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News 1:18 Norev Citroën DS21 Break 1970

Die DS sind unter uns

Kein Serienautomobil war zu seiner Zeit avantgardistischer oder revolutionärer. Und es konnte nur aus Frankreich stammen, der Nation, die Revolutionen glorifiziert. Die Citroën DS ist eines der aufregendsten Automobile überhaupt und Norev pflegt seine DSsen sorgsam. Nun kommt der DS 21 Break erneut, in Donaublau.

Unvergessen ist der Einstieg in den deutschsprachigen DS-Prospekt vom 1968: „Die DS sind unter uns. Plötzlich tauchen sie auf. Vor Ihnen in einer Kurve. Oder in Ihrem Rückspiegel. Oder mit vollen Scheinwerfern in der Nacht. Haifische mit großen, wachen Augen. Oder in das Weltall flitzende Raumschiffe. Wenn sie stehen, benehmen sie sich wie superintelligente Roboter. Sie tauchen ebenso schnell auf wie sie verschwinden. Die großen Citroën sind unter uns. Sie schufen eine neue Realität. Seit ihrer Erscheinung hat sich der Begriff des Automobils verändert.“

Da hat sich ein Kreativling tatsächlich hineinversetzt in das Subjekt, das er zu beschreiben hatte, machte sich Gedanken, saß womöglich schon mal selbst in einer Citroën DS. Er fand gute Worte. Das ist selten in der Werbebranche. Sein Intro weckt Assoziationen. Zum Beispiel an den ersten deutschen Spielfilm der Nachkriegsgeschichte, Die Mörder sind unter uns, mit Hildegard Knef. Aber auch an die Motive der Popkultur à la Die Aliens sind unter uns, es geht dabei ein wenig um bewusst eingesetzte und gesteuerte Paranoia, um Phantastik, um Science-Fiction. Und als eine Art Science-Fiction galt die DS 1968 noch immer, 13 Jahre nach Produktionsbeginn und direkt nach ihrem Restyling durch Robert Opron mit der neuen, aerodynamischen Front, mit mitlenkenden Scheinwerfern unter einer Glasscheibe, und nach wie vor mit der Hydropneumatik, die einem technikunaffinen Benutzer fast schon suspekt sein konnte. Die DS war 1968 mehr als je zuvor nicht nur ein Automobil, sondern wurde als wesenhaft empfunden. Kurz: Die DS lebte. Und weil sie lebte, durfte sie auch Schwächen haben, selbst leiden und ihren Meister unter ihrem Leid leiden lassen. Ihre Liebhaber sprachen ihr Seele und Eigendynamik zu, vitalisierten sie. Ihrer Genialität wurde viel verziehen. Wer der DS nicht gewogen war, verzweifelte an ihr. Oder hielt sich tunlichst von ihr fern.

Norev tut das nicht, hält sich nicht fern von der DS. Sie ist das französische Automobil schlechthin, die Franzosen identifizieren sich mit ihr, ihrer Avantgarde, ihrer Schönheit, ihrem Anspruch, ihrem Charme, ihrer Fragilität und ihrer Grazie. Sie verehren sie als göttliches Automobil, als Déesse, was auf Französisch Göttin heißt und der phonetischen Aussprache der beiden Buchstaben „DS“ entspricht. Sie wollen DSsen, Limousinen und Breaks und Cabriolets, in allen Maßstäben, in allen Jahrgängen. Norev stillt dieses Bedürfnis, immer wieder aufs Neue, mit herrlichen und fehlerfreien Modellen, die sich seit Jahren gut bewähren. Immer wieder neu, immer wieder in anderen Farben und Versionen. Neu ist nun die DS 21 als Break in der Farbe Bleu Danube. Es ist laut Norev ein DS 21 Break (104 PS aus 2175 cm³), es gab auch den DS 20 Break (90 PS aus 1985 cm³), optisch kein Unterschied.

Die Karosseriefarbe beschränkt sich beim DS Break auf die angeschraubten Teile (Motorhaube, vier Kotflügel, vier Türen, vorderer, unterer Karosserieabschluss). Der Rest ist in genormten Hellgrau bei allen DS Kombis, also Dach und Fensterumrahmungen, ebenso die horizontal geteilte Heckklappe. Diese Teile sind diejenigen der Rohkarosserie, die sichtbar sind. Und die Rohkarosserien lackierte Citroën schlichtweg einheitlich. Bleu Danube AC630 gab es nur 1970, kombiniert mit einer blauen Samtausstattung innen. Dass die Donau blau sein soll, ist ein Klischee, befeuert durch den Donauwalzer von Johann Strauss (Sohn), kann aber vom Autor als wahrem Donauanrainer nicht bestätigt werden. Und er hat die Donau nicht nur vor seiner Haustüre kennen gelernt, sondern durchaus vom Ursprung bis nach Budapest, und sie ist weder einheitlich gefärbt noch blau.

Das Modell hingegen ist einheitlich gefärbt (zum Glück!) und blau. Die Verarbeitung ist tadellos, die Details sind schön. Der Break gehört zu den frühen Norev-Achtzehnern (Norev ist in diesem Segment seit 2005 unterwegs). Schon damals waren die Norev-Kreationen schön, aber die Viertürer litten unter der Besonderheit, dass nur die vorderen Türen aufgingen, und zu dieser Generation zählt auch dieses Modell. Gerade bei einer DS kann man damit optisch ganz gut leben, denn ihre Türblätter reichen bis zum Karosserieende herab. Somit gibt es keine parallel zum Schweller laufende Linie, die im vorderen Bereich der zu öffnenden Türe offen ist und dahinter lediglich als Gravur vertieft. Ansonsten: Übliche Norev-Qualität, noch ziemliche Trümmer als Haubenscharniere und dem Motor ist seine Reliefartigkeit deutlich anzusehen. Es wäre ja ein Armutszeugnis, wenn sich in den vergangenen 20 Jahren konstruktiv nichts verbessert hätte… Nach wie vor schön ist die verchromte Dachgalerie und vor allem die Innenausstattung mit Karosseriefarbe an den Türinnenseiten, weil die Verkleidungen nicht die kompletten Türen bedecken. Und ein DS-Armaturenbrett mit seinem Einspeichenlenkrad begeistert immer – auch wenn man es schon tausend Mal bewundert hat.

Keine Lust auf Bleu Danube? In 200er-Limitierung gibt es ausschließlich im Norev-Onlineshop das gleiche Modell zum gleichen Preis in Verde Musciné AC524.

afs

Die schöne blaue Donau: Mittelblauer Unilack, seinerzeit recht populär, wenngleich nur ein Jahr lang auf der Citroën-Farbpalette. Der DS 21 Break ist formal fehlerfrei, aber konstruktiv merkt man ihm an, dass er nicht auf dem neuesten Stand ist. Man merkt es ihm an. Aber man sieht es ihm nicht an.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Norev 181772 Citroën DS21 Break 1970 Donaublau/hellgrau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 79,95 Euro.