Sammeln

Sammeln: Flieger mit Auto- und Spielzeugwerbung

Glas und Trix auf dem Flieger

Wer sucht, der findet – teilweise etwas, das er nicht gesucht hat. Beim Stöbern im Fotoarchiv stießen wir auf zwei Fotografien von Flugzeugen mit automobilem respektive mit Spielzeugbezug. Wir finden sie interessant genug, um sie unseren Lesern nicht vorenthalten zu wollen.

Zwei Fotos, die uns als Dia und Negativ vorliegen und von denen wir schöne 13×19-Abzüge machen ließen, fielen uns in die Hände. Zwei Flieger, beide ungewöhnlich dekoriert. Ein bisschen Recherche, und zu den Fotos entsteht eine Geschichte.

Da ist zum Einen eine Vierergruppe mit zwei Autos, einem 1958er Käfer Export, schon mit großem Heckfenster, aber noch mit Einkammerrückleuchten, und ein BMW 700, der gerade rechtzeitig erschien, um BMW vor der Pleite und dem Verkauf an Daimler-Benz zu retten. Die vier Personen gehören offensichtlich zu den beiden Autos, und die Szene spielt auf einem Sportflugplatz. Die Maschine im Hintergrund trägt das Firmenlogo von Glas. Die Hans Glas GmbH in Dingolfing ging aus einem Landmaschinenhersteller hervor und endete als kleiner Automobilproduzent im Schoße von BMW. Im Glas-Werk wurde fortan ab 1973 der 5er BMW hergestellt. Glas baute Motorroller, das berühmte Goggomobil, Fahrzeuge der unteren und echten Mittelklasse, und mit dem Glas 2600 V8, einem rassigen Gran Turismo mit Frua-Design im damaligen Maserati-Stil, machte sich Hans Glas dem Ikarus gleich, flog zu hoch, kam der Sonne zu nah, seine Wachsflügel schmolzen und er stürzte ab.

Die Maschine ist eine Piper 3-3 Club mit Continental-Motor und Glas-Emblem am Rumpf. Was hat das zu bedeuten? Gemäß Luftfahrtrolle vom 31. Dezember 1959 und 15. August 1960 war der Halter Karl Dompert, Dingolfing, Glogauer Weg 4. Dompert war Glas-Chefkonstrukteur und nach der Übernahme Glas’ durch BMW anno 1967 Leiter des Dingolfinger BMW-Werkes. Ab 1964 hatte das Sportflugzeug einen neuen Halter, 1971 wurde es letztmals erfasst. Offenbar nutzte Dompert die Maschine auch geschäftlich, vielleicht beteiligte sich die Firma Glas an den Unterhaltskosten. Jedenfalls war die Piper kein Firmenflieger, sondern die Privatmaschine Domperts.

Das zweite Foto, ein Schwarzweiß-Negativ und auch zum schönen Papierabzug geworden, zeigt einen Oldtimer aus frühester Nachkriegszeit. Es ist eine amerikanische Erco Ercoupe 415-C mit der Seriennummer 1979, gebaut 1946. Die Luftfahrtrolle gibt Auskunft, dass die Maschine bei einem Sturm 2007 schwer beschädigt und danach repariert wurde. Sie war 2023 noch immer unterwegs. Der Flieger ist eine Vorkriegskonstruktion, Erstflug 1937, rund 6000 Exemplare wurden gebaut. Die Aufnahme entstand 1962 auf dem Flugplatz Schwaighofen bei Neu-Ulm, der damals nahezu ausschließlich von den amerikanischen Besatzern genutzt wurde („Ulm Army Airfield“), aber lokale Luftsportvereine durften dort ebenfalls starten und landen. Der Flugplatz existierte bis 1997, danach wurde dort ein Gewerbegebiet aufgebaut.

Die Ercoupe ist in den Firmenfarben von Trix gehalten (die wir auf dem Schwarzweißbild freilich nicht benennen können), dazu der Schriftzug „Trix“ und „Vereinigte Spielwarenfabriken Ernst Voelk KG, Nürnberg“. Der Markenname „Trix“ wurde erstmals 1931 für einen Metallbaukasten verwendet, 1934 erschien die erste Modellbahn namens Trix-Expreß, ab 1938 war Trix Eigentümer der Blechspielzeugfirma Johann Distler und vertrieb als Modellbahn-Zubehör die Blechgebäude von Kibri. In den 70er Jahren war das Trix-Expreß-System auf absteigendem Ast, aber die Minitrix der Spurweite N (im Programm seit 1964) zögerte den Niedergang hinaus. 1997 wurde Trix von Märklin übernommen, seit dessen Insolvenz 2009 gehören Märklin und Trix zur Simba-Dickie-Gruppe. Mit Miniaturautos hatte Trix wenig zu tun. Aber unvergessen ist der BMW 2000 CS als Trix Radio Car im Maßstab 1:20, mit integriertem Transistorradio. Es war das einzige Trix-Miniaturauto in diesem Maßstab und passt ganz hervorragend zu den Gama-1:20-Modellen, vor allem zum gleichzeitig gebauten BMW 1800.

afs (mit Dank an Jens-Peter Berthmann für Recherchehilfe)

Zufallsfunde im Archiv, zu schön, um nicht gezeigt zu werden. Immerhin hat das Eine einen automobilen und das Andere einen Spielzeugbezug.
Fotos: Archiv afs
Der BMW 2000 CS von 1967 stammt von Trix und hat ein integriertes Transistorradio. Er passt sowohl maßstäblich als auch thematisch wunderbar zum BMW 1800 von Gama, der deshalb mit aufs Foto wollte. Das Trix Coupé gab es in Beige und Dunkelrot. Es wurde im Fachhandel verkauft. BMW nutzte es auch als Werbegeschenk für Kunden, die das Original erwarben. Immerhin war der 2000 CS seinerzeit der teuerste BMW.
Modellfoto: bat