Andere Maßstäbe

News 1:40 Wiking Volkswagen T1b Doppelkabine Pritsche „Bosch“ 1961

Batterieauto mal anders

Auto und Batterie – das hat heute eine andere Bedeutung als vor 65 Jahren. Auf der neuen Wiking 1:40 VW Doppelkabine ist eine alte Autobatterie abgebildet und er ist in Diensten der Robert Bosch GmbH unterwegs. Wiking lässt nach 30jähriger Abstinenz die 1:40-Doppelkabine wieder aufleben und landet damit einen Überraschungscoup. Mit einem 1:40er hatte niemand gerechnet!

Die Doppelkabine behandelte Wiking ein wenig stiefmütterlich, als in der zweiten Hälfte der 90er Jahre der 1:40-Wiederauflagetsunami stattfand. Es gab lediglich zwei Serienmodelle Ende 1997 in Blau und als Kommunalfahrzeug in Kommunalorange, kurz darauf folgte ein Post-Sondermodell in Postgelb und ein Veltins-Werbemodell in Pilsbierdunkelgrün. Dann war fast 30 Jahre Ruhe im Karton, bis jetzt. Und was jetzt kam, kam weitgehend unerwartet: der Volkswagen T1b Doppelkabiner von 1961 im Livrée von Bosch. So bunt war noch keine 1:40-Doppelkabine: Die Karosserie und die Plane sind in sonnigem Gelb gehalten. Der Bereichrund um die Scheiben, nach vorne unten spitz herabgezogen und nach hinten an der Pritschenoberkante fortgesetzt, ist in Orange lackiert. Im selben Orangeton, aber aus durchgefärbtem Kunststoff, sind die Stoßstangen und Felgen gehalten, diese mit silbern bedruckten Radkappen. Sehr hübsch ist das Druckwerk an der Front: Statt dem üblichen VW-Zeichen trägt der Bosch-Bulli das Bosch-Signet. Das ist der Querschnitt eines Magnetzünders, also ein Doppel-T-Anker in einem Kreis, landläufig als „Anker im Kreis“ bezeichnet. Der Ursprung dieses Zeichens geht auf das Jahr 1918 zurück, und der Anker steht symbolisch für die elektromagnetische Spule respektive den Magnetzünder. Dies gehörte zu den ersten und wichtigsten Produkten der Robert Bosch GmbH. Auf den Vordertüren steht „Robert Bosch GmbH Automotive Tradition“, auf den Hintertüren ist eine schwarze Autobatterie im Stile der späten 50er und frühen 60er Jahre abgebildet (beides Druckwerke). Ebenfalls bedruckt sind die Rücklichter. Unter der abnehmbaren Plane (Rückseitenbedruckung: „Mit Bosch gerüstet – gut die Fahrt!“, an der Seite eine Zündkerze und der rote „Bosch“-Schriftzug) befinden sich fünf lose Ladegutgegenstände, eine große und eine kleine Holzkiste, ein Fass, ein Sack und eine Milchkanne. Ursprünglich war dies das zeitgenössische Ladegut des Wiking 1:40 Volkswagen T1 Pritschenwagens, der Doppelkabine wurden diese Teile bis dato noch nie zugeteilt (unseres Wissens). Eine nette Idee und eine ebenso nette Zugabe!

Konkretes Vorbild: ein restauriertes Exemplar

Der traditionsreiche und momentan in radikaler Umstrukturierung befindliche Autozulieferer und Elektrotechnikkonzern Bosch in Stuttgart unterhält, wie nahezu alle großen Konzerne, eine Klassikabteilung, die sich um das Unternehmensarchiv und die -geschichte kümmert. Zum Traditionsfuhrpark gehört eine restaurierte VW Doppelkabine, kein T1b wie das Wiking-Modell, sondern ein T1c, der öfters publikumswirksam gezeigt und gefahren wird. An diesem Fahrzeug orientierte sich das Wiking-1:87-Modell, ursprünglich ein Industriemodell für Bosch, im Herbst 2011 auch in einmaliger Auflage ins Serienprogramm übernommen. Es trägt die damals gültige Türaufschrift „Bosch Automotive Tradition“. Diese ist auch auf dem aktuellen 1:40-Modell zu lesen, obgleich die Traditionsabteilung seit Anfang 2017 „Bosch Classic“ heißt. Das bedeutet, dass das 1:40-Modell zwar ein restauriertes Fahrzeug wiedergibt, aber nicht in dessen aktuellem Zustand. Denn Bosch ließ die Türbeschriftung nach der Umbenennung der Traditionssparte vor knapp zehn Jahren natürlich aktualisieren. Aber das kann dem Sammler gleichgültig sein – zumal Wiking ja nicht behauptet, das Modell im Zustand von 2026 zu miniaturisieren und im Programm sehr viele Modellautos mit zeitgenössischer Werbebeschriftung hat.

Der Mannschaftswagen, ein typisches Baustellen- und Kommunalfahrzeug mit Platz für einen Trupp werktätiger Männer mitsamt ihrem Gerödel, ist die seltenste Karosserieversion des Volkswagen T1 – und diejenige, welche am meisten geschunden wurde. Eine Doppelkabine wurde in den seltensten Fällen von privater Hand liebevoll gepflegt. Entsprechend wenige haben überlebt und entsprechend selten und unter Sammlern gesucht ist heute diese Gattung. Die Doppelkabine kam als letzte Karosserievariante ins Bulliprogramm, erst zum Modelljahr 1959 wurde sie im Werk Hannover hergestellt. Es hatte zuvor schon, zwischen 1954 und 1958, einen Doppelkabiner mit Pritsche gegeben, und VW hatte ihn ab Werk angeboten, aber nicht selber hergestellt. Den Auftrag erledigte der externe Karosserier Binz im württembergischen Lorch. Der Großteil wurde in die USA exportiert. Ab November 1958 erfolgte die Produktion im Volkswagenwerk. Hauptunterschied: Beim Binz-Modell ist die hintere Türe hinten, beim VW-Produkt vorne angeschlagen. Das Wiking-Modell stellt die Version Juni 1960 bis Juli 1963 dar, verstärkte Stoßstangen, große Zweikammer-Rückleuchten, spitze Blinker vorne.

afs

Farblich passend und mit passendem Ladegut: Der kleine Bruder ist wesentlich älter als der 1:40er, er erschien 2011.
Modellfotos: bat
So bunt war die 1:40-Doppelkabine von Wiking noch nie. Die historischen Modelle gaben sich ohnehin stets in gedeckten Farben. Im Gegensatz zur Neuauflage waren sie mit einem Fahrer bestückt.
Auf der Techno Classica 2011: Der Volkswagen T1c Doppelkabiner, den Bosch in seinem Klassik-Fuhrpark hält, damals noch mit „Automotive Tradition“ auf den Türen beschriftet.
Foto: Michiel2005

Steckbrief:

Wiking 0768 03 Volkswagen T1b Doppelkabine Pritsche „Bosch“ 1961 mit Ladegut. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:40. UVP 38,99 Euro.