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Sammeln 1:87: Die Ferrari Rennsport-Prototypen 1966/1967 und ihre kleinen Abbilder in 1:87

Große Ferrari-Prototypen ganz klein

Kaum ein Modellauto wurde in der jüngsten Vergangenheit mehr diskutiert, zerpflückt sowie auf seinen Sinn und seine Vorbildhaftigkeit überprüft wie die Ferrari-Rennsport-Prototypen von 1966/67. Nahezu gleichzeitig erschienen sie von Wiking als Exklusivmodelle für das Nationale Automuseum und von Brekina als Fachhandelsmodelle. Jeder gab reflexartig seinen Senf dazu, von durchaus sachverständig bis zu absolut unqualifiziert. Hans-Jürgen Spychalla ließ sich und nahm sich etwas mehr Zeit und recherchierte fundiert. Eine Abhandlung, welche die üblichen Caramini-online-Beiträge sprengt.

Lesezeit: etwas länger als üblich. Schenken Sie sich eine Tasse Kaffee ein, lehnen Sie sich zurück. Es wird interessant.

Arnold Schwarzenegger sagte 1994 in seiner berühmten Rolle als Terminator, „I’ll be back“, bevor er zu neuen Taten schritt. Enzo Ferrari hatte wahrscheinlich etwas Ähnliches gedacht, als er sich zur Niederlage gegen Ford beim 24 Stunden-Rennen in Le Mans 1966 äußerte: „Im dritten Durchgang hatte der Koloss gewonnen – es stand geschrieben, dass dieser Moment kommen musste.“ Nicht nur die ersten drei Plätze des Rennens in Le Mans 1966 gingen an Ford, sondern am Ende der Rennsaison auch die Marken-Weltmeisterschaften in der großen Prototypen- und der entsprechenden Sportwagenklasse. In der folgenden Saison 1967 siegte Ferrari bei den Rennen von Daytona und Monza. Ford jedoch erreichte erneut den prestigeträchtigen Gesamtsieg in Le Mans und wiederholte dies auch 1968 und 1969. Der Commendatore sollte einen Sieg seiner roten Renner in Le Mans nicht mehr erleben. Erst 2023 stand dort nach 57 Jahren wieder ein Ferrari-Werksteam ganz oben auf dem Siegerpodest. Und auch 2024 und 2025 errang ein Ferrari-Team den Gesamtsieg bei diesem großen, Menschen und Material in höchstem Maße beanspruchenden 24-Stunden-Rennen.

Mein Interesse für die Ferrari-Rennwagen der 330 P-Klasse und deren Geschichte wurde erstmals geweckt, als ich im letzten Jahr ein rares 1:87-Modell einer 330 P4-Berlinetta im tiefen Süden Frankreichs erwerben konnte. Und dann war da noch im beschaulichen Dietzhölztal die 1:1-Version eines echten 412 P, eine rote Skulptur, eine Ikone des Automobildesigns.

In Reminiszenz an die große Vergangenheit der Marke Ferrari zeigte das Nationale Automuseum The Loh Collection (NAM) 2024 mit der Sonderausstellung Ferrari – Meisterstücke für Rennstrecke und Straße eine Auswahl besonderer Straßen- und -Rennfahrzeuge dieser faszinierenden Marke. Bestandteil der Ausstellung war auch der Ferrari 412 P mit der Fahrgestellnummer 0844, mit dem das North American Racing Team (N.A.R.T.) im 24 Stunden-Rennen von Daytona 1967 den dritten Platz erreichte. Das NAM präsentierte den Ferrari-Prototyp in der Karosseriekonfiguration des 1967er Rennens von Daytona.

Damit sich die Sammler kleiner Modellpreziosen sich auch einen der alten edlen Recken in die Vitrine stellen können, hat Modellbauer Wiking im vergangenen Jahr den Ferrari 412 P im Maßstab 1:87 exklusiv für das NAM entwickelt und produziert. Seitens des Mitwettbewerbers Brekina erfolgte gleichzeitig eine Parallelentwicklung des 1966er Basistyps 330 P3 als Berlinetta und als Spider.

Bevor wir uns mit den begehrten Modellen im Maßstab 1:87 beschäftigen, werfen wir zunächst einen Blick zurück in die Vergangenheit auf die großen Vorbilder und ihr Revier.

Teil 1: Die Langstreckenrennen in den 60er Jahren und der Zweikampf Ford vs. Ferrari

In der Mitte des 20. Jahrhunderts erfreuten sich Langstreckenrennen einer großen Beliebtheit. Insbesondere Le Mans war jährlicher Austragungsort eines der bedeutendsten Rennens dieser Art und ist es bis heute geblieben. Anfang der 60er Jahre beschloss die damalige oberste Motorsportbehörde, die Commission Sportive Internationale (CSI), die bisherigen Teilnahmeregeln für die Sportwagen-Weltmeisterschaft gravierend zu verändern und ab 1962 eine GT-Meisterschaft zu veranstalten. Die allgemeine Marken-Weltmeisterschaft wurde durch Marken-Weltmeisterschaften einzelner Fahrzeugklassen abgelöst. Das undurchsichtige neue Reglement wurde in den Folgejahren ständig verändert. 1963 wurde für die Rennwagenprototypen eine separate Marken-Meisterschaft in den Klassen bis und über 3 Liter Hubraum eingeführt; 1965 gab es lediglich eine Prototypenklasse ohne Hubraumbegrenzung. 1966 und 1967 waren es zwei Klassen mit bis und über 2 Liter Hubraum. Die leistungsstarken und die Rennen beherrschenden Prototypen starteten jeweils in der Klasse mit unbegrenztem Hubraum. Gleichzeitig gab es diverse Sportwagenklassen, auch bei den Sportwagen eine Klasse für Fahrzeuge mit mehr als 2 Litern Hubraum.

Nachdem 1963 die Übernahme von Ferrari durch Ford endgültig gescheitert war, legte Ford ein eigenes Rennsportprogramm auf, um Ferrari beim am meisten prestigeträchtigen Langstreckenrennen, den 24 Stunden von Le Mans, zu besiegen. Die Sportwagenrennen der Jahre 1964 bis 1967 wurden zum großen Zweikampf der Prototypen-Rennwagen zwischen Ferrari und Ford. Während Ford vor allem auf V8-Triebwerke mit bis zu 7 Litern Hubraum und hoher Leistung setzte, blieb Ferrari grundsätzlich bei den 12-Zylinder-Motoren mit 4 Liter Hubraum und kompensierte das Leistungsdefizit durch Leichtbau und Aerodynamik. Den finalen Höhepunkt dieser Rennwagenentwicklung bildeten 1966 und 1967 die von Ferrari gebauten Prototypen 330 P3 und 330 P4 und ihre größten Konkurrenten, die Ford GT Mk II und Mk IV.

1968 änderte die CSI erneut das Rennreglement. Der Hubraum bei den Prototypen wurde auf 3 Liter, bei den Sportwagen auf 5 Liter begrenzt. Damit endete die große Ära der starken und die Rundstrecken der Welt beherrschenden Rennwagenprototypen. Das Werksteam von Ferrari verzichtete 1968 in Ermangelung eines konkurrenzfähigen Rennwagens auf die Teilnahme an Sportwagenrennen und beteiligte sich erst 1969 mit dem neu entwickelten Prototyp 312 P an Langstreckenrennen. Bis 1971 beherrschten jedoch die Sportwagen mit Motoren bis 5 Liter Hubraum die Rennstrecken.

Die Ferrari-Rennwagen des Typs 330 P

Die für Langstreckenrennen entworfenen Rennwagen des Typs 330 P wurden von 1964 bis 1967 in den Varianten 330 P, P2, P3 und P4 gebaut. Die 330 bezeichnet das Volumen eines einzelnen Zylinders des 4-Liter-V12-Triebwerks, das „P“ ist die Abkürzung für „Prototipo“. Die 1966 gebauten 330 P3, der verbesserte 412 P und der P3-Nachfolger 330 P4 aus dem Jahre 1967 bildeten die finalen Höhepunkte der Rennwagenentwicklung der Prototypen-Baureihe 330 P.

Der Tipo 330 P3 der Rennsaison 1966

Der Ferrari 330 P3 mit 420 Pferdestärken, die dritte Generation des 330 P Rennsportwagens, war aufgrund der erstmals eingesetzten Einspritzanlage leistungsstärker sowie deutlich leichter und aerodynamischer gestaltet als seine Vorgänger. Aufgrund des Streiks in der oberitalienischen Metallindustrie wurden lediglich drei Exemplare gebaut – zwei Berlinettas und ein Spider –, von denen eine Berlinetta erst zum letzten WM-Lauf der Saison in Le Mans einsatzbereit war. Aus Zeitmangel verwendete Ferrari ein deutsches ZF-Getriebe, das sich leider als eine Schwachstelle des 330 P3 erwies, wie sich schon bei dessen Debüt im 12-Stunden-Rennen von Sebring zeigte: Ausfall mit Getriebeschaden drei Stunden vor der Ziellinie.

Ferrari gewann mit der im NAM ausgestellten Berlinetta #0844 in ihrer ursprünglichen 330 P3-Form die Rennen in Monza und Spa-Franchorchamps. Die Entscheidung in der Weltmeisterschaft 1966 zwischen Ferrari und Ford fiel in Le Mans. Ferrari trat mit allen drei 330 P3 an, Ford mit acht 7 Liter GT Mk II. Ford belegte mit den GT Mk II die ersten drei Plätze, die 330 P3 fielen allesamt aus. Der beste Ferrari, ein 275 GTB, erreichte den achten Rang, Enzo Ferrari sann für 1967 auf Revanche.

Neues Spiel und neues Glück im Jahre 1967 – die Typen 330 P3/4, 412 P, 330 P4

Für die Rennsaison 1967 baute Ferrari drei Prototypen des weiterentwickelten Typs 330 P4. Bei gleichem Radstand wurde die Karosserie geringfügig länger, breiter und höher gestaltet, ein 3-Ventil-Zylinderkopf zierte den neuen V12-Motor mit nunmehr 450 PS, das ZF-Getriebe wurde durch ein von Ferrari entwickeltes Getriebe ersetzt. Der einzige 330 P3 Spider aus der Vorsaison mutierte zum Typ 330 P3/4 und erhielt ein 330 P4-Heck sowie die P4-Technik.

Es war für Ferrari durchaus üblich, die Werksrennwagen der Vorsaison aufzuhübschen und an private Teams abzugeben. Ähnliches geschah 1967. Bei den beiden 330 P3 Berlinettas ersetzte Ferrari die Einspritzanlage durch Weber-Doppelvergaser und nahm Anpassungen im hinteren Bereich der Karosserie in Anlehnung an die 330 P4 vor; diese 330 P3 wurden nun als Typ 412 P geführt. Das anfällige ZF-Getriebe erhielt zunächst einen Ölkühler. Zum Rennen in Le Mans erfolgte Ersatz durch ein werkeigenes Ferrari-Getriebe. Aus den Teilen der in der Saison 1966 wegen der Streiks nicht mehr gebauten 330 P3 erstellte Ferrari zwei weitere 412 P und übergab diese, zusammen mit den beiden „alten“ 412 P, an private Rennställe.

Für die Rennsaison standen dadurch dem Werksteam vier Ferrari 330 P-Rennwagen zur Verfügung, drei neue 330 P4 und ein zum 330 P3/4 umgerüsteter Vorjahresprototyp. Die vier 412 P wurden in privaten Rennteams eingesetzt.

Hatten die neuen 1967er Rennwagen und die umgerüsteten Vorjahresmodelle Ferrari nun den erwarteten Erfolg im Wettstreit mit dem großen Konkurrenten Ford gebracht? Im Februar bei den 24 Stunden von Daytona gab es jedenfalls einen Hattrick. Der umgebaute 330 P3/4 siegte vor einer neuen 330 P4 Berlinetta und dem schon bekannten 412 P #0844 des N.A.R.T.. Die Revanche für Le Mans 1966 war damit aus Sicht Ferraris erfolgt. Ebenso erreichten zwei 330 P4 in Monza die ersten beiden Plätze, ein 412 P erzielte in Spa-Franchorchamps den dritten Rang. In Le Mans siegte allerdings wie im Vorjahr Ford, diesmal mit dem 7-Liter-Prototypen GT Mk IV. Die 330 P4 wurden auf den zweiten und den dritten Platz verwiesen. Für das 6-Stunden-Rennen in Brands Hatch wurden alle drei 330 P4 mit einer neuen Spider-Karosserie versehen und liefen im Ziel auf den Plätzen 2, 5 und 6 ein. Ein 412 P folgte auf Platz 7. Im letzten, nicht zur WM zählenden Rennen der 1000 km von Paris in Montlhéry fuhren 412 P auf die Plätze 2 und 5.

Was passierte weiter mit den alten Recken?

Das letzte Rennen der Sportwagen-WM 1967 in Montlhéry war auch der letzte Auftritt der 330 P Rennwagen sowie ihrer Ford GT-Konkurrenz (Mk II/Mk IV), da das ab 1968 in Kraft getretene neue Reglement den Hubraum der Sport-Prototypen auf 3 Liter beschränkte. Der 412 P #0844 sowie zwei 330 P4 wurden zu Gruppe-7-Spidern umgebaut und Ende 1967 in der amerikanischen Can-Am-Meisterschaft eingesetzt.

Und dann ist da noch die „P5-Legende“: Ferrari kündigte 1968 das Erscheinen eines Tipo 250 P5 an, so dass, entgegen der Teilnahmeabsage an der Sportwagenweltmeisterschaft 1968, über eine Rücknahme der Entscheidung Ferraris spekuliert wurde. Der 250 P5 stellte sich jedoch nur als eine Stilstudie Pininfarinas mit dem 3-Liter-V12 in einer aktuellen Formel-1-Variante heraus. Der 330 P4 blieb damit der letzte große Ferrari-Prototypenrennwagen.

Der kleine Unterschied zwischen 330 P3, 330 P3/4, 412 P und 330 P4

Welche äußeren Merkmale ermöglichen die Differenzierung zwischen den Ferrari 330 P4 und den 330 P3 bzw. 412 P? Im ersten Moment fällt es dem Betrachter schwer, die sich sehr ähnlich sehenden Rennwagen zu unterscheiden. Da es sich um Prototypen handelte, gab es zahlreiche Anpassungen im Verlauf einer Rennsaison. Beispielsweise wurden bei den 330 P3 im Verlauf der Rennsaison 1966 Heckspoiler und Spiegel geändert und zum Ende der Rennsaison 1967 alle drei 330 P4-Berlinettas zu Spidern umgebaut.

An der Fahrzeugfront ist ein kleiner, aber eindeutiger Unterschied zwischen den 330 P3/412 P einerseits und den 330 P4 andererseits gegeben. Während die 330 P4 oberhalb der großen, ovalen Lüftungsöffnung zwei schmale Schlitze rechts und links aufweisen, ist bei den 330 P3 sowie ihrer Modifikation 412 P ein schmaler Schlitz in der Mitte oberhalb der großen ovalen Öffnung vorhanden. Ein weiterer, markanter Unterschied ist die Gestaltung des Heckabschlusses. Der 330 P4 erhielt dort anstelle der zwei länglichen vergitterten Lüftungsöffnungen des 330 P3 eine zentral angeordnete rechteckige Öffnung, hinter der das ggf. mitgeführte Reserverad sichtbar ist. Die 412 P wurden entsprechend modifiziert, die zentral angeordnete rechteckige Öffnung jedoch ähnlich wie beim 330 P3 mit einem Lüftungsgitter geschlossen. Der 330 P3/4 Spider besitzt die Front eines 330 P3 und die Heckgestaltung eines 330 P4.

Eine automobile rote Ikone und Vorbild für das Wiking-Modell: Der Ferrari 412 P mit der Fahrgestellnummer 0844 im Nationalen Automuseum.
Foto: Hans-Jürgen Spychalla
Der letzte große Ferrari-Prototypenrennwagen 330 P4 mit Spiderkarosserie und Startnummer des Brands-Hatch-Rennens 1967, Gaststar 2014 in Beverly Hills.
Foto: Larry Stevens
Ein weiterer automobiler Superstar, Schwestermodell der roten Ikone im NAM und kein Umbau eines 330 P3: Der Ferrari 412 P, #0850 von 1967 im gelben Farbkleid der Ecurie Francorchamps. Präsentiert in Pebble Beach beim „Casa Ferrari“ im Sommer 2023.
Foto: Priva MO

Teil 2: Die geschrumpften Ferrari 330-Pretiosen

Schauen wir uns jetzt, mit dem Wissen über die Originale und deren gestalterischen Unterschieden, das modellbauerische Angebot der 1966er und 1967er Ferrari Prototypen im Maßstab 1:87 an.

Brekina hat sich die Ferrari 330 P3 aus der Rennsaison 1966 zum Vorbild genommen und sowohl eine Berlinetta als auch einen Spider realisiert. Der Maßstab 1:87 wird nahezu eingehalten, der Detaillierungsgrad ist hoch. Sowohl an den Fahrzeughecks wie an den Fronten sind die charakteristischen Eigenschaften des 330 P3 sichtbar. Ebenso wurden die Karosserie-Unterschiede zwischen der Berlinetta und dem Spider herausgearbeitet. Ein filigraner einzelner Scheibenwischer, separat eingesetzte Außenspiegel sowie die zwar sparsame, aber sehr gute Bedruckung runden den positiven Eindruck ab.

Das von Wiking vorliegende Modell mit der Referenznummer 8182 04 entspricht dem im NAM ausgestellten Ferrari 412 P in der Ausführung des 24-Stunden-Rennens von Daytona 1967. Wie bei den Brekina-Modellen wird der Maßstab 1:87 nahezu eingehalten. Die Karosseriedetails, speziell das 412 P-Karosserieheck, wurden typgerecht modelliert. Scheibenwischer und eine vorbildgerechte Innenausstattung sind vorhanden. Die Außenspiegel wurden bewusst nicht als separate Anbauteile gestaltet, um die charakteristischen Merkmale eines typischen Wiking-Modells zu betonen. Leider ist der kleine, aber markante 330 P3-Lüftungsschlitz oberhalb der großen, ovalen Lüftungsöffnung an der Fahrzeugfront kaum erkennbar. Die hochwertige Bedruckung der Karosserie ist sehr detailliert ausgeführt, ebenso die entsprechend dem Vorbild sehr schön bedruckten Felgen und Reifen; Zentralverschlüsse sowie Auspuffrohre wurden nicht farblich hervorgehoben. Die enge Zusammenarbeit mit dem NAM hat sich sichtbar ausgezahlt. Das Ergebnis ist ein insgesamt sehr gutes und gleichzeitig ein typisches „Wiking-Modell“ des Ferrari 412 P.

Last, but not least: Der Carbone87-Ferrari. Die Modelle des Ferrari 330 P4 von Carbone wurden als Berlinetta und als Spider in der zweiten Hälfte der 90er Jahre produziert und sind nur selten im Angebot. Die Modelle entsprechen dem sehr guten Formenbau ihrer Zeit im angenäherten H0-Maßstab, fallen jedoch mit ca. 1:84 etwas größer aus. Die Modelle sind in einer sehr guten Form- und Detailqualität sowie Bedruckung ausgeführt. Die typischen Merkmale des 330 P4 am Heck und an der Front sowie die Unterschiede zwischen der Berlinetta und dem Spider wurden präzise herausgearbeitet. Die Berlinetta entspricht der Version von Le Mans 1967, der Spider dem Umbau zum nachfolgenden Rennen in Brands Hatch 1967. Die Außenspiegel wurden bei der Berlinetta vorbildgerecht in die Kotflügel integriert und beim Spider richtigerweise weggelassen. Carbone hat den Spider nicht mit den passenden Startnummern bedruckt, sondern die Startnummern des 330 P3/4 aus dem Rennen in Daytona im Frühjahr 1967 verwendet. Das ist angesichts der hochwertigen und raren Ausführung zu verschmerzen.

Wer sich nun die schönen Prototypen als Modell zulegen möchte, hat derzeitig keineswegs die Qual der Wahl. Sowohl vor langer Zeit Carbone wie auch aktuell Brekina bzw. Wiking haben unterschiedliche Modelle aus unterschiedlichen Jahrgängen aufgelegt. Wer einen Ferrari 330 P3, ob als Berlinetta oder als Spider, im Kleinmaßstab erwerben möchte, kommt an dem Brekina-Angebot nicht vorbei. Der Ferrari 412 P-Interessent hat lediglich das Wiking-Modell in verschiedenen Farbvarianten zur Auswahl. Der Bedarf nach dem Ferrari 330 P4 kann nur durch Erwerb der antiken Carbone-Modelle gedeckt werden.

Allerdings soll von Wiking der Ferrari 330 P3 ab Februar 2026 im Shop des NAM verfügbar sein, angabegemäß mit entsprechenden Karosserieanpassungen im Vergleich zum 412 P. Brekina plant mit 1967er-Varianten seiner 330 P3-Modelle; wir hoffen auf eine modellkonforme 1967er Ausführung als 412 P.

Aggregierte Bewertung der Modelle

Brekina Berlinetta (B) und Spider (S) (Version ca. Zeitraum Le Mans 1966):

Plus: Auspuffrohre farblich abgesetzt, feine Bedruckung der Rückleuchten, farblich abgesetzte Zentralverschlüsse. Separierte Außenspiegel, Scheibenwischer. Vordere Belüftungen vollständig ausgeführt. Schiebefenster bei den Seitenscheiben vorhanden (B).

Länge ca. 48 mm (B/S), Breite ca. 21 mm (B/S), Höhe ca. 11 mm (B) Originalmaße: Länge 4170 mm, Breite 1780 mm, Höhe 950 mm. Umrechnung: 47,9 mm – 20,5 mm – 10,9 mm → ca. 1:87.Sehr maßhaltig. Die Brekina-Modelle sind vorne schmaler als der 412 P von Wiking ausgeführt.

Wiking (Modell in der Version Daytona 1967):

Minus: Außenspiegel integriert und nicht separat eingesetzt, Zentralverschlüsse der Felgen nicht farblich abgesetzt, die schmalen Lüftungsöffnungen an der Vorderseite sind nur ganz schwach erkennbar ausgeführt worden, Auspuffrohre nicht farblich abgesetzt.

Plus: sehr detailgetreue Bedruckung, sehr schön farblich gestaltete Felgen mit detaillierter Reifenbeschriftung, Scheibenwischer vorhanden, jedoch gröber als bei Brekina/Carbone ausgeführt, Schiebefenster bei den Seitenscheiben vorhanden.

Länge ca. 48 mm, Breite ca. 21 mm, Höhe ca. 11 mm

Originalmaße: Länge 4170 mm – Breite 1780 mm – Höhe 950 mm

Umrechnung: 47,9 mm – 20,5 mm – 10,9 mm → ca 1:87. Sehr maßhaltig.

Carbone87 (Berlinetta in der Version Le Mans 1967/Spider ca. Zeitraum Brands Hatch 1967 mit der Startnummernbeschriftung des 330 P3/4 von Daytona 1967):

Minus: Maßstab etwas größer als 1:87. Die Beschriftung des Spiders passt nicht, da kein 330 P3/4. Die Schiebefenster bei den Seitenfenstern der Berlinetta fehlen.

Plus: detailgetreue Bedruckung, sehr schön farblich gestaltete Felgen mit farblicher Absetzung der Zentralverschlüsse, alle Lüftungsöffnungen an der Vorder- und der Rückseite ausgebildet und/oder geschwärzt, Auspuffrohre typgerecht in weiß, Scheibenwischer vorhanden, Außenspiegel wie in Le Mans 67 integriert modelliert bzw. wie in Brands Hatch weggelassen.

Länge: ca. 49,5 mm, Breite ca. 22,5 mm, Höhe ca. 12 mm

Originalmaße: Länge 4185 mm – Breite 1810 mm – Höhe 1000 mm

Umrechnung: 48,1 mm – 20,8 mm – 11,5 mm  → ca. 1:84,6 Länge, 1:80,4 Breite, 1:83 Höhe →  etwas größer als 1:87.

Hans-Jürgen Spychalla

Die Wiking-Interpretation des Ferrari 412 P, #0844. Die blauen Streifen an den Reifenflanken bedeuten übrigens, dass der Wagen die High-Performance-Version der Goodyear-Reifen mit Namen Blue Streak (= blauer Streifen) trägt.
Modellfotos: Hans-Jürgen Spychalla
Mit und ohne Dach und beide ohne blauen Reifenstreifen; das Ferrari-Werksteam fuhr 1966 mit Firestone-Gummis: Ferrari 330 P3 Berlinetta und Spider von Brekina.
Die ganze Rasselbande im Vergleich, von vorne, von hinten und als Wimmelbild: v.l.n.r. Ferrari 330 P3 Berlinetta, 330 P3 Spider, 412 P Berlinetta, 330 P4 Berlinetta, 330 P4 Spider.
Die Le-Mans-Protagonisten 1966 und 1967 in 1:87: v.l.n.r.: Le Mans Sieger 1966 Ford GT Mk II (Spark), Le Mans Teilnehmer 1966 Ferrari 330 P3 Berlinetta (Brekina), Le Mans Sieger 1967 Ford GT Mk IV (Spark), Le Mans Zweiter 1967 Ferrari 330 P4 Berlinetta (Carbone87).