Ausnahmsweise nicht Obsidian
Schwarz muss bei einem Mercedes nicht Obsidianschwarz Metallic sein. Norev bringt das W124 T-Modell nun in Blauschwarz Metallic, der Farbe des 190E 2.3-16. Sieht hier nicht sportlich, sondern edel aus, vor allem in Kombination mit dem hellgrauen Interieur.
Es gibt Farben, die mit bestimmten Fahrzeugtypen verbunden werden. Diese Farben mögen auch für andere Autos desselben Herstellers verfügbar gewesen sein, aber man konnotiert sie nur mit einem: Schwarzblaumetallic ist der Mercedes 190 E 2.3-16. Indischrot der Elfer, Kristalltürkismetallic der Kadett C Winterfest, eine Alpine A110 muss Bleu France Metallic sein, denkt man an den Opel Commodore C, so erscheint im Kopf ein Auto in Dunkelgrün, und beim Matra Bagheera ist es ein gelbes Fahrzeug. Das hat viel mit Psychologie zu tun, aber auch mit der „Launch Color“ oder der „Presentation Color“, teilweise auch damit, wie ein Hersteller ein Fahrzeug in seiner Frühzeit vermarktet. Beim Commodore C steuerte Opel bewusst: Im Prospekt war der Wagen Piniengrün, der Prospekt selbst hatte einen dunkelgrünen Umschlag, ebenso wie die Farbkarte und Preisliste, die Vorführwagen für die Presse waren so lackiert und die ersten Fahrzeuge, welche an die Händler ausgeliefert wurden, waren ebenfalls Piniengrün. Auf diese Weise verbreitete sich dieses Fahrzeug in seiner Anfangszeit in Piniengrün und so blieb es in Erinnerung.
Blauschwarzmetallic 199 war von 1985 bis 1997 eine ganz normale Farbe auf der Mercedes-Palette. Den 190 E 2.3-16 lieferte Daimler-Benz ausschließlich in Blauschwarzmetallic und in Rauchsilbermetallic aus, das Blauschwarz schmückte auch den 190 E 2.5-16 Evolution von 1989 und den Evo II von 1990, und so entstand die Verbindung dieses Farbtons einerseits zum werksgetunten Babybenz, andererseits zum sportlichen Mercedes generell. Jede Baureihe war in Blauschwarzmetallic lieferbar, natürlich auch der W124, ebenso wie die S-Klasse und der SL. Und doch denkt jeder an den heißen 190er dabei. Norev beglückt uns nun mit einem W124 T-Modell, also einem S124, in Blauschwarzmetallic, kombiniert mit hellgrauem Interieur. Und, voilà, auf diesem Auto wirkt der Farbton überhaupt nicht sportlich, sondern eher edel und luxuriös. Für den W124 war der Lack während seines kompletten Autolebens lang lieferbar, und in der Zeit ab der ersten Modellpflege, als die Schürzen und der Flankenschutz in anderen Tönen lackiert waren, kombinierte Daimler Benz das Blauschwarz mit Altograu 7700 – somit auch beim Norev-Modell, das die Mopf-1-Version 1990 bis 1993 darstellt: seidenmatt lackierte Seitenverkleidungen statt Flankenschutzleiste, modifizierte Bug- und Heckschürzen, vorne mit integriertem Spoiler. 1990 kam auch die Ausstattungsversion Sportline, hausgemachtes Légère-Tuning mit Achtloch- statt der Gullydeckel-Alus. Das setzt Norev nicht um, der Kombi trägt die Gullydeckel. Was er nicht trägt, ist ein Heckschriftzug, aber es ist ein 300 Diesel, zu erkennen, wenn man die Motorhaube öffnet. Dafür hat er auf der Heckklappe ein D-Schild, was bei Auslandsreisen zu Zeiten der alten DIN-Kennzeichen Pflicht war. Und diese finden sich auf dem Norev-Modell auch, Zulassung in Segeberg in Schleswig-Holstein. Spontan hätten wir gesagt, SE-BB 208 sei ein Phantasiekennzeichen, denn damals gab es kein „B“ nach dem Bindestrich, weil dieses mit der „8“ hätte verwechselt werden können. Aber wir lernten, mit solchen Aussagen vorsichtig zu sein. Es gab auf bundesdeutschen Kennzeichen offenbar mehr Kombinationen, als die eigentliche Vorschrift und dahinter stehende Logik jemals zuließ – vor allem in deren Spätzeit Mitte/Ende der 90er Jahre.
Innen hellgrau: In den späten 80er und frühen 90er Jahren waren helle Interieurs in Mode. Das ist auf den damaligen Optiktuning-Wahn zurückzuführen. Gerade in der Luxusklasse wurden Limousinen von den üblichen Verdächtigen mit superedlen Lederinterieurs mit viel Wurzelholz und schönstem, taghellem Leder aufgewertet. Das färbte in die Breite ab. Das Auto, vor allem ab einer gewissen Klasse, wurde weniger als Gebrauchs- denn als Luxusgegenstand betrachtet, wurde gut behandelt und geschont. Da brauchte man nicht das wohlwollend pflegeleichte, immer schwarze Interieur. Da votierte man für Velours in Hellbeige oder Hellgrau. Hellgrau passt zu jeder Außenfarbe (außer zum damals allgegenwärtigen Silbermetallic, da wirkte das Ensemble eher langweilig). Mit Blauschwarzmetallic jedenfalls harmoniert eine hellgraue Innenausstattung perfekt. Und Mercedes war klug genug, den Teppichboden im Fußraum schwarz zu halten, im Laderaum hingegen war er hellgrau. Norev hat das wunderbar umgesetzt.
Überhaupt ist der W124 – egal ob Limousine oder T-Modell – von Norev hervorragend miniaturisiert, all open, gelenkt und gefedert, ein Modell der alten Schule, an dem nichts zu beanstanden und letztlich alles zu loben ist. Und wenn dann auch noch die Farbkombination so geschmackvoll ist – wer kann dazu schon Nein sagen?!
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 183960 Mercedes 300 TD T-Modell S124 1989 blauschwarzmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 99,95 Euro.