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News 1:18 AUTOart Toyota Sprinter (AE86) Trueno “Initial D (30th Anniversary)

Geburtstags-Sprinter

Eine weitere Version des legendären Driftkünstlers: AUTOart macht anlässlich des 30sten Geburtstags des Films Initial D den Toyota Sprinter Trueno AE86 erneut, in der finalen Version mit Carbon-Haube. Da war er längst Takumi Fujiwaras illegaler Rennwagen, nicht mehr sein Tofu-Express. Obgleich die Tofu-Reklame noch immer an der Fahrertüre prangte.

Ein Filmauto ist nicht nur EIN Filmauto. Es kann zwei, drei oder mehr Filmautos sein. Denn ein Film dauert (meist) 90 Minuten und im Bestfall findet derweil Handlung statt. Ist das Auto involviert, so kann sie es optisch verändern. Hat der Film Erfolg, so motiviert dieser die Filmindustrie zu einer oder mehreren Fortsetzungen. Das Filmauto ist wieder dabei, oftmals nicht mehr das originale, sondern ein anderes, das ein wenig anders aussieht. Und wenn das Filmauto eine tragende Rolle spielt, so gibt es mehrere davon, quasi Doubles. Hat der Kinofilm Ableger im Fernsehen, vielleicht gar eine Serie, so sieht das Auto darin wieder anders aus. Ein Filmauto hat also viele Gesichter. Auch der Toyota Sprinter (AE86) Trueno GT Apex aus Initial D. Und wenn all diese Gesichter bereits von der Modellautoindustrie umgesetzt sind und der Film durch geschicktes Marketing anlässlich seines Geburtstages oder gar Jubiläums wieder ins allgemeine Bewusstsein gerückt wird, so ist dies die nächste (und vielleicht letzte) Möglichkeit, das Filmauto erneut zu lancieren. Initial D feiert seinen 30sten Geburtstag, und AUTOart bringt den Film-Sprinter erneut.

Da gab es die ursprüngliche Version, die „Rival Version“, die „Final Version“ – so wurden sie benannt, und nun erscheint die „30th Anniversary Version“. Natürlich gab es Unterschiede, das Auto erlebte im Handlungsfortgang eine Evolution. Ursprünglich war es Papas Auto, das der Sohn zur Tofu-Auslieferung nutzte. Zuletzt war es ein schwer getunter Toyota, quasi der König der Bergrennen – und all das innerhalb einer Filmerzählung. Nun also erneut der Initial-D-Sprinter in der Final Version, also der heißesten, anlässlich des Geburtstages. Für Filmautofans mag das ein bisschen zu viel des Guten sein, aber dieser Toyota hat längst eine Eigendynamik weit über das Filmgeschehen hinaus vollzogen. Er ist das Symbol für eine Szene geworden, über Japan hinaus. Er ist der Drifter schlechthin. Und weil das so ist, weil er eine Art der Heiligsprechung erleben durfte, liegt AUTOart sicherlich richtig damit, sich und der Fangemeinde ein Geschenk zum 30sten zu machen. In Deutschland und Europa dürfte dieses Modellauto eher ein Nischendasein führen. Wer einen Initial-D-Sprinter von AUTOart möchte, hat ihn längst. Aber in Japan und darüber hinaus im asiatischen Raum, was ja der Hauptabsatzmarkt für AUTOart ist, wo der Sprinter quasi angebetet wird, da dürfte dieses Modellauto weggehen wie warmer Tofu (um im Bild zu bleiben).

„Sprinter“ hieß die Sportversion des Toyota Corolla. Bis zum Jahr 2000 hatte jede Corolla-Generation eine Sprinter-Version, somit auch die E80-Serie zwischen 1983 und 1987, und das war die letzte Corolla-Generation, die es auch mit Heckantrieb gab. Schon allein deshalb ist sie in der Tuning-Szene tief verwurzelt. Mit Frontantrieb kann man vielleicht gut fahren, aber driften kann man nur dann, wenn der Antrieb hinten ist. Die sportlichen Sprinter, also die Coupés (intern Toyota AE86), gab es in verschiedenen Versionen, als zweitüriges Stufenheckcoupé und als Fastbackcoupé mit großer Heckklappe, und je nach Markt hießen sie entweder Levin (= „Blitz“ in mittelalterlichem Englisch) oder Trueno (= „Donner“ auf Spanisch). Der Motor ist ein 1,6-Liter-Vierzylinder-OHC-Motor mit 130 PS, ordentliches Sportfahrwerk, vorne McPherson-Federbeine, hinten Vierlenker-Starrachse mit Schraubenfedern, rundum Scheibenbremsen. Ein Hecktriebler mit 130 PS bei einem Gesamtgewicht von nur 910 Kilo – man kann sich leicht vorstellen, dass dies Fahrspaß pur bedeutet.

In der japanischen Tuningszene hat er ungefähr denselben Stellenwert wie der Nissan GT-R, aber eine Klasse darunter. Der Motor scheint unbegrenzt tuningfähig zu sein, und der japanische Drift-King Keiichi Tsuchiya wählte nicht umsonst den AE86 Trueno für seine Driftkünste. Wenn ein Auto so populär ist, setzt die Filmindustrie gerne noch eins drauf und adelt ihn zum Leinwandhelden in Initial D. Das ist eine Manga-Serie, die zwischen 1995 und 2013 erschien, auf ihr basieren eine TV-Episodenreihe (1998 bis 2006 und 2012 bis 2014) sowie ein Kinofilm und etliche Videospiele. Darin geht es um illegale Straßenrennen, um Leistung und Drifts, um die absolute Beherrschung der Maschine, um Kämpfe auf dem Asphalt und natürlich um Beziehungen und Liebe. Initial D spielt auf Bergpässen, gefahren wird also Hillclimb und Downhill, Rennen, wieder Rennen und Revanche. Es gibt einige Hauptfiguren mit ihren jeweiligen, schwer getunten Wagen, man fährt Skyline GT-R, Mazda RX-7, Lancer Evo und Toyota Sprinter AE86 – was eben angesagt ist in der japanischen Tuning-Szene. Zu den Charakteren des Films gehört Takumi Fujiwara mit seinem Trueno GT Apex Hatchback, eigentlich seines Vaters Auto, mit dem er tagsüber Tofu ausliefert und nachts illegale Rennen fährt. Deswegen steht auf der Fahrertüre (die bei einem rechts gelenkten Auto rechts ist) auch in japanischen Lettern geschrieben „Fujiwara Tofu-Geschäft“. Takumi Fujiwara ist im Film 18 Jahre alt und beliefert täglich das Hotel auf dem fiktionalen Berg Akina mit Tofu – so kommt er mit den Akina Speedstars, den Austrägern der illegalen Rennen auf der Bergstrecke, in Kontakt. Sie fordern ihn heraus, die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Takumi Fujiwaras Sprinter wandelt sich von Episode zu Episode, wird immer wilder und mehr getunt. Für das „Anniversary-Modell“ suchte sich AUTOart den Wagen in jenem Zustand aus, wie er in der vierten Episode der TV-Staffel und gleichzeitig im Kinofilm auftrat: Er ist immer cremeweiß und der Karosserieunterteil glanzschwarz, ab der vierten Staffel trägt er die Motorhaube und die Abdeckungen der Schweinwerfer im Carbon-Look und andere, schwarze Alufelgen im Retro-Rostyle-Look (wohl Watanabe-Felgen). Es handelt sich bei seinem Wagen um den AE86 vor dem Facelift (also 1983 bis 1985), im japanischen Szenejargon Zenki genannt, während die Modelle 1986 bis 1987 als Kouki bezeichnet werden (was immer das heißen mag…). Vom Serienfahrzeug unterscheidet sich die Initial-D-Version somit durch die Felgen, die Frontpartie im Carbon-Look, den Überrollkäfig und die beiden Schalensitze – und natürlich den Schriftzug auf der Fahrertüre „Fujiwara Tofu-Geschäft“.

Natürlich Kunststoff, alles Kunststoff. Der Toyota ist all open, lenkbar, ungefedert, rollt butterweich, die Klappscheinwerfer sind beweglich. Das ist ein Modell höchster Qualität auch im kleinsten Detail. Der voll verkabelte Tuningmotor und die darüber verlaufende Querverstrebung der Federdome (der Karosseriesteifigkeit dienend) sind eine modellbauerische Offenbarung, die fein gemachten Haubenscharniere loben wir fast schon reflexartig, beim Öffnen der Heckklappe mit ihren Gasdruckstoßdämpfern klappt die Hutablage mit hoch, Innen- und Kofferraum sind beflockt und die Detaillierung an der Unterseite des Modells steht derjenigen an der Oberseite in nichts nach.

Wer noch immer nicht überzeugt davon ist, seinen vitrinenimmanenten Trueno, Erstling erschienen 2018, Zweitling 2024, durch einen Drittling ersetzen zu müssen, kann durch Folgendes überzeugt werden: Der aktuellen Version liegt eine dekorative Fotoätzplatte bei, beschriftet mit „Initial D 30th Anniversary“. Was für einen echten Swiftie die Freundschaftsarmbänder sind, bedeutet dem Initial-D-Fan diese Plakette: Sie hat nur, wer dieses AUTOart-Modell erwirbt.

afs

Die Augen und die Klappe aufgeklappt: So gut gemacht wie jeder High-Class-Lambo von AUTOart, dabei „nur“ ein alter Toyota aus den 80ern. Diese Qualität ist grandios, und wir wünschen uns viel mehr derartige Fahrzeuge von AUTOart. Aber „wir“, das bedeutet Westeuropa. Und Westeuropa ist sicherlich für AUTOart ein eher unwichtiger Markt. Unwichtiger für AUTOart ist allenfalls Afrika.
Modellfotos: Hans-Joachim Gilbert
Takumi Fujiwaras Arbeitsplatz, tagsüber um Tofu auszuliefern, nächtlings bei illegalen Bergrennen. AUTOart-Innenräume sind eine Komposition aus vermeintlich unterschiedlichen Materialien. Aber es ist alles derselbe Kunststoff, eben gekonnt be- und verarbeitet.
Und? Geht’s besser? Nein, es geht nicht besser. So muss ein getunter Vierzylinder aussehen, und so sieht ein getunter Vierzylinder aus.
Wenn der Motor vorne ist und eine Kardanwelle nach hinten führt, so hat das Fahrzeug Heckantrieb. Und wenn es Heckantrieb und genügend Power hat, so kann es driften. Das einzige, was uns an diesem Boden stört, sind die vier Schraubenlöcher, welche die Miniatur in ihrer Styroporbox fixieren. Aber wir sehen die Notwendigkeit dafür natürlich ein.
Es gibt zahllose Repliken des Initial-D-Trueno und dies ist eine davon. Sonderlich schwierig ist es nicht, ein cremeweißes Exemplar optisch auf Filmfahrzeug zu pimpen: Felgen, Carbonfolie, Überrollbügel, entsprechende Beschriftung auf der Fahrertüre – die in Japan rechts ist.
Foto: SprinterTurueno1985

Steckbrief:

AUTOart 78787 Toyota Sprinter (AE86) Trueno GT Apex “Initial D, Final Version” 1983 (30th Anniversary) cremeweiß. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP 295,95 Euro.