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News 1:87 Brekina Ford Transit LWB Lieferwagen 1965 und Mercedes L406 D Lieferwagen 1967 „Carrera“

Carrera unterwegs

Brekina baut seine Lieferwagen-Flotte mit Werbung von Spielzeug- und speziell Miniaturautoherstellern aus. Nach „Tekno“ und „Dinky Toys“ fahren nun ein Ford Transit und ein Mercedes L406 für den Nürnberger Slotcar-Produzenten „Carrera“. Was könnte in dieser charmanten Serie noch alles erscheinen!

„Carrera“ wurde zum Genrebegriff von Slotcar-Racing im deutschsprachigen Raum. Nahezu jeder (männliche) Vertreter der Boomer und der Generation X hat seine positiven Erfahrungen mit der Carrera-Bahn – sei es die „kleine“ Universal im Maßstab 1:32 oder die Königsklasse, die Carrera 124 in 1:24. Was haben wir für Duelle ausgefochten! Das gängige Klischee lautete: Modellbahnen haben doch nur dröge Spießerkinder. Slotracing ist angesagt unter den Autofans! Was für entschleunigte Beschleunigungswerte hatte eine BR41 von Arnold Rapido! Gab es je einen Überholvorgang zwischen Schnellzugloks? Konnte die Baureihe 89.0 von Märklin driften? Alles: nein! Die Duelle zwischen dem Dino 246SP und dem Porsche 906 und später zwischen dem Ford Capri und dem BMW 3.0 CSL sind legendär und unübertrefflich! Benzin im Blut liegt in den Genen. Lieber Benzin als Kohlen im Blut! Lieber Carrera als Minitrix! Lieber Tempo als Beschaulichkeit! Alleine schon das Wort Carrera mit dem rollenden Binnen-r, Carrrrera! Das klingt groovy, Fleischmann klingt danach, was es ist.

Carrera ist eine Marke des Spielzeugherstellers Josef Neuhierl in Fürth, und für die Nutzung zahlte Neuhierl an Porsche Lizenzgebühren. 1963 kam „die Carrera“ zur Welt, nachdem Neuhierl auf einer Amerikareise Slotcar-Bahnen und vor allen die davon begeisterten Jungs und auch Erwachsenen gesehen hatte. Von New York zurück in Franken, konstruierte er seine eigene Bahn, ein „Instant Hit“ über 20 Jahre, dann Pleite, begleitet vom Suizid des Firmeninhabers. Doch die Carrera-Bahn erholte sich, lebt weiter bis heute – wenngleich nicht mehr in den Händen der Familie Neuhierl.

Das Brekina-Modell, das gleiche wie dasjenige, welches für Dinky Toys wirbt (Caramini-online vom 28. September 2026) ist ein langer 1965er Ford Transit Lieferwagen, mit dem weißen, schmalen Grill bis 1971 in Produktion und durchaus noch ein paar Jahre lang verbreitet (Lieferwagen werden bekanntlich nicht sonderlich alt). Der zweite Lieferwagen, eine Nummer größer, ist ein Mercedes L406, der sogenannte Düsseldorfer. Beide stammen also aus der Carrera-Frühzeit, zweite Hälfte der 60er und erste Hälfte der 70er Jahre mögen sie im Einsatz gewesen sein. Die Firmenfarben von Carrera waren während der Neuhier-Ära Blau mit Weiß, so waren auch die frühen Kataloge gestaltet und natürlich die Startpackungen, überhaupt alle Verpackungen, in denen Carrera-Produkte verkauft wurden: komplette Rennbahnen, Einzelfahrzeuge, Schienen in Einzelpackungen, Zubehör von Männlein über Strohballen bis hin zu Gebäuden, der Trafo, die Geschwindigkeitsregler – alles Carrera-Blau verpackt. In der absoluten Frühzeit gab es nur Formel-Rennwagen, 1967 kamen die legendären Modelle Porsche 906 und (Ferrari) Dino 246SP. Die Carrera 124 wandte sich eher an professionelle Fahrer und Clubs. Mit ihr wurden die Stadtmeisterschaften ausgetragen, die in Bundesmeisterschaften gipfelten. Und eine Carrera 124-Bahn gab es damals in jedem guten Gasthaus-Hinterzimmer. Sie bekamen auch jene Jungs zu Weihnachten, die kein Interesse an einer Modellbahnanlage hatten. Wer bereits Modellbahner war, hatte eher die kleinere Carrera 132, quasi als Ergänzung.

Die Carrera-Bahn war jedes Jahr zu Weihnachten aufgebaut, durfte über Silvester bleiben, und Ende der Winterferien wanderte sie dann wieder auf den Dachboden, weil Mama endlich wieder staubsaugen wollte. Jedes Jahr gab es Ergänzungen, neue Autos oder einen Looping oder eine Steilkurve. Viele Carrera-Bahnen sind noch heute auf Dachböden verpackt. Es wird Zeit, sie mal wieder aufzubauen! Was man zum Betrieb benötigt, ist weithin lieferbar, und auch wenn Carrera (ausschließlich in 1:24) heute digital ist, können aktuelle Digital-Fahrzeuge auch auf alten Schienen analog betrieben werden.

Aus dieser goldenen Ära stammen also der Brekina Transit und der Düsseldorfer Mercedes, beides bekannte Modelle, deren Besonderheit lediglich in der Aufmachung und Beschriftung liegt. Den Blauton hat Brekina à point getroffen, Dächer, Bauchbinden und Stoßstangen sind ebenso weiß wie die Felgen, dazu der typische „Carrera“-Schriftzug mit weißer Schrift auf rotem Rechteck. Die Dekoration ist aufwendig, zweifarbig lackierte Kunststoffkarosserien (das weiße Dach ist jeweils lackiert), die Baubinde ist ebenso ein Druckwerk wie die Werbebeschriftung. Dank der Gummibereifung rollen die Modelle butterweich, separat eingesetzte Scheinwerfer sind bei Brekina mittlerweile Standard. Wer kein Brekina- oder kein 1:87-Sammler ist und sich die Modelle als Devotionalie der Carrera-Bahn kauft, wird erstaunt sein, wie weit sich Brekina-Modelle weiterentwickelt haben, seitdem Klaus Kiunke die Marke 2019 vom Gründer Werner Hartung übernommen hat und sie seinem Model Car World-Kosmos einverleibte. Der Firmensitz ist nach wie vor in Teningen, dort wird auch konstruiert. Produziert wird aber längst nicht mehr im Schwarzwald, sondern in Nilphamari in Bangladesch. Sie kommen aus derselben Fabrik wie die Ixo-Modelle, die Solido-Modelle, ein Großteil aller Kiosk- und Abo-Modelle und ziemlich viele Auftragsmodelle internationaler Modellautogroßhändler, die eine eigene Marke unterhalten – nämlich von Sonic Bangladesh, einem Tochterunternehmen der Premium Trading Co. Ltd., dem Mutterkonzern von Ixo. Und hinter all dem steht Monsieur Bernard Peres.

afs

Klein und groß, neu und alt: Die beiden neuen Brekina-Lieferwagen in Carrera-Diensten, ein Herpa VW LT Transporter mit „Carrera“-Werbung aus den frühen 80er Jahren und dazu ein „echter“ Carrera-Renner, Ford Capri RS 2600.
Modellfotos: bat
Der Mercedes kam aus Düsseldorf, der Transit wurde für den kontinentaleuropäischen Markt im belgischen Genk gebaut. Beide sind als Brekina-Kleinwagen nun für Carrera/Neuhierl unterwegs und machen eine gute und sportliche Figur.
Aus der Carrera-Frühzeit: Katalog von 1966, als es ausschließlich die „kleine“ Carrera-Bahn in 1:32 gab, damals noch als „Carrera System“ und noch nicht als „Carrera Universal“ vermarktet. Nach den Formel-1-Rennwagen (Ferrari, Lotus, Cooper, Porsche) erschienen 1966 die ersten Straßensportwagen, Mercedes 230 SL, Porsche 911 und Porsche 904 Carrera GTS, alle mit funktionierenden Scheinwerfern.
Quelle: Archiv afs

Steckbrief:

Brekina 34175 Ford Transit LWB Lieferwagen 1965 und 36847 Mercedes L406 D Lieferwagen 1967 „Carrera“. Fertigmodelle Kunststoff, Maßstab 1:87. UVP 24,95 Euro (Transit) bzw. 19,95 Euro (Mercedes).