Der Ferrari par excellence
Was bei Porsche das Paint-to-Sample- oder bei Mercedes das Manufaktur-Programm, ist bei Ferrari das Tailor Made Atelier. Besonders exklusiv und extravagant ist der neue LaFerrari von BBR, geradezu hinreißend schön und umwerfend umgesetzt: Bianco Birdcage und Carbon Blu – eine Herausforderung an den Modellautolackierer, perfekt gemeistert.
Ferrari ist ein ikonischer Name. Jedes Kind kennt ihn. Er übt geradezu magische Anziehungskraft aus. Und er klingt so herrlich italienisch! Überdies bietet er Anklänge an Ferrum, lateinisch Stahl, und Stahl ist nun einmal ein Hauptbestandteil von Autos. Ferrari ist, wie Müller, Schreiner, Weber, Bauer und Wagner, ein ursprünglich berufsbezogener Nachname, er lässt sich mit „Schmied“ oder „Schmidt“ übersetzen. Entsprechend viele Ferraris gibt es in Italien und darüber hinaus – wohin auch immer die Italiener namens Ferrari eben ausgewandert sein mögen. Und dann ist da noch der Enzo. „Unser“ Enzo wurde nach Vincenzo benannt, und im Standesamt von Modena ist niedergelegt, er wurde als Enzo Anselmo Giuseppe Maria Ferrari registriert. Das ist natürlich ziemlich desillusionierend. Wäre Enzo Ferrari ein Deutscher gewesen, so hätte er Vinzenz Schmied geheißen. Im Englischen Vincent Smith. Im Französischen Vincent Lefèvre. Im Schwedischen Vincent Smed. Alles sehr profan! Dagegen Enzo Ferrari – alleine der Klang dieses Namens ist eine halbe Oper!
„LaFerrari“ heißt übersetzt schlichtweg „Der Ferrari“, was trivial klingt, aber die Bedeutung hat, dieser Wagen sei der Ferrari schlechthin. Es ist also ein ultimativer Ausdruck. Das klingt marktstrategisch bombig, birgt aber in sich das Paradox, dass es nicht zu übertreffen ist. Somit war diese Bezeichnung also nur klug, solange der Wagen in Produktion war (2013 bis 2018). Aber der Urheber stürzte die Marke quasi in die Krise, denn nach „LaFerrari“ ist keine Steigerung mehr möglich. Man sagt, dieser „Erfinder“ des Namens sei Luca Cordero di Montezemono höchstselbst gewesen, der damalige Geschäftsführer von Ferrari. Und er agierte, zumindest bezüglich der Namensgebung, nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. 2014 gab er seine 23jährige Tätigkeit bei Ferrari zugunsten der CEO-Stellung bei der Fluggesellschaft Alitalia auf. Vielleicht wollte er zum Ausdruck bringen, LaFerrari sei der Ferrari par excellence während der Ära, die er, Montezemono, bestimmte. Immerhin war LaFerrari sein persönlicher Höhepunkt bei Ferrari.
„Unboxing“ ist nicht affig
LaFerrari ist kein altes Auto. Vor rund zehn Jahren war er aktuell (die Werksgarantie ist abgelaufen). Mit 963 PS war er bis dato der leistungsstärkste Straßen-Ferrari (800-PS-V12-Saugmotor plus 163-PS-Elektromotor), und seine Konkurrenten waren der Porsche 918 Spyder (887 PS) und der McLaren P1 (916 PS). Aber schon damals gab es Autos mit vierstelligen PS-Zahlen, neben dem Koenigsegg One (1341 PS) die Bugatti-Typen Veyron 16.4 Super Sport (1200 PS) und Chiron (1500 PS). Das ist heute noch beeindruckend. Und doch nicht mehr, denn die LaFerrari-Leistung hat sich heute bei Elektromobilen mehr als verdoppelt. Ein Koenigsegg Gemera kommt auf 2332 PS, ein Rimac Nevera R auf 2107 PS und ein Lotus Evija auf 2039 PS. Und dennoch: Auch heute sind knapp 1000 PS nichts, was ein elektrischer Hot Hatch auf die Straße bringt, sondern immer noch ein Wert für extravagante Fahrzeuge (Aston Martin Valhalla, Lamborghini Temerario, Ferrari SF90). Wer sich vor zehn Jahren einen LaFerrari gegönnt hat, besitzt also heute noch ein mehr als konkurrenzfähiges Fahrzeug! Und er tätigte ein kluges Investment. Ein LaFerrari kostete rund 1,3 bis 1,4 Millionen Euro als Neuwagen, und der Marktwert hat sich massiv gesteigert: Je nach Historie, Kilometerstand und Zustand wird ein LaFerrari heute zwischen 3,5 und 8 Millionen Euro teuer gehandelt.
Wir hingegen sprechen von 439,95 Euro für das 1:18-Modell von BBR. Eigentlich Peanuts im Vergleich zum Original! Dabei bereitet der Besitz eines BBR LaFerrari, wenngleich auf andere Art, genauso viel Freude wie derjenige eines Originals. Das geht schon beim „Unboxing“ los, einem neuen Internet-Hype, welcher die Vorfreude und die folgende Erfüllung in einem Kurzvideo zum Ausdruck bringt, wenn man das erste Mal ein besonderes Modellauto auspackt. Man mag das als affig abtun. Man kann es aber für sich selbst auch mal zelebrieren und wird sehen: Es ist ein wenig wie das kindliche Gefühl an Weihnachten, wenn das „Ankergeschenk“ ausgepackt wird. Das hat schon was…! Wir verherrlichen das jetzt aber nicht, denn dies ist tatsächlich rein eine Angelegenheit für bewegte Bilder, textlich geht das nur sehr eingeschränkt. Immerhin verraten wir, dass die eigentliche Box eine Umverpackung hat, ein weißer Schieber mit erhabener „BBR“-Prägung. Die eigentliche Box, gehalten in unterschiedlichen Rottönen und Schwarz und mit der italienischen Tricolore geschmückt, öffnet unkonventionell. Es gibt keine getrennten Einsteck- und Staublaschen, sondern eine Einheit, die sich nach Öffnen der Sicherheitslasche quasi automatisch entfaltet. Ein zweisprachig italienisch/englisches Din-A-5-Blatt, illustriert mit einem roten LaFerrari, instruiert die Bedienung des Modells. So ganz emotionslos geht das auch an uns nicht vorüber.
Im offiziellen BBR-Store ist das Modell etwas teurer als der vom Importeur Minichamps kalkulierte Preis. Dort gibt es das Modell in drei Ausführungen, deren Boxen variieren. Neben der unlimitierten Standardversion (die natürlich auch limitiert ist, aber die Auflage wird nicht kommuniziert) existiert eine auf 155 Exemplare limitierte Ausführung mit lederbezogenem Sockel und transparenter Haube sowie eine mit glänzendem Sockel, das Ensemble in einem Köfferchen, das im Carbon-Look gehalten ist. Dergestalt verpackt gibt es 20 Exemplare zum Preis von je gut 600 Euro. Da ist das „Unboxing“ dann nochmals spektakulärer.
Bianco Bordcage und Carbon Blu
LaFerrari ist auf den ersten Blick weiß/schwarz. Doch der erste Blick trügt. Die genaue Farbbezeichnungen sind Bianco Birdcage, kombiniert mit Carbon Blu, die Räder sind in Cromo Blu gehalten, also ebenfalls ein Blauton. Bianco Birdcage ist ein hochexklusiver Lack, der über die Ferrari-Personalisierungsschiene „Tailor Made Atelier“ für einige Fahrzeuge angeboten wurde und wird, darunter für LaFerrari, und sie geht auf das Maserati-Erbe zurück (auf den Maserati Tipo 61, genannt Birdcage). Es handelt sich um einen Zwei-Schicht-Perleffekt-Lack, eine gebrochen weiße Grundschicht plus eine halbwegs transparente Deckschicht mit speziellen synthetischen Glimmerpartikeln, hellblaue und violette Pigmentanteile (also ein so genannte Mica-Lack). Diese Partikel reflektieren das Licht nicht nur, sondern brechen es. Im Schatten wirkt der Wagen weiß, bei Sonnenschein oder unter Scheinwerfern erwacht der Lack richtiggehend zum Leben, und auf den Kanten und Kurven der Karosserie erscheint ein subtiler violetter und hellblauer Glanz. Das ist chemisch komplex, optisch auch, und BBR hat diesen Effekt ganz wunderbar dargestellt (genauer: Nicht BBR in Italien war’s, sondern der chinesische Produzent Sum’s Model, der die BBR-Diecaster herstellt). Diesen Lack kombiniert Ferrari mit Carbon Blu. Wie der Name es suggeriert, ist das ein dunkles Blau, das sich transluzent (= halb transparent) über das sichtbare Carbongewebe legt, also ein Schichtverfahren (die Carbonfasern selbst sind nicht blau gefärbt). Hier muss der Betrachter schon genau hinschauen, um am Modell die Carbonfasern ausmachen zu können. Aber sie sind vorhanden! Das hat einen herrlichen, dreidimensionalen Tiefeneffekt, und die Kombination von Bianco Birdcage und Blu Carbon ist einfach herrlich. Das Ganze wird ergänzt durch Räder in Cromo Blu Corsa, einer speziellen, glänzenden Alufelgenfarbe. Auch das ist toll umgesetzt, tritt aber hinsichtlich der extravaganten Karosserielackierung etwas in den Hintergrund. Innen ist LaFerrari einfach nur schwarz, kombiniert mit weißen Akzenten.
Dieses Fahrzeug, im Vorbild wie im Modell, wirkt so anders als ein LaFerrari in traditionellem Rot, wie in Caramini-online am 4. Juni 2025 präsentiert, weshalb wir ihn separat und erneut zeigen wollen. Das Modell selbst ist identisch zum Roten, und um Papier, Druckerschwärze und Schreibmaschinenfarbbänder ressourcenschonend einzusetzen, ersparen wir uns Wiederholungen und verweisen auf den Beitrag von vor gut einem Jahr. Dort haben wir uns genüsslich über diesen emotionalen Sprengsatz ausgelassen, haben den Text soeben wieder gelesen und es fällt uns nichts ein, was wir ergänzen könnten, um den BBR LaFerrari zu beschreiben. Wir könnten nur variieren. Und, wie gesagt, die Druckerschwärze und das Farbband und die Nachhaltigkeit…
afs




Modellfotos: bat




Steckbrief:
BBR 182238 Ferrari LaFerrari 2013 weiß/dunkelblau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP des Importeurs Minichamps 439,95 Euro.