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News 1:18 Kyosho Fiat Nuova 500 Elaborazione Abarth 1958

Sieben Tage Monza: Vom Skorpion gebissen

Sieben Tage lang drehte er seine Runden in Monza, sieben Tage auf Rekordjagd, sieben Tage als Beweis seiner Standfestigkeit: Kyosho würdigt den kleinen Fiat 500 im Abarth-Trimm, der im Februar 1958 eine Woche lang mit durchschnittlich 108 km/h im Kreis herumwuselte.

Das deutsche Wort „elaboriert“ ist bildungssprachlich, es bedeutet „komplex“, „präzise“, „differenziert“, „hoch entwickelt“. Es kommt natürlich aus dem Lateinischen (elaborare = herausgearbeitet, mit Mühe hervorgebracht). Das gilt für das italienische Wort sowieso, aber elaborare oder als Substantiv Elaborazione ist dort überhaupt nicht bildungssprachlich, sondern im allgemeinen Wortschatz verankert. Im Automobilbereich bedeutet es „modifiziert“ und steht umgangssprachlich für das, was wir mit dem englischen Wort „Tuning“ beschreiben. Somit ist ein Fiat Nuova 500 Elaborazione Abarth nichts anderes als ein von Abarth modifizierter oder eben getunter kleiner Fiat.

Carlo Abarth steigerte die Leistung des winzigen Zweizylinders von 15 auf 26 PS. Das brachte ihm, respektive dem Motörchen, den Vorwurf aus berufenem (Journalisten-) Munde ein, zu viel Leistung zu haben, um standfest zu sein. Das ließ der Maestro nicht auf sich sitzen, mietete den Hochgeschwindigkeitskurs von Monza für eine Woche und schickte im Februar 1958 einen Fiat 500 Abarth sieben Tage lang auf die Piste. Tag und Nacht, ohne Unterbrechung, sechs Fahrer wechselten sich ab: Die Werksfahrer Mario Poltronieri, Mario Guarnieri, Corrado Manfredini, Armando Giuberti, Remo Cattini und der französische Journalist Bernard Cahier. Auch die ausländische Presse wohnte dem atemlosen Marathon bei. Der kleine Fiat erzielte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 108,252 km/h über 18.886 Kilometer Distanz, insgesamt bedeutete dies sechs Rekorde. Danach mokierte sich niemand mehr über den zu kleinen Motor, mangelnde Zuverlässigkeit oder Langlebigkeit beim kleinsten aller Abarth-Skorpione.

Der kleine Fiat leiste mit Turnschuhen dank klassischem Abarth-Tuning 26 statt 15 PS aus 479 cm³ (respektive 21 PS beim werksseitig angebotenen 500 Sport mit 499,5 cm³). Das Rekord-Fahrzeug verzichtete auf Stoßstangen, trug ein Holzlenkrad, Jaeger-Armaturen und -Uhr mit Acht-Tage-Aufzug, ein aerodynamisches Hardtop anstelle des Faltverdecks und zwei Zusatzscheinwerfer. Die Felgen wichen vom Serienfahrzeug ab, es waren Borrani-Sportstahlfelgen ohne Radkappen und mit ovalen Belüftungslöchern für die Bremsen, darauf Pirelli-400-12-Rennreifen. Die Lackierung wird heute gerne als Record Green Clear bezeichnet, weil das gut klingt. Tatsächlich war es eine Fiat-Serienfarbe, Verde Celeste 403, ein helles Pastellgrün. Der legendäre Rekord-500er von 1958 existiert nicht mehr. Aber Stellantis Heritage ließ ein Exemplar auf Basis eines 1970er Fiat 500 vor vier Jahren neu aufbauen, Anlass war der 100ste Jahrestag des Autodromo di Monza.

Kyosho orientiert sich an diesem restaurierten (oder besser: gerestomoddeten) Fahrzeug, nicht am verschollenen Original. Der Kyosho Fiat Nuova 500 erschien im Mai 2024 und kam mit Zeitverzug nach Europa (Präsentation in Caramini-online vom 10. August 2024). Kyosho schob zwei Sportversionen im Dezember 2025 nach, den 500 Sport und den 500 Abarth Rekordwagen. Beide sind werksseitig ausverkauft, aber beim Importeur Minichamps nun verfügbar.

Das Modell entspricht strukturell dem Straßen-500er, wie wir ihn vor über zwei Jahren vorstellten, ein all-open-Modell, lenkbar, ungefedert, typische Kyosho-Machart. Die Modifikationen, die Kyosho ihm angedeihen ließen, machen daraus den Rekordwagen, und dafür wurden die Formwerkzeuge leicht modifiziert. Das Weglassen der Stoßstangen bedingt keine hohlen Löcher, Kyosho ließ die Karosserieöffnungen schlichtweg verschwinden. Die Besonderheiten des Originals wurden berücksichtigt, die Beschriftung (Drucke, keine Decals) entsprechen dem Vorbild, die Borrani-Felgen sind eine Neukonstruktion. Sehr hübsch sind die „Fiat Abarth 500“-Schriftzüge auf Motordeckel und Türen als geprägte Chromteile. Neu ist auch der Auspuff mit Doppelendrohr und das Kunststoffhardtop anstelle des Rollverdecks, vorne zwei Zusatzscheinwerfer mit blauem Punkt in der Mitte. Das dürften Notek-Scheinwerfer aus der damaligen „Blue Spot“-Serie sein. Der farbige Punkt sitzt genau vor der Glühlampe, optimiert zwar den Lichtkegel, aber in erster Linie ging es bei diesem „Luxusartikel“ darum, ihm ein exklusives optisches Markenzeichen zu verpassen (vergleichbar dem mittig auf Marchal-Zusatzscheinwerfern befestigten Katzenkopf aus Messing). Zusatzinstrumente innen gibt es leider keine, dafür klappen die Sitze nach vorne. Die Einheit Lenkrad, Lenksäule und Tachoumrandung ist nicht elfenbeinfarben, wie erwartet, sondern hat einen ganz leicht roséfarbenen Stich. Ob das original ist, wissen wir nicht, aber es passt gut zum Pastellgrün.

Die Mikrobenfans in 1:43 haben dieses Modell schon lange; von Brumm erschien es unter der Nummer R363 bereits im Jahre 2003. Die Achtzehner freuen sich über die Kyosho-Neuerscheinung, sowohl die Kleinwagenfans als auch die Abarth-Fraktion, und in einer Ferrari-Sammlung macht sich dieser Fiat als Kuriosum auch ganz gut (geringer Verkehrsflächenverbrauch in der Vitrine). Wir haben momentan von Kyosho zwei italienische Supercars aus ungefähr derselben Epoche auf dem schwarzen Schreibtisch stehen, den kleinen Fiat und einen Ferrari 250 GTO. Aus reinem Spaß an der Freud’ stellten wir sie nebeneinander für ein Foto. Die Beiden waren sich auf den ersten Blick sympathisch, zwinkerten sich zu. Da war keinerlei Arroganz seitens des Ferrari zu verzeichnen und absolut kein Neid beim kleinen Fiat. Sie schwelgten in Monza-Erinnerungen. Der Ferrari plauderte über Enzo, der Fiat über Carlo, über diese beiden Rennsport-Alphamänner, die sich gegenseitig respektierten: Il Commendatore dominierte die V12-Königsklasse, der Motorenzauberer Abarth hatte unumschränkte Autorität als Meister der kleinen, extrem leistungsfähigen Fahrzeuge. Gerade ein Wunder, dass die beiden Kyoshos für ihren „Motor-Talk“ nicht nach einer Korbflasche Chianti verlangten…

afs

Wir wollen unseren Putzometer nicht erneut bemühen, um ihn nicht abzunutzen. Außerdem ist ein Spitzensportler, und wenn er noch so klein ist, nicht unbedingt putzig. Das würde das relativieren, was er geleistet hat. Er ist eher respektabel. Um es im österreichischen Duktus auszudrücken: ein reputierlicher kleiner Wagen. Und von Kyosho wie gewohnt gut umgesetzt, bereitet ungetrübte Freude.
Modellfotos: bat
Ausstellungsstück: Der Rekordwagen schmückt den Abarth-Stand auf dem Turiner Salon 1958 und belegt die Standfestigkeit und Langlebigkeit der Abarth-Konstruktion.
Foto: Archiv Stellantis
Tuningteile für den kleinen Fiat von Abarth. Auszug aus dem deutschsprachigen Prospekt. Es gab den Fiat 500 Abarth in diversen Ausbaustufen als Komplettfahrzeug. Der engagierte Pilot konnte sich aber auch, je nach Lage seines Geldbeutels, Einzelteile zur Selbstmontage peu-à-peu kaufen.
Quelle: Archiv afs
Die Beiden Kyosho-Brüder im Geiste, so unterschiedlich sie auch sein mögen: Zuneigung auf den ersten Blick, großes Bedürfnis an gegenseitigem Austausch, unterschiedliche Erinnerungen an dieselbe Zeit. Der Ferrari wird natürlich bald in Caramini-online präsentiert.

Steckbrief:

Kyosho KYO8966AL Fiat Nuova 500 Elaborazione Abarth 1958 pastellgrün. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP des Importeurs Minichamps 259,95 Euro.