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News 1:18 Norev MGA Mk I 1955

Emm-Tschie Ey!

Autos, so populär wie der MGA, gibt es in 1:18. Vielleicht sogar mehrmals. Sollte man meinen. Man darf sich irren. Von Mitte der 90er bis Mitte der 2000er Jahre produzierte Revell einen MGA, auch mit Hardtop. Danach gab es 20 Jahre lang keinen MGA in 1:18. Und jetzt, als Formneuheit, das Norev-Modell. Eigentlich erstaunlich…

Britische Roadster sind nie aus der Mode, dazu sind sie einfach zu entzückend. Aber sie sind mal mehr und mal weniger in Mode. Derzeit weniger. Aber wer dem Genre verfallen ist, bleibt es sein Leben lang. Natürlich werden die Herren, welche die 50er- und 60er-Jahre-Roadster lieben, allmählich älter. Ihr Kreuz, ihre Bandscheibe, ihre Knie, die Verspannungen im Nackenbereich… alles nicht mehr hundertprozentig roadstergeeignet. Aber wer seinem MGA, Austin-Healey oder Triumph TR3 frönt, bleibt ihm treu, auch als „Kompostie“, der sich selbst lieber „Best Ager“ nennt. Das Einsteigen funktioniert eben nicht mehr so elegant wie früher, es ist ein Ächzen und Knacken zu hören (beim Menschen, nicht bei der Maschine), und beim Aussteigen achtet man, im krassen Gegensatz zu früher, darauf, eben nicht beobachtet zu werden. Geht alles, man muss nur wollen!

Das Revell-Modell ist mittlerweile auch ein Kompostie oder Gruftie, sollte man meinen. Aber wer es kennt, weiß, es ist schwer zu toppen. Revell schuf damals einige außergewöhnlich gute Modelle (leider aber auch einige schlimme Krücken), der MGA gehört zu den Guten – wenngleich er die Rückleuchten des MGA 1600 mit den Frontblinkern des MGA 1500 kombiniert. Wir wollen die Norev-Neuheit nicht mit der Revell-Altheit vergleichen, wissen diese aber zu würdigen. Aber wir wollen die Norev-Neuheit ebenso würdigen, denn sie ist es, was der Sammler nun fabrikneu bekommt. In British Racing Green, denn ein britischer Roadster muss British Racing Green sein. Das ist Gesetz, das ist Desoxyribonukleinsäure, das ist Reflex. Aber weder das Gesetz noch die DNS und schon gar nicht der Reflex haben unabdingbar mit der Wahrzeit zu tun. So manche vermeintliche Wahrheit ist trügerisch, so trügerisch wie das British Racing Green am MGA. Es mögen viele in dieser Farbe restauriert worden sein, denn so entsprechen sie der allgemeinen Erwartungshaltung und verkaufen sie sich gut. Aber MG bot den MGA nie in dunklem Grün an. Für die ganz Genauen: Lediglich ein Exemplar, nämlich der letztgebaute MGA Twin Cam, wurde auf Sonderwunsch im Werk British Racing Green lackiert (aber der entspricht nicht dem Norev-Modell, denn er hatte keine Speichenräder). Es gab im Programm etliche Grüntöne, nämlich Ash Green GN2, Island Green GN6 oder Tyrolite Green GN7, allesamt ziemlich hell und bunt, kein dunkles englisches Renngrün. Dennoch steht die Lackierung dem Modell hervorragend, sie entspricht eben einem restaurierten Fahrzeug. Und wem das zu unoriginal ist, der möge, in gleicher Ausstattung, also mit Drahtspeichenfelgen und Heckgepäckträger, den MGA in Old English White WT3 kaufen, den Norev in 200 Exemplaren ausschließlich über seinen Online-Shop offeriert. Oder er möge auf weitere Farben warten, die garantiert kommen werden.

Abseits der Farbe ist der Norev MGA ein hervorragend gelungenes Modell mit herrlichen Details, dem nur ein formales Manko anzukreiden ist: Die Nase ist zu platt, sie müsste eine Nuance spitziger sein. Das heißt, der Grill müsste mittig etwas mehr nach vorne gewölbt sein und die Vorderstoßstange müsste sich entsprechend mehr nach vorne gebogen um ihn schmiegen. Das sieht, wer die Proportionen eines MGA gut vor Augen hat – vielleicht, weil er einen in der Garage stehen hat. Wer es nicht weiß, dem fällt es nicht auf. Aber schade ist es schon. Jeder vermeidbare Formfehler ist schade!

Ein Roadster ohne Türgriffe

Kommen wir zum Lob. Die Grundparameter lauten all open, lenkbar mit Verbindung des Radeinschlags zum Lenkrad, ungefedert (was, im übertragenen Sinne, dem Original entspricht), Chromspeichenräder, Gepäckbrücke auf dem Kofferraumdeckel, Teppichboden im Inneren und im Kofferraum. Das Chassis ist einfach, aber ansehnlich, lediglich der Auspuffendtopf und das daraus ragende, aufgebohrte Röhrchen ist ein separates und in mattem Zinngrau lackiertes Teil. Der MGA besticht also von oben, im Blickzustand. Wir entdecken an diesem Modell nicht ein Druckwerk, das ja immer einen Kompromiss darstellt. Alles, was separat und verchromt sein muss, ist separat und verchromt. Diese Aussage ist letztlich der Ritterschlag in Sachen Ausstattung eines Modellautos.

Das Armaturenbrett ist ein einteiliges, verchromtes Plastikteil, das schabloniert und nuancengenau in Karosseriefarbe lackiert wurde und alle Chromteile frei lässt, überdies sind die beiden Hauptrundinstrumente (Tacho und Drehzahlmesser), die beiden kleinen Anzeigen (Benzinuhr und Öldruck/Wassertemperatur) und das Radio dekoriert. Silberne, lesbare Zahlen auf schwarzem Grund, rotes Warnlämpchen. Das vierspeichige Drahtspeichenlenkrad, um das man sich beim Einsteigen elegant herumschlängeln muss, sofern man nicht extrem schlank ist, ist prima nachgebildet und Norev verzichtet auf nicht originalen, aber oft nachgerüsteten Holzschnickschnack. Der Innenrückspiegel thront auf der oberen Kante des Armaturenbretts. Türgriffe gibt es nicht am MGA, die hat Norev nicht etwa vergessen. Wer ihn entern will, öffnet oder entfernt das Steckfenster, greift nach innen und erhascht in der Türtasche eine versteckte, ummantelte Zugschnur („Door Pull Cord“). Vernünftig abschließen kann man einen MGA nicht. Man konnte es noch nie… Der Innenraum ist in hellem Braun gehalten, kombiniert mit schwarzem Teppichboden. Schön gemacht sind die „Cockpit Rails“. So nennt man die mit Kunstleder bezogene Polsterleiste, welche die Innenausstattung an der Karosserieoberseite begrenzt. Sie verläuft vom Armaturenbrett über die oberen Türabschlüsse bis zum Abschlussbogen hinter den Sitzen. Ebenfalls hübsch ist die Gepäckbrücke auf dem hinteren Deckel, und wer diesen öffnet und sieht, womit der „Kofferraum“ ausgefüllt ist (nämlich mit dem Reserverad), der weiß, wie nötig die Gepäckbrücke ist.

Die verchromten Speichenfelgen sind fein gefertigt, vorbildgetreue Drahtspeichendicke, Rudgeverschlüsse. Serienmäßig waren sie in mattem Silber lackiert, Chromspeichen sind ein Extra, ohne das heute kaum ein restauriertes Fahrzeug auskommt. Der Speichenfelgenhersteller ist übrigens Dunlop, was beileibe nicht nur ein Reifenhersteller ist. Dunlop war seinerzeit gut im Felgengeschäft. Die Dunlop-Felgen werden von Norev mit Michelin-Reifen kombiniert. Das erkennt man nicht etwa an der Flankenbeschriftung, denn eine solche existiert nicht. Aber man erkennt es am typischen Michelin-X-Reifenprofil.

Wer vorne aufmacht, sieht rot, genauer MG Dark Red. So ist der Motorblock aller MGA lackiert. Natürlich besteht der Motorraum eines Norev-Modells aus einer reliefartigen Platte und nicht aus einem extra eingesetzten Motor. Aber mittlerweile ist Norev so weit, dass man das nicht mehr sieht. Das Ensemble wirkt dreidimensional, der Motor hat Tiefe. Die beiden SU-Gleichdruckvergaser sind silbern, der Dynamo auch, der Einfüllstutzen auf dem Kühlwasser ist sogar ein separates Chromteil und auf dem roten Zylinderkopf sind zwei Schilder angebracht, eines mit deutlich erkennbarem MG-Logo, das andere mit etlichen Patentnummern („Weslake-Patent-Schild“). Wer die Haube öffnet, bekommt also einiges geboten, und vor allem Farbe.

In jüngster Zeit sind ein paar englische Roadster als all-open-Diecast-Modelle im gehobenen Segment erschienen, darunter von Kyosho der Austin-Healey Sprite Mk I und 3000 Mk I als Viersitzer, Norev brachte den Austin-Healey 3000 als Zweisitzer, Kyosho den Austin-Healey Froschauge. Dazu passt der neue MGA treffsicher, zumal ja auch in fast jeder 1:18-Sammlung ein offener Jaguar E-Type und eine Cobra beheimatet sind. Ein Triumph TR3 (gab es von Kyosho, wurde seit 2012 nicht wieder aufgelegt) oder TR4 (gab es von Revell in prähistorischen Tagen) wären noch nett in dieser Reihe, ebenso ein früher Lotus Elan (machte AUTOart aus Diecast, wird also garantiert nicht wieder aufgelegt, und der Sun Star war qualitativ fragwürdig). Die Roadster-Fraktion hat also noch genügend Wünsche und Norev hat (theoretisch) genug zu tun.

afs (mit Dank an Robert Müller für Recherchehilfe)

Ein britischer Roadster, einfach eine entzückend-schnuckelige Sache. Wer kann sich dieser Faszination entziehen? Kaum jemand, und deshalb war die Norev-Entscheidung pro MGA eine gute. Und das Modell ist auch ein gutes. Allenfalls ein kleines Nasenproblem hat es.
Modellfotos: bat
Das Lenkrad ragt weit in den Innenraum. Ein dicker Bauch hat im MGA keinen Platz. Das gibt Norev bestens wieder. Und der Teppichboden ist ebenfalls korrekt. Im Gegensatz zu anderen offenen Fahrzeugen verfügte der MGA serienmäßig darüber.
Ein Mechaniker sieht rot. Die BMC gab ihren Motoren typspezifische Farben, und die MGA-Aggregate waren rot. Es sei denn, der MG trug einen offiziellen BMC-Austauschmotor. Dann war der Block entweder Gold- oder Silbermetallic lackiert („Gold Seal Engine“ oder „Silver Seal Engine“).
Man kann es „Kofferraum“ nennen. Man kann es aber auch als Raum für das Reserverad bezeichnen. Eine Gepäckbrücke ergibt in diesem konkreten Fall durchaus Sinn.

Steckbrief:

Norev 182610 MGA Mk I 1955 dunkelgrün. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 89,95 Euro.