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News 1:18 NZG Mercedes-AMG G63 W465 2024

In Wüstensand für den Sandkasten

Bei einem weiteren G-Modell kommt einem der Pink-Floyd-Songtitel Another Brick in the Wall in den Sinn. Aber das NZG-Modell ist nicht nur „another Brick in the Wall“, sondern ein eigenständiger Brick mit Daseinsberechtigung, der einiges besser kann als andere. Und das ist nicht, um aus demselben Song zu zitieren „dark Sarcasm“.

Schon wieder eine G-Klasse im AMG-Trimm? Hatten wir doch erst! Das Almost-Real-Modell wurde in Caramini-online am 13. Mai präsentiert. War weiß. Jetzt sandbeige, aber sonst gleich? Mitnichten! Ja, es stimmt: Zwei AMG-G-Klassen binnen kurzer Frist, auf den ersten Blick nur anders durch Modellhersteller und Farbe. Aber was bedeutet schon der erste Blick! Almost Real macht den „alten“ G, den W463 zwischen 2018 und 2024, NZG hingegen den aktuellen seit Frühjahr 2024, interne Baureihenbezeichnung W465. Optisch tat sich wenig (eigentlich tat sich gar nichts), technisch eine ganze Menge – wobei man von der Technik bei einem Modellauto üblicherweise nicht viel sieht und merkt. Dennoch: Es handelt sich um unterschiedliche Gehs, und während der Almost Real G (als Sondermodelle Edition 55 und Grand Edition) eher auf Poser macht, gibt sich das NZG-Modell dezent. Überdies kann es mehr als die Almost-Real-Interpretation. Dafür kostet es mit 200 Euro genau 130 Euro weniger als der Almost Real.

Während Almost Real flotter war und sich eher um Sondereditionen kümmert, erhielt NZG von AMG den Auftrag für das offizielle Industriemodell. NZG zog einen lukrativen Auftrag an Land und fertigt nunmehr exklusiv die AMG-Modelle. Aktuelle AMG-Mercedesse darf kein anderer machen. Und ins AMG-Portfolio gehört nun einmal auch der G63. NZG entwickelt die AMG-Fahrzeuge in Nürnberg, gefertigt werden sie bei Keng Fai in China. Die ganze aktuelle Palette wird peu-à-peu kommen, nun der G63 in den drei Farben Wüstensand, Polarweiß und Nachtschwarz Magno, wobei letzterer werksseitig bereits ausverkauft, aber durchaus bei den Händlern verfügbar ist.

Der optische Unterschied – also das, was an einem Modellauto darstellbar ist – zwischen dem W463 bis Anfang 2024 und dem W465 seither ist nahezu zu vernachlässigen. Es ist nur ein leichter Feinschliff im Interesse der Aerodynamik. Im Innenraum verschwanden viele physische Tasten und Schalter, noch mehr wurde digitalisiert als bisher. Um den Unterschied optisch zu erkennen, muss man wissen, wohin zu schauen ist. So stehen die Lamellen in den Lufteinlass-Schlünden unterhalb der Scheinwerfer beim Neuen aufrecht, beim Vorgänger waren sie horizontal. Die Kamera war über dem Stern im Grill, nun ist sie unterhalb des Kennzeichens. Neues Design der Kamera in der Windschutzscheibe und umgestaltete Heckschürze, die im Bereich des Kennzeichens nun durchgehend ist. Für den G-Intimus ist das offensichtlich, der Durchschnitts-Betrachter nimmt es zur Kenntnis und fragt sich, warum so viel Aufhebens gemacht wird und das Auto einen neuen, internen Typcode bekam. Der wäre eher 2018 angemessen gewesen, als die G-Klasse grundlegend verändert wurde, breitere Karosserie, vordere Einzelradaufhängung statt Starrachse. Der W465 arbeitet jedenfalls mit einem 48-Volt-Bordnetz (sieht man am Modell nicht), und der G63-Motor (4-Liter-V8-Biturbo mit 585 PS) wurde zum Mildhybrid durch die Unterstützung von 23 Elektro-PS (sieht man auch nicht), er beschleunigt eine Zehntelsekunde schneller auf Tempo 100 (sieht man erst recht nicht). Insofern also kein modellrelevanter Unterschied zwischen W463 und W465, aber ein Entwicklungsschritt und somit für die G-Historiker doch ein Unterschied.

Selbst die Tankklappe geht auf

 Das NZG-Modell ist das Industriemodell, entspricht den Daimler-Benz-Anforderungen und wurde mit zur Verfügung gestellten Daimler-Banz-Daten konstruiert, eine hundertprozentige Lizenzarbeit also. Das impliziert eine fehlerfreie Miniatur, die wir somit nicht auf Grundsätzlichkeiten abklopfen müssen. Wir können uns darauf konzentrieren, wie die Detaillösungen sind. Und die gefallen uns gut. Zunächst die außen liegenden Scharniere der Türen und Hauben: sehr gut nachgebildet und ebenso gut funktionsfähig, dazu der korrekte circa-90-Grad-Öffnungswinkel der Türen. Magnete halten sie zu, ebenso wie die Heckklappe. Die Aufsteller der Motorhaube und der Heckklappe entsprechen dem Stand der Technik. Der Motor ist ein separates Teil (kann man in dieser Preisklasse erwarten), schön modelliert und sauber dekoriert mit Wartungshinweisen, ein paar Farbtupfern, Mercedes-Stern und AMG-Logo auf der Motorabdeckung. Batterie? Nein, denn sie trägt der AMG G63 nicht im Motorraum, sondern im Kofferraum, unter der Bodenplatte versteckt. Dementsprechend sehen wir sie auch im Kofferraum nicht. Dafür sehen wir korrekte Verkleidungen und eine Abschlusszierleiste, aber keinen Teppichboden. Der AMG 63 verfügt hinten über einen solchen, und wir insinuieren, eine Gummibodenmatte liege zu seinem Schutz darüber. Im Innenraum ist Teppichboden, überhaupt eine prima Dekoration, selbst Winzigkeiten wie die roten Warnlämpchen am unteren Teil der Türinnenverkleidung hat NZG nicht vergessen. Türdichtgummis hingegen sind nicht durch Druck hervorgehoben. Der Innenraum ist einfarbig dunkelgrauschwarz, somit eintönig. Aber auffallend ist, dass sich die Oberfläche der Sitzflächen anders anfühlt als jene der Seitenwülste, also angenehme Haptik. Der Boden ist professionell nachgebildet, alles da, was da sein muss. Der Kunststoff sieht hier allerdings sehr nach dem aus, was er ist: nach Plastik. Was hingegen sofort positiv auffällt: NZG fertigte den Rahmen aus Metall, seidenmattschwarz lackiert (der musste alleine deshalb stabil aus Diecast sein, weil darin die Löcher für die vier Schrauben sind, welche das Modell an der Verpackung festhalten). Das wirkt auf den ersten Blick wertiger als das zu sehr glänzende Plastik des Restes.

Kommen wir zu dem, was den NZG-Geh besonders auszeichnet, seine Gimmicks, seine Überraschungen, seine Zusatz-Leckerli: Das Schiebedach lässt sich nach hinten schieben. Die beiden Außenspiegel sind klappbar. Die Vordersitze sind längs verschiebbar und der zweiteilige Deckel der Mittelkonsole lässt sich öffnen. Besonders nett finden wir stets die zu öffnende Tankklappe. Am liebsten würden wir fordern, dass dies bei all-open-Achtzehnern Pflicht sein sollte. Das ist konstruktiv eigentlich nichts Besonderes (eben ein zusätzlicher Kostenfaktor), denn eine Tankklappe in 1:18 ist ungefähr so groß wie eine Türe an einem 1:64-Modell, und zu öffnende Türen an Siku- und Matchbox-Autos waren selbst vor 50 Jahren kaum der Rede wert.

Der NZG-W465 ist kein Solitär, das gleiche Auto gibt es als Resinemodell von GT Spirit, einen „normalen“ aktuellen G, auch als Elektriker, macht Norev – und er unterscheidet sich vom letzten W463 nur durch Winzigkeiten – und von dem gibt es sehr viele Modell-Interpretationen. Dennoch ist die NZG-Auslegung willkommen im großen Kosmos der G-Klassen, ein sehr gut gemachtes Modell mit eigenem Charakter – und wer, wie wir, Wüstensand wählt, hat einen ziemlich einzigartigen AMG G63.

afs

Wüstensand steht dem AMG G63 und ist ein Hinweis auf artgerechte Haltung. Wüstensand Uni ist ein Manufaktur-Lack und kostet 4700 Euro Aufpreis. NZG rüstet den G63 mit 22-Zoll-AMG-Schmiederädern im Kreuzspeichendesign in Manufaktur-Ausführung aus, und Mercedes verlangt dafür keinen Cent extra. Beim „all-open-Foto“ haben wir vergessen, den Tankdeckel zu öffnen.
Modellfotos: bat
Das neue Interieur, weniger Schalter und Wippen, alles digital. Schöne Dekoration, flauschiger Teppichboden, glänzende Einstiegsleisten. Alles sehr dunkel, aber das ist Geschmackssache.
Nette Spielerei: Das Schiebedach geht auf.
Moskau, August 2025: Aktueller Mercedes-AMG G63 W465 in Wüstensand. Das Modell erschien im Frühjahr 2024, also weit nach dem Ausbruch des Russisch-Ukrainischen Krieges und somit nach dem Handelsembargo, das im März 2022 begann. Theoretisch dürfte er also nicht in Moskau existieren. Er existiert aber dennoch in Moskau. Grauen Importeuren und willigen Helferstaaten danken es die Moskauer Oligarchen, indem sie saftige Aufpreise für neue Mercedes zahlen. Tut ihnen nicht weh…
Foto: Retired Electrican

Steckbrief:

NZG 110900069 Mercedes-AMG G63 W465 2024 Wüstensand, 110900052 dito Nachtschwarz Magno, 110900041 dito Polarweiß. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 200 Euro.