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News 1:18 Norev Zwei Mercedes SL-Generationen

Rosis Schwarzer und Opas Silberner

Zwei SL-Generationen hat Daimler-Benz bei Norev bestellt: den 190 SL in veritabler Rosemarie-Nitribitt-Farbe und den 450 SL in Rentner-Silber. Der eine ist das pure Klischee. Der andere eigentlich auch. Und deshalb sind sie beide schön.

Es gibt keinen Beitrag zum Mercedes 190 SL, egal in welchem Medium, in dem nicht die Verbindung zwischen dem Auto und der Frankfurter Edelprostituierten Rosemarie Nittribit hergestellt wird. Dabei war sie nur einer von 25.881 Menschen, die einen 190 SL kauften. Und der „Fall Nitribitt“ tat Daimler-Benz damals weh, die Verkäufe rutschten in den Keller. In den bürgerlichen 50er Jahren war das Image eines Autos als „Nutten-Karre“ alles andere als verkaufsfördernd. Dafür ist der 450 SL in Astralsilbermetallic 735 mit schwarzem Interieur alles andere als anrüchig oder anstößig, er ist stinklangweilig und deshalb zeitgenössisch. Aber nur aus heutiger Sicht, da Silber in Kombination mit schwarzem Gestühl die absolute Rentnerfarbe ist. In den 70ern war dies nicht der Fall. Damals mussten a) nicht mal edle Fahrzeuge zwingend in Metallic lackiert sein und damals war b) Silber keine Rentner-, sondern eine edle Farbe. Getoppt wurde es nur durch Goldmetallic, aber das trug dann so dicke auf, dass sich doch nicht jeder traute, ein güld’nes Auto zu fahren. Denn der Weg vom Goldkettchen um den Männerhals und dem goldenen Auto war ein kurzer, und in bürgerlich-arrivierten Kreisen identifizierte sich niemand mit dem Goldkettchenträger. Da schließt sich der Kreis, denn das Goldkettchen beim Manne wurde damals eben als anrüchig und anstößig gesehen. Wer als Mann mehr Schmuck als eine Krawatte, eine Armbanduhr und Manschettenknöpfe trug, wurde vom Bürger in die Zuhälterecke gestellt. Also Silber für den R107, und die schwarze Innenausstattung galt als sportlich.

Beide Fahrzeuge sind keine Fachhandelsmodelle, sondern werden ausschließlich über die Daimler-Benz-Accessoireschiene verkauft. Deshalb orientieren sich die Farben auch nicht an dem, was Norev im langen Leben dieser beiden Modellautos bereits farblich realisierte. Es gab bereits einen schwarzen 190 SL und einen silbernen Facelift-500 SL. Betonung auf „gab“, also Vergangenheit. Damit es die begehrten Farben auch in der Gegenwart gibt, gab sie Daimler-Benz genau so in Auftrag. Ende Juni liefert sie Norev an Daimler-Benz. Wie lange es dann dauert, bis sie dort als lieferbar gelistet werden, weiß alleine der Daimler – wir rechnen mit rund zwei Wochen Frist.

Alte Bekannte, neu eingekleidet

Wir begegnen zwei alten Bekannten, die sich frisch gemacht haben. Das macht sie sympathisch. Sie sind nichts Neues, sie können nichts Neues, aber sie haben sich neu eingekleidet und wirken dadurch anders. Beide Ess-Ell sind all-open-Modelle mit Lenkung und ohne Federung, tragen noch mit Stolz jene etwas kruden Haubenscharniere, die früher für Norev-Modelle typisch waren, und auch dem 190-SL-Motor ist, trotz aller guter Bedruckung, anzusehen, dass er älteren Datums ist, die skulpurhafte fast-Zweidimensionalität ist deutlich. Der W107 wurde vor nicht allzu langer Zeit von Norev aufgemöbelt und modifiziert, sodass aus dem zuvor ausschließlich möglichen Facelift-Modell (nach 1985) nun die Urversion ab 1971 wurde. Einen neuen Motor und Fuchs-Alus kreierte Norev für die beiden US-Filmauto-Versionen aus Dallas und Heart to Heart, in Europaversion erschien das modifizierte Norev-Modell, das das unmodifizierte Vorbild wiedergibt, erstmals Anfang 2026 in Cayenneorange (Caramini-online vom 28. Januar 2026). Nach wie vor wundern wir uns über den fehlenden Teppichboden im Kofferraum. Den R107 kann man in drei Aggregatzuständen in die Vitrine stellen, offen, mit geschlossenem Stoffverdeck oder mit Hardtop, das aus Kunststoff besteht und im exakt gleichen Farbton wie die Karosserie lackiert ist. Am 190 SL ist nichts verändert, genau Rosis Konfiguration Schwarz 040 mit dunkelroten Sitzen, die Version ab Juli 1957, weil die hintere Kennzeichenbeleuchtung in die Stoßstangenhörner integriert ist. Mit dem Lob, das Modell komme ohne jegliches silberne Druckwerk aus, alle Chromteile seien separat eingesetzt, wiederholen wir uns, erwähnen es aber gerne, denn dieser Fakt spricht sehr für die althergebrachte Konstruktion. Nach wie vor ein Ärgernis ist der viel zu geringe Öffnungswinkel der Motorhaube, was aber durch eine nette, manuell zu bedienende Haltestange kompensiert wird. Auch er kann offen oder geschlossen geparkt werden, das zurück geklappte Verdeck lässt sich gegen das mitgelieferte, schwarze Stoffverdeck austauschen. Ein Hardtop für den 190 SL gibt es nicht.

Beide Autos haben moderne Kennzeichen erhalten, was einer Forderung von Daimler-Benz für die hauseigene Modellautokollektion entspricht – was aber nicht die beste Entscheidung ist. H-Kennzeichen, der Euro-Balken – alles in Ehren, durchaus realistisch. Aber zeitgenössische Kennzeichen wären doch viel netter und viel authentischer.

afs

In allen Aggregatzuständen: Der R107 in seiner Urversion in doppelter Hinsicht all-open (also vollständig geöffnet ohne Dach und als all-open-Modellautokonstruktion), und das schwarze Interieur hat den unbestreitbaren Vorteil, dass sich das schön gemachte Holz optisch gut abhebt.
Modellfotos: bat
190 SL in der Nitribitt-Konfiguration (aber ohne ihr Kennzeichen, das ein schwarzes Besatzungskennzeichen mit weißer Schrift war). Er besticht durch das weiße Lenkrad und den vielen, jeweils separat eingesetzten Chrom.

Steckbrief:

Norev B6 604 0717 (Mercedes-Bestellnummern) Mercedes 190 SL W121 1957 schwarz (geschlossenes Verdeck beiliegend) und B6 604 ß716 Mercedes 450 SL R107 1971 silber (geschlossenes Verdeck und Hardtop beiliegend). Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP ca. 120 Euro, ausschließlich beim Mercedes-Händler erhältlich.