1/18

News 1:18 MCG Ford Escort ’86 RS Turbo 1990

Engländer können nicht zählen

Manchmal rumpelt er und ist rau, und trotz RS und Turbo ist er ein einfacher Ford Escort. Aber er war zu seiner Zeit geil und ist heute ein junger Klassiker mit großem Potenzial. MCG bringt den Ford Escort in seiner heißesten und allerletzten Version, den RS Turbo Serie 2 von 1990/91.

Die Überschrift ist natürlich eine provokante Plattitüde, weil die Briten in Sachen Ford-Modellgenerationen anders zählen als die Deutschen. Sinn ergibt beider Zählweise, aber die englische liegt uns eben fern. Der gemeinsam gebaute Ford Transit ab 1965 ist für die Briten der erste Transit, für die Deutschen der Zweite, weil bereits der Vorgänger so hieß. Und beim Ford Escort geht die Zählweise auch auseinander. Der dritte Escort ab 1980, also jener mit Frontantrieb und der großen Heckklappe mit Stummelheck, ist für beide Werke der dritte. Dessen Nachfolger ab 1986 betrachten die Deutschen als Faceliftversion des Dritten, die Briten hingegen als eigenständige Modellreihe und titeln ihn demnach als Escort IV. Ab da gerät dann die Zählweise aus den Fugen, bis der Focus erschien. Und um eben jenen Escort, der bei uns der Escort III Facelift ist und in England der Escort IV, handelt es sich bei der MCG-Neuheit. Man behilft sich übrigens länderübergreifend, indem man vom „Escort ’86“ spricht. Das ist eindeutig. Aber es bringt eben das Kuriosum mit sich, dass ein Escort ’86 auch Baujahr 1990 sein kann – wie beim MCG-Modell. Alles nicht so einfach…

Den Escort III gab es als sportlichen XR3 mit 96 und später mit Einspritzung mit 105 PS, auf Augenhöhe mit dem Golf GTI. Doch VW rüstete mit 16 Ventilen auf, aus 112 wurden 139, im GTI G60 gar 160 PS. Ford reagierte mit Druck, mit Ladedruck, und brachte Ende 1984 den RS Turbo mit Garrett-T3-Lader, 132 PS stark und damit auf VW Golf GTI 16V-Niveau, dafür opulenter ausgestattet, alle 8604 Fahrzeuge in Diamantweiß. Nach dem Facelift 1986 oder, um mit den Briten zu sprechen, nach dem Übergang vom Escort III zum Escort IV, blieb der RS Turbo im Programm, nunmehr nicht limitiert und technisch kaum verändert: Öl- statt Wasserkühlung für den Garrett-Turbolader, andere Antriebsübersetzung, Bremsen vom Sierra XR4i, neue 15-Zoll-Alus in Form einer Turbine, ABS optional. Was ihm blieb, sind das vordere Visco-Sperrdifferenzial und der Hinterachs-Stabilisator vom Ford Orion. Ganz zum Schluss, in seinem letzten Baujahr 1990/91, erhielt der RS Turbo eine leicht veränderte Frontschürze und einen Heckflügel mit nach unten hängenden Ecken sowie eine verlängerte Mittelkonsole, Produktionsstopp in England im Oktober 1990, im Werk Saarlouis erlebte der RS Turbo noch das Modelljahr 1991. Genau diesen letzten RS Turbo hat sich MCG zum Vorbild genommen.

MCG hat ganze Arbeit geleistet und sämtliche RS-Turbo-Besonderheiten gut herausgearbeitet, außen wie innen, und einen wohl proportionierten, rabenschwarzen Turbo-Escort geschaffen. So schwarz er außen ist, so hell ist er innen mit hellgrauem Interieur, die Recaros mit mittelgrauen Sitzflächen („Zolda“-Polsterung), ebenso Türverkleidungen und Armaturenbrett. Die Sitze sind die korrekten Recaros, auf der Lenkradnabe prangt die Ford-Pflaume. Das Dach hat ein Loch mit dunkel getönter Verglasung, also trägt der RS Turbo das Custom-Paket, zu dem auch Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber gehören. Die Scheiben sind nicht getönt. Saubere Machart der Turbinen-Alus, vordere Carello-640-Zusatzscheinwerfer, Beatmungsorgane in der Motorhaube, gute Beleuchtung.

Zweite Farbe: Das Modell existiert auch in Speziallackierung, weißer Grundlack, darauf Graphiken in Hell- und Dunkelblau sowie in metallisiertem Grau, anderen Rädern (aus dem Ford-RS-Programm) und Schriftzug „Ford Motorsport“ auf den Türen und an der Windschutzscheibenoberkante. Das Design erinnert an einen in Großbritannien zugelassenen RS Turbo (Kennzeichen C345 UFA), getunt von Turbosystems, und am Original sind die Graphiken nicht lackiert, sondern Aufkleber. Bei MCG sind es Drucke, und der Wagen weckt sofort Assoziationen zur Ford-Tuning- und -Motorsportszene in den frühen 90ern.

Weitere Farben, die uns MCG bescheren könnte: Rossorot, Nimbusgrau, Mercurygrau und Radiantrot. Es gab den RS Turbo der Serie 2 bereits von Ottomobile, Diamantweiß anno 2013 und Rot anno 2020, beides längst ausverkaufte Resinemodelle. Und den neuen Serie-2-RS-Turbo kann man wunderbar neben seinen Serie-1-Bruder (also auf Basis Escort III) aus demselben Hause MCG stellen. MCG-Miniaturen sind gute Budgetmodelle in unterschiedlicher Qualität je nach Hersteller, den Model Car World als MCG-Mutter beauftragt, und beim Escort setzte Model Car World auf den Richtigen.

afs

Für die Deutschen ein Facelift, für die Briten eine neue Generation: Der Escort ’86 setzte auf Familienähnlichkeit zum Scorpio und Sierra, und MCG macht den RS Turbo aus dem finalen Produktionsjahr 1990 mit ganz leicht veränderter Frontschürze.
Modellfotos: bat
Fetziger, peppiger, tuniger: Die Interpretation in Weiß mit graphischem Go-faster.
Der Vorgänger, aber technisch ziemlich identisch und die Karosserie auch nicht viel anders als das neue MCG-Modell: Blick in die Asservatenkammer von Ford-England.
Foto: Michael Borgeest

Steckbrief:

MCG 546 Ford Escort ’86 RS Turbo 1990 schwarz und 547 dito weiß mit Dekor. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 Euro.