Hommage an die alte Römerstraße
Die Serie 2 ist die populärste Version: Norev bringt sein schönes Lancia Fulvia Coupé nun als 1971er Modell in betörendem Bronzemetallic. So leicht, so grazil, so fragil, so elegant, mit Flair und Stil – einfach italienisch und purer Zeitgeist.
Vor über 2000 Jahren baute der römische Konsul Quintus Fulvius Flacco eine Kriegsstraße von Tortona im Piemont nach Turin, die Via Fulvia. 300 Jahre später erfolgte ein wirtschaftlicher und demographischer Niedergang der Region, die Via Fulvia wurde erst vernachlässigt und dann peu-à-peu aufgegeben. Regelmäßiges Hochwasser des Flusses Tanaro gab ihr den Rest. Teile der Route folgen zwar heute noch auf modernen Straßen, aber die Via Fulvia wäre nur für Historiker noch interessant, hätte sich nicht Lancia 1963 dazu entschlossen, seinem neuen Mittelklässler und Appia-Nachfolger 1963 eben diesen Namen zu geben: Fulvia. Es gab eine sehr eckig gezeichnete Limousine und ein Stufenheck-Coupé, beide von Piero Castagnero als Angestellter im Centro Stile Lancia entworfen, sowie das Fulvia Sport Coupé mit Fließheck, von Ercole Spada bei der Carrozzeria Zagato gezeichnet. Sehr moderne Konstruktion mit V4-Motoren mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Frontantrieb, gutem Fahrwerk trotz vorderer Querblattfeder und hinterer Starrachse an Längsblattfedern, Scheibenbremsen.
Das Werkscoupé mit verkürztem Radstand, vergrößertem Motor und verbessertem Fahrwerk folgte im Frühjahr 1965 und machte sich als Rallyewagen einen sehr guten Namen, Sandro Munari gewann 1972 die Monte. Auf dessen Renommee aufbauend, bot Lancia das abgespeckte und potentere Fulvia HF Coupé an, später auch die Fulvia 1.3 S Rallye (Alutüren und -hauben, Plexiglasscheiben, keine Stoßstangen). Das Leistungsspektrum reichte von 80 PS im 1200er-Coupé bis zu 132 PS in der Sportversion namens Variante 1016. Mitte 1970 erschien die zweite Serie, neues Fünfgang-Getriebe, Superduplex-Bremsen, breiterer Grill. Im Frühjahr 1975 folgte als einjähriger Abgesang die Fulvia 3 mit Plastikgrill, weiß unterlegten Instrumenten und einigen von Fiat verordneten „Short Cuts“, Produktionsstopp am 10. Januar 1976. Damals war der gewachsene Nachfolger, das Lancia Beta Coupé, längst am Markt.
Das Coupé ist ein hinreißend gezeichnetes Fahrzeug, Piero Castagneros Meisterstück, leicht, Licht durchflutet, mit extrem schmalen Fensterpfosten, fragil, elegant, charmant, leichtgewichtig und leichtfüßig, das automobil gewordene Zeitgefühl der 60er. In gewisser Weise ist das Lancia Fulvia Coupé in Bezug auf seine Anmutung allenfalls vergleichbar mit dem Mercedes Pagodendach-SL – auch wenn diese Assoziation vielleicht etwas weit hergeholt zu sein scheint.
Die Bronzemünze passt zur Römerstraße
Norev brachte das Fulvia Coupé 2022 auf den Markt, ganz nach Sammlers Wunsch all open, gelenkt und gefedert und mit interessanter Machart der Chromapplikationen: Die erhaben gravierten Karosseriebestandteile sind mit Chromprägung versehen, der skulptural gefertigte Motor ziemlich bunt mit weißem Hauptbremszylinder, grün bedruckten Zündkabeln, auch ein wenig Blau ist zu finden. Norev konstruierte das Modell wieder „smart“, um diverse Varianten und Serien fertigen zu können. Ein Serie-3-Fahrzeug von 1975/76 gab es bereits, nun ein 1971er Coupé der Serie 2, gleichzeitig bietet Norev ausschließlich in seinem Online-Shop eine auf 200 Exemplare limitierte, stoßstangenlose HF-Variante an (Blu Medio mit mattschwarzen Hauben). Das Bronze-Stück trägt Cromodora-Alus, die Nabenkappen verchromt mit „Lancia“-Schriftzug, innen viel Schwarz mit Holz am Armaturenbrett und Lenkradkranz, beflockter Teppichboden und weißer, strukturierter Dachhimmel mit Sonnenblenden.
Zum Namen des Autos, also der alten Römerstraße, passt die Farbe Bronzo Longchamps metallizzato 1328, denn eine Bronzemünze verbindet man gerne mit den Alten Römern. Ob nun Longchamps eine gute Bezeichnung für diesen Bronzeton ist, sei dahingestellt; es ist der Name einer berühmten Pferderennbahn in Paris, errichtet auf dem Grund einer zerstörten, gleichnamigen Abtei. Luxuslederwaren heißen Longchamp, ein De Tomaso natürlich auch – und eben ein Lancia-Bronzeton.
Norev schuf ein ungemein charmantes Coupé in bester konstruktiver Machart, es versprüht Stil, Flair und Eleganz. Und es passt ganz wunderbar in der Vitrine neben seinen Bruder im Geiste, dem Alfa Bertone-Coupé, ebenfalls von Norev.
afs



Modellfotos: bat


Foto: Centro Storico Fiat
Steckbrief:
Norev 187985 Lancia Fulvia Coupé 1971 Bronzemetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 89,95 Euro.