten Komfort auf den langen Strecken, die sie bewältigen mussten.
Ein weiterer zeitgenössischer Favorit ist der Hanomag-Henschel Koffer-Lkw in seinen vielen verschiedenen Beschriftungsvarianten. Neu im Reigen dieser Modelle ist die Version nach einem Vorbild des Waschmaschinenherstellers Scharpf, leider ohne passenden Anhänger. Scharpf aus Stuttgart-Zuffenhausen war in den 50er und 60er Jahren ein sehr bekannter Hersteller von Haushaltsgeräten, vorwiegend von Waschautomaten und Wäscheschleudern. Mit dem Aufkommen der vollautomatischen Waschmaschine, die sowohl waschen als auch schleudern konnten, geriet Scharpf seinerseits ins Schleudern und 1970 Konkurs anmelden. Das Vorbild des Hanomag-Henschel F221 wurde auf der IAA 1967 in Frankfurt/Main präsentiert, zunächst unter der Bezeichnung „Henschel“. Später änderte sich die Marke zu „Hanomag-Henschel“, mit der Übernahme des Unternehmens durch Daimler-Benz verschwand dieser Namen 1974 endgültig.
Zwei historische Traktorminiaturen von Wiking erhalten ein neues Farbkleid, der Steyr 80 und der Eicher Königstiger. Allerdings zeigen sich diese eher ungewöhnlich und differieren von den Hausfarben der jeweiligen Hersteller. Der von 1949 bis 1964 gebaute Steyr 80, auch „15er-Steyr“ genannt, war besonders auf den kleinen Bauernhöfen in Österreich ein treuer Helfer und erreichte eine Stückzahl von mehr als 45.000 Exemplare. Traktoren von Eicher waren immer im hauseigenen Farbton Alpenblau lackiert. Diese Farbe ist beim neuen Wiking-Modell ebenfalls vorhanden, aber gepaart mit weißen Elementen. So könnte der Traktor bei einem Schaustellerbetrieb im Einsatz gestanden sein.
Ein sehr nützliches Zubehör zum Restaurieren von älteren Wiking-Modellen, denen die Fahrerfiguren fehlen, ist das neue Zubehör mit unterschiedlichen Fahrern. Allerdings stellt dieses Set auch eine große Gefahr dar, weil damit Wald- und Wiesen-Modelle plötzlich zu Raritäten werden könnten. Vor allem Sammler nur alter Wiking-Modelle sind da gefährdet, weil sie sich meist nicht für die aktuellen Wiking-Neuheiten interessieren. Und die Hardcore-Sammler lehnen solche Neuauflagen prinzipiell ab, mit der Begründung, Wiking (immerhin der Eigentümer der alten Formen!), dürfe so etwas aus moralischen Gründen nicht. Kein weiterer Kommentar.
kr

Modellfotos: kr











Steckbrief:
Wiking 0124 39 DKW Munga „Himalaya Expedition 1958“. Karosserie, FG, Felgen und Benzinkanister rot. IA basaltgrau. Lenkrad schwarz. UVP 15,99 €.
0266 10 Mercedes G 500 V8 1998. Karosserie mattschwarz. FG, IA und Ersatzrad schwarz. Fünfstern-Felgen goldmetallic. UVP 19,99 €.
0837 05 Rolls-Royce Silver Shadow I 1965. Karosserie silbermetallic mit saphirblau abgesetzten Flanken und einem roten Zierstreifen. IA silbergrau. FG schwarz. Felgen silbern mit saphirblau dekorierten Radkappen. UVP 23,49 €.
0318 07 VW T2b Westfalia Campingbus 1972. Karosserie hellgrün. Dach, Felgen, Reserveradabdeckung und Stoßstangen weiß. IA braun. FG und Lenkrad schwarzgrau. Hintere Scheiben mit aufgedruckten Vorhängen. UVP 20,99 €.
0500 02 Mercedes LP 312 Ackermann-Kofferlastwagen „Möbel Pfister AG“ 1956. Aufbau verkehrsrot mit weiß und schwarz abgesetzten Felgen. IA rotbraun. FG silbergrau. Trilex-Felgen rot. UVP 19,99 €.
0415 03 Henschel HS 150 Pritschen-Lkw „Eisen- und Stahlhandel A.G.“ FH und Pritsche schwarz. IA moosgrau. FG, Kotflügel, Kühlergrill und Trilex-Felgen feuerrot. 1955. UVP 27,99 €.
0433 11 Magirus 235 D Hochbordpritschen-Lkw 1963. FH, Pritsche und Felgen schiefergrau. IA mausgrau. FG beige. Kotflügel und Stoßstange schwarz. UVP 22,99 €.
0440 02 Hanomag-Henschel F221 Koffer-Lkw „Scharpf Waschautomaten“ 1969. FH-Oberteil und Kofferaufbau papyrusweiß. Kofferaufbau unten maigrün bedruckt. FH-Unterteil, FG, Kotflügel und Felgen maigrün. IA schwarzgrau. Hintere Fahrerhausscheiben mit Vorhängen bedruckt. UVP 27,49 €.
0876 46 Steyr 80 Traktor 1949. FG, Motorblock und Sitz betongrau. Motorabdeckung und Felgen verkehrsorange. Lenkrad und Auspuff schwarz. UVP 12,99 €.
0971 05 Eicher Königstiger Traktor 1959. FG, Motorblock und Kotflügel Alpen-blau. Motorabdeckung, Überrollbügel und Felgen weiß. Sitz oxidrot. Lenkrad und Auspuff schwarz. UVP 21,99 €.
0018 39 Zubehörpackung Fahrer und Beifahrer. Fünf Fahrer und Beifahrer für Cabriolets (olivgrau, azurblau, grün, braun, fenstergrau); drei Rennfahrer (braunbeige, perlweiß und papyrusweiß); zwei Traktorfahrer (pastellblau, resedagrün); zwei Fahrer für Gabelstapler, Elektrokarren (pastellblau, resedagrün); ein Busfahrer (graublau). UVP 15,99 €.