Königsklasse
Sie sprechen gerne vom “besten Auto der Welt”, wenn sie von der S-Klasse sprechen. Als AMG S 63 mag die S-Klasse noch besser als der Beste sein. NZG bringt die beste aller S-Klassen im AMG-Trimm, als S 63 E-Performance.
Das beste Auto der Welt verbessern? Geht das? Der S-Klasse wird gerne, vor allem in deutschen Landen, das Attribut des „besten Autos der Welt“ zugesprochen – was zu bewerten wir uns nicht anmaßen. Es zu verbessern ist das Versprechen der Tuner. Der Werkstuner AMG ist am nächsten am Original, konstruktiv, räumlich, was die Synergien und vor allem den Willen des Konzerns betrifft. Er hat also beste Chancen, das beste Auto der Welt zu verbessern.
Für viele Vielfahrer ist eine AMG S-Klasse der ultimative Traum. Mein Nachbar hat einen. Er besucht regelmäßig die Filialen seiner Firma zwischen Flensburg und Garmisch. Als er mit seinem AMG-V223 erstmals auftrat, erklärte er, dass er sich eine solche Reiselimousine immer gewünscht und sie sich jetzt, mit nunmehr grau meliertem Haar, auch leisten könne. Allem Anschein nach ist er sehr glücklich mit seiner Anschaffung. Silbern ist das Fahrzeug, Hightech Silber. Genau so lackiert NZG seine AMG-S-Klasse auch, ebenfalls lieferbar in Nightblack Mango und Opalith Weiß.
Die AMG-Version der aktuellen S-Klasse V223 (Design: Balázs Filczer und dem ehemaligen Chefdesigner Gorden Wagener) erschien im Dezember 2022 (Verkaufsstart April 2023), ein leistungsmäßig absolutes Ausnahmegerät: der AMG S 63 E Performance, ein 4-Liter-Biturbo-V8 mit 612 PS plus einem 190-PS-Elektromotor, was in 802 PS Systemleistung kulminiert (also ein Plug-in-Hybrid). In der Vorgängergeneration V222 (2023 bis 2019) hatte der V8 im AMG S 63 zunächst 585, dann auch 612 PS geleistet, aber es gab eben auch den AMG S 65 L mit V12, 630 PS stark. Einen V12 gibt es in der aktuellen S-Klasse nicht mehr, er ist dem Maybach vorbehalten (und hat seit Januar 2026 sogar 630 statt 612 PS) – aber wegen der EU-Abgasvorgaben dürfen Europäer ihn nicht mehr erwerben. Allerdings war der V12 im Maybach ohnehin nicht sonderlich begehrt.
Die AMG-S-Klasse ist also ein (partieller) Elektriker geworden und AMG, so prognostiziert es AMG-Geschäftsführer Michael Schiebe (in Personalunion auch Maybach-Boss) strebt nach einem reinen Elektriker. „S 63“ ist old school und vom Vorgänger bekannt, „E-Performance“ ist ein an der Hinterachse montierte 190-PS-Elektromotor, stark genug, den Wagen auch alleine zu bewegen, wenngleich nur 30 km weit. Die Erwartung an das Brachiale, das man aus einem Lucid Air kennt, erfüllt die AMG-S-Klasse nicht, dazu ist der E-Motor dann doch zu schwach. Seine Hauptaufgabe ist, den V8-Biturbo zu unterstützen – vor allem dann, wenn die beiden Turbos noch nicht in Fahrt sind.
Das neue NZG-Modell ist bei seiner Präsentation bereits nicht mehr aktuell. Seit Anfang 2026 rollt die S-Klasse mit Facelift vom Sindelfinger Band, Präsentation im März. Die AMG-Version wird etwas später vorgestellt. Das NZG-Modell stellt die Ur-Version dar – weil der S 63 AMG noch etwas auf sich warten lässt, ist das NZG-Modell also in der Übergangsphase von aktuell und nicht mehr aktuell. Jedenfalls ist der gemopfte S 63 AMG derzeit noch nicht konfigurier- und bestellbar. Da das Modell aber ein offizieller Auftrag der Daimler’schen AMG-Filiale ist, kann dies NZG gleichgültig sein. Und überhaupt: Vielleicht kommt ein Folgeauftrag, vielleicht dereinst ein gemopfter ’26er Mercedes-AMG S 63 E-Performance. Genügend optische Unterschiede zum Urmodell gibt es ja.
Der AMG-Mercedes ist stets eine lange S-Klasse namens V223, also kein W223 (kurzer Radstand) und kein Z223 (Maybach, besonders lang), sondern das, was früher als „SEL“ bekannt war. Wegen der speziellen Schürzen ist die AMG-Version länger als die S-Klasse V223, 5336 mm lang. Ein mächtiger Wagen also, und die NZG-Miniatur widerspiegelt diese Masse gar trefflich. Auch das Gewicht des Modells, stattliche 1,3 Kilo, korrespondiert damit. Das Modell liegt satt in der Hand, wirkt sehr wertig. Ist es auch, kann alles, was der Sammler will: all open, gelenkt, gefedert und beteppichbodend. Zusatzgimmicks wie verschiebbare Vordersitze oder einklappbare Außenspiegel, weist die AMG-S-Klasse nicht auf. Die Haubenscharniere sind klassische Doglegs, aber ziemlich diskret. Die Türen schließen satt, aber da das Vorbild keine konventionellen Türgriffe hat, gilt dies auch für das Modell. Am Türgriff kann man die Türen also nicht öffnen. Und die Spaltmaße sind erfreulich gering, somit sollte man sich auf die Fingernägel nicht verlassen.
Nett ist, dass die Motorhaubenöffnung durch einen Druckhebel an der Unterseite unterstützt wird. Im Kofferraum findet sich der bordeigene Kühlschrank (vulgo: Klimaanlage), was dessen Volumen ungefähr halbiert. Unter der Motorhaube sind Plastikabdeckungen, unter denen sich das gefeierte Aggregat befindet. Von diesem sehen wir nichts, dafür viele plastikschwarze Abdeckungen, die abwechslungsreich zu gestalten sich NZG Mühe gab. An manchen Stellen schwarzer Glanz, ein wenig Silber, ein mattweißer Flüssigkeitsbehälter, mitten drauf ein Mercedes-Stern und der „AMG“-Schriftzug. Apropos Mercedes-Stern im Grill: Er ist das einzige Chromteil an der AMG-S-Klasse. Einen Stern auf der Haube trägt der Wagen nicht, dafür eine Logo-Plakette, kein separates Teil, aber sauber bedruckt. Innen ist das Modell eben S-Klasse, nicht mehr und nicht weniger. Alles schwarz (und außen Hightech Silber, also eine typische Leasing-Konfiguration – wie schön wäre doch ein roter Innenraum!), und dadurch sieht man die Lümmelsitze leider nicht in voller Pracht. NZG hat die unterschiedliche Haptik der verschiedenen Materialien gut miniaturisiert. Die Sitzflächen fühlen sich anders an als die Seitenwangen. Manchmal fragen wir uns, wie diese verschiedenen Plastikmaterialien wohl in zehn oder zwanzig Jahren aussehen werden oder sich anfühlen werden, wenn der Kunststoff-Weichmacher entwichen sein wird. Aber eigentlich wollen wir es gar nicht wissen… Auch die Nachbildungen der Multimediashow, die früher Armaturenbrett hieß, ist NZG bestens gelungen, und Metastasen derselben finden sich auch an den Rückenlehnen der Vordersitze. On Top trägt die Miniatur ein Panoramadach. Klasse gemacht sind die AMG-Schmiederäder mit 16 Speichen, die optisch ein wenig an das klassische BMW-Alpina-Rad erinnern. Die roten Sättel belegen die serienmäßige Verbundbremsanlage (die optionale Keramikbremse wäre durch bronzefarbene Sättel definiert).
Das Chassis ist ausreichend detailliert, soweit möglich. Auch hier sind, wie im Motorraum, weite Teile verkleidet. Zu sehen sind tatsächlich nur die Abgasanlage und die Hinterachse. Darüber hinaus findet sich eine Art Visitenkarte als Druck, ein „made in China“, die Artikelnummer und der Name des Herstellers (also: NZG“), obgleich dieser an anderer Stelle ins Material graviert ist. Wäre Letzteres nicht der Fall, könnte man annehmen, dass das Modell auf anderen Märkten unter anderer Marke verkauft wird – beispielsweise Keng-Fai, der Produzent der NZG-Modelle, der auch unter eigenem Namen mehrere Produktlinien produziert (die NZG teilweise importiert).
Dieses schöne und durchtrainierte AMG-Modell passt gut neben die bereits vorhandenen S-Klassen desselben Baumusters von Norev (normale S-Klasse, S-Klasse AMG Line, Maybach). Wir wissen nicht, ob AMG die gemopfte 2026er-Version als Modell in Auftrag gegeben hat. Aber wir wissen, dass Daimler-Benz die gemopfte S-Klasse in 1:18 beauftragt hat. Trifft dies auch auf den AMG S 63 E-Performance zu, so könnte sein, dass die vorliegende Neuheit eine eher kurze Laufzeit haben wird und bald zum antiquarischen Sammlerstück wird. Die Schlüsse daraus muss natürlich jeder selber ziehen.
afs




Modellfotos: bat

Steckbrief:
NZG 111600055 Mercedes-AMG S 63 E-Performance V223 2023 silber. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 150 Euro.