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News 1:18 Norev Mercedes C36 AMG W202 1993

Das erste, eheliche Kind

Es war ein schlampiges Verhältnis, dasjenige zwischen Daimler-Benz und AMG. Ein bisschen so, wie zwischen dem Gutsherrn und der Magd. Man arbeitete zusammen, man kuschelte miteinander, aber man wollte nach außen hin nichts voneinander wissen, ja, man wollte nicht einmal gemeinsam gesehen werden. Auf Dauer kein tragbarer Zustand – nicht in den Kreisen, in denen sich Daimler-Benz bewegte. Also wurde geheiratet, bevor die Magd schwanger wurde. Kurz nach der Eheschließung kam es zum ersten, gemeinsamen Kind, dem Mercedes C36 AMG. Das war die erste Verbindung zwischen Daimler-Benz und AMG, die kein Bastard war.

Ursprünglich sah Daimler-Benz keinen Grund, Tuning zu fördern. Die eigenen Autos waren gut genug – so die landläufige Meinung. Daimler-Benz hatte es zwar nicht nötig, unterstützte aber dennoch die Firma AMG, ein Ingenieurbüro im schwäbischen Burgstall. Daimler-Benz behielt aber noch lange Zeit sein zwiespältiges Verhältnis zum Thema Tuning, trotz des (eigentlich unerhörten!) Coups, 1983 den 190E 2.3-16 lanciert zu haben. Die Haltung des Konzerns war in den 80ern in einer Übergangsphase, und den Abschluss der konzerninternen Akzeptanz und des Imagewandels markiert die Übernahme von AMG durch Daimler-Benz als Haustuner: 1993 das erste, gemeinsam entwickelte Fahrzeug (eben der C 36 AMG, die Norev-Neuheit), Mehrheitsbeteiligung an AMG 1998, hundertprozentiges Tochterunternehmen seit 2005. Heute kauft man AMG-Modelle beim Mercedes-Händler und genießt Werksgarantie. Ein AMG-Mercedes bedeutet für den Kunden heute nicht mehr unbedingt ein getuntes Fahrzeug, sondern eben ein top-of-the-Sportsline-Modell, das in einer separaten, aber konzerninternen Entwicklungsabteilung entstanden ist. Seit dem C63 AMG W202 ist das so, und insofern gebührt ihm der Sonderstatus eines Meilensteins.

Werksseitig ist der Obsidianschwarze C36 AMG von Norev ausverkauft, alle stehen bei den Händlern. Wem der Schwarze zu schwarz ist, bekommt ihn auch in Lichtgelb, aber nur im Norev-online-Shop und nur 200 Mal aufgelegt. Gerne argumentiert die Pro-Kanarienvogel-Fraktion mit dem „Farbklecks in der Vitrine“. Man blicke in sie: Viel Farbe! Das Grauweißschwarze Einerlei auf der Straße findet dort beileibe keine Abbildung. Unter zu viel Farbe in der Vitrine ist weitere Farbe nur verstörend. Der Obsidianschwarze hingegen ist edel. Natürlich, und das spricht gegen Schwarz, sind die schwarzen Applikationen nahezu unsichtbar, wenngleich vorhanden. Und Chrom, der sich vom Schwarz abhebt, hat das Modell wenig – außer dem Plakettengrill eben die rundumlaufende Zierleiste auf den Stoßfängern (von Norev in Diecast umgesetzt) und an den Flanken.

Während der Lichtgelbe C36 AMG innen dunkel ist und farbig kariert bedruckte Sitzflächen und Türverkleidungen aufweist, votierte Norev beim Schwarzen für edles helles Beige, Armaturenbrett und Konsole schwarz, Teppichboden im Fuß- und Kofferraum (der Gelbe ohne Teppichboden unter dem Heckdeckel).

Das Topmodell der C-Klasse W202 wurde nur vor der Modellpflege gebaut, September 1993 bis Juni 1997, und basiert auf dem C 280 in der Ausstattungsvariante Sport, auf 3,6 Liter aufgebohrt, 280 PS stark, 232 km/h schnell, AMG-Stylingpaket und -Felgen mit Namen Merak, innen sportiv-luxuriös aufgewertet, Sportfahrwerk und stärkere Bremsen, eckiger Doppelrohrauspuff – die BMW-M3-Alternative für alle, die sich partout nicht mit einem BMW M3 identifizieren können, ja nicht mal mit einem BMW überhaupt.

afs

Norev stellte den W202 in diversen Varianten vor knapp zwei Jahren vor (Caramini-online vom 23. Juni 2024), eine smarte Konstruktion (Vor-/Nach-Facelift, T-Modell), welche den AMG C36 inklusive seines spezifischen Motors beinhaltet. Der damalige Erstling war silbern lackiert.
Modellfotos: bat

Steckbrief:

Norev 183381 Mercedes C36 AMG W202 1993 schwarz. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 99,95 Euro.