Notizen aus der Provinz
Leistung und Lässigkeit. Das zeichnet AMG-Mercedesse aus, besonders das klassisch gezeichnete CLE Coupé. NZG macht das Industriemodell für Mercedes und gleichzeitig die Fachhandelsversion. Das Original zieht Enthusiasten ebenso wie Poser an. Das Modell wendet sich an Sammler, die hochwertige Power-Mercedes bevorzugen.
Die AMG-Mercedesse. Und die Audi-RS-Typen. Und die BMW M2 und M3. Dazu Cabriolets aller Art. Man sieht sie am späteren Freitagabend in der Provinzmetropole. Die wenigsten tragen ein lokales Kennzeichen – und wenn, dann in einer Kombination, die auf den Landkreis hinweist. Die meisten haben drei Buchstaben vor dem Trennungsstrich. Sie kommen aus dem Umland, rund 30 bis 40 Kilometer Einzugsgebiet. Sie alle sind da am Freitagabend, dem wöchentlich Car-Freitag (sehr nette Verballhornung des Feiertags Karfreitag), cruisen vier-, fünf-, sechsmal um den Altstadtring. Nicht schnell, im Gegenteil. Aber zwischen den Rotphasen, auf den möglichen 150 Innenstadtmetern zwischen zwei Ampeln, machen sie einen auf Quarter Mile, blitzartige Beschleunigung, abruptes Abbremsen. Die Auspuffklappen offen. Die Seitenscheiben auch. Die Musikanlage auf Vollgas, das Auto voll besetzt, die Jungs mit amerikanischem Schirmkäppchen, die Mädels aufgetakelt als Dancing Queen. Über die meist jugendlichen Insassen wollen wir uns nicht auslassen. Aber eine äußerst amüsante Beobachtung lässt sich bei modernen Cabriolets machen. Diese haben, wie alle Autos, äußerst hohe Karosserieflanken. Weil die Herrschaften darin, ihrer Herkunft entsprechend, nicht zu den Großgewachsenen zählen, sieht man im Profil über der Flankenlinie manchmal nur halbe Köpfe, die nach oben gereckt sind, um überhaupt aus dem Auto schauen zu können. Und man kann sich vorstellen, wie unbequem es für diese kleinen Leute sein muss, den Ellbogen auf die Türoberkante zu legen. Wer dies zu häufig macht, handelt sich auf Dauer ein orthopädisches Problem ein („Poser-Arm statt Tennis-Arm“).
AMG-Mercedesse sind in gewissen Kreisen das Desiderata. Hier identifiziert sich ein Milieu nach wie vor über sein Auto. AMG-Mercedesse sind auch – in Zeiten der Fußball-WM – häufig in Auto-Corsos, ebenfalls rund um den Altstadtring, zu sehen. Bei dieser WM nicht gar so häufig, denn jene Nation, deren Diaspora-Habitat in Deutschland liegt, hat die Vorrunde auf dem letzten Platz beendet und schied nach zwei Spieltagen aus. Aber andere waren länger im Rennen, siegen, jubeln und posen in ihren Autos. Und so mancher, der gar nichts zu feiern hat, reiht sich auch in den Corso ein. Denn der Auto-Corso ist Selbstzweck. Mit Fußball-Ergebnissen hat er nur noch am Rande zu tun. Sie sind also momentan besonders unter uns, die AMG-Mercedesse mit Kennzeichen aus der Provinz.
AMG-Mercedesse von NZG haben keine Kennzeichen aus der Provinz. Sie tragen Nürnberger Kennzeichen (stets „N-ZG xxx“), und wer öfters in Süddeutschland unterwegs ist und beispielsweise auf der A6 in Richtung Nürnberg fährt, weiß von den Autobahn-Hinweisschildern, dass die „Metropolregion Nürnberg“ nach eigenen Angaben schon rund 100 Kilometer vor der Stadt Nürnberg selbst beginnt. Die „Metropolregion Nürnberg“ ist nämlich ein freiwilliger Zusammenschluss von 23 Landkreisen und 11 kreisfreien Städten in Nordbayern und sogar in Teilen Thüringens. Immerhin eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands! Darauf kann die „Metropolregion Nürnberg“ stolz sein! Und deshalb dürfen auch alle NZG-AMG-Fachhandelsmodelle gerne ein Nürnberger Kennzeichen tragen.
Einen CLE hat Norev miniaturisiert (Caramini-online vom 5. November 2024). Aber nicht die AMG-Version. Auch wenn es aus Effizienzgründen wohl einfacher wäre, Norev hätte auch den AMG CLE 53 geschaffen, so durften die Aachener nicht ran. Denn die Auftraggeber sind unterschiedlich. Mercedes gab das Coupé (und das folgende Cabriolet) bei Norev in Auftrag. Aber die AMG-Filiale hat einen Exklusivvertrag mit NZG. Darum kommt nun NZG zum Zuge. Dennoch haben beide Modelle (bzw. alle drei, das Cabriolet miteingerechnet) das gleiche Grundsatz-Layout; Sie sind all open ausgeführt, können lenken und federn (die NZG-Interpretation hat überdies längsverschiebbare Sitze). Sie passen also gut nebeneinander. Und dorthin gehören sie in der Vitrine auch: nebeneinander, und zwar in Eintracht, nicht in Rivalität.
Die AMG-Version folgte mit zweimonatiger Verzögerung im Januar 2024, Dreiliter-Sechszylinder-Reihenmotor mit doppelter Aufladung, 449 Verbrenner- plus 23 Elektro-PS, Allradantrieb, AMG-Speedshift-Neungangschaltung, 4,3 Sekunden nullhundert, abgeregelte 250 km/h schnell. Diese Topspeed schaffen der CLE 300 und CLE 400 zwar auch (eben, weil die Höchstgeschwindigkeit abgeregelt ist), aber die Beschleunigungswerte des AMG sind doch einen Wimpernschlag besser, und es ist eben optisch und technisch und vor allem emotional ein AMG. Und überhaupt: Wer in das AMG Driver’s Package investiert, darf sich über 270 km/h Spitze freuen.
Das NZG-Coupé kommt schon beeindruckend daher. Die dynamische Silhouette teilt es mit dem normalen CLE, AMG-spezifisch sind Front und Heck und natürlich die breiteren Radläufe. Sie schaffen Platz für die 20-Zoll-AMG-Räder im Y-Speichen-Design. Innen ist unser Alpingraues Muster schwarz mit roten Elementen an den Sitzflächen („Powerrot“) – Vom hinteren Teil des Interieurs ist nichts zu sehen, denn die hinteren Seitenscheiben und das Heckfenster sind schwarz getönt. Das ist eine Mode im Moment, eigentlich eine Unsitte, und die Unsitte ist sogar serienmäßig. Wer sie nicht will, kreuzt die kostenlose Option „Entfall wärmedämmend dunkel getöntes Glas“ an. Die Zierelemente im Innenraum sind in Carbonstruktur nachgebildet. Die „Exterieur-Elemente“ (Marketing-Fachterminus für den vorderen und hinteren Karosserieabschluss und die Außenspiegelgehäuse) sind glanzschwarz, also trägt das NZG-Modell das „Night-Paket Exterieur“, und on top ein Panorama-Schiebedach.
NZG hat ein rundum professionell konstruiertes Modell nach den werksseitig bereitgestellten CAD-Daten geschaffen, das den „Spirit“ eines AMG-Mercedes vollumfänglich einfängt und das die von Norev begonnene Modellreihe wunderbar ergänzt. Neben unserem Alpingrauen Muster bietet NZG den CLE 53 auch in Spectralblau Metallic und Obsidianschwarz Metallic an.
afs




Modellfotos: bat



Steckbrief:
NZG 110800059 Mercedes-AMG CLE 53 C236 Coupé 2026 hellgrau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 150 Euro.