1/18

News 1:18 AUTOart Dodge Charger SRT Hellcat Redeye Jailbreak Widebody und Scat Pack Widebody

Who’s charging whom?

Völle Dröhnung und automobiler Weltuntergang – ein Charger ist nichts für Naschkatzen. Sie muss mindestens eine Höllenkatze sein. Kaum ist der Charger, dieser legendäre, der 18 Jahre lang gebaut wurde, bei Stellantis eingeschläfert worden, bringt ihn AUTOart als Neuheit. Da könnte man fast von einer Hommage sprechen.

“to charge” gehört zu jenen Englischvokabeln, die der Schüler nicht mag. Denn je nach Kontext hat das Wort ganz unterschiedliche Bedeutungen. Man kann einen Akku chargen, also Energie aufladen, man kann Gebühren oder Geldschulden chargen, also einfordern, man kann jemanden chargen, also ihn juristisch beschuldigen, und im militärischen Sinne kann man eine feindliche Stellung chargen, also stürmen. Welchen Sinn des Wortes meinte Chrysler, als der Konzern 1966 erstmals die Bezeichnung „Charger“ verwendete? Die Antwort dürfte klar sein. Es ging um nichts als Attackeeee!

Dabei war der erste Charger noch recht brav, erst die zweite Generation wurde zum ikonischen Muscle Car. Danach wurde der Dodge Charger zum luxuriösen Fortbewegungsmittel arrivierter Bürger. Es folgte eine dreijährige Charger-Pause, dann kam das Namenscomeback in Form einer Sportversion des Dodge Omni (der ein Chrysler/Simca Horizon in Verkleidung war), also ein sportlich angehauchter Kompaktwagen. Danach hatte es sich erst mal ausgechargert, bis 2005. Da chargerte er erneut, mit Vehemenz, und das Chargern hielt 18 Jahre lang an, bis 2023. Im August 2024 erschien der aktuelle Charger mit Namenszusatz Daytona, ein Elektromobil. AUTOart wäre nicht AUTOart, wenn der aktuelle Charger käme. Nein, AUTOart entschied sich zu Lebzeiten des verflossenen Charger, diesen zu miniaturisieren, die zweite Generation LD ab 2011, darin die Faceliftversion ab 2015. Als ob AUTOart mit seinen legendären Konstruktionsvorläufen aktuell sein könnte…!

Das Modell erscheint in zwei Versionen, als SRT Hellcat Redeye Jailbreak und als R/T Scat Pack Widebody, insgesamt neun Farbversionen, aufgeteilt auf zwei Ausstattungsvarianten: Der SRT Hellcat Redeye Jailbreak kommt in Knuckle White, Pitch Black, Sinamon Stick (Rotmetallic), B5 Blue (Hellblaumetallic) und F8 Green (Förstergrünmetallic, unser Muster). Den R/T Scat Pack Widebody bietet AUTOart in TorRed (Tomatenrot), Sublime (helles Gelbgrün), Destroyer Grey (Panzergrau) und Plum Crazy (Violettmetallic, unser zweites Muster) an. Alle Modelle außer dem schwarzen Hellcat sind bereits ausgeliefert, dieser erscheint im Juli.

Der Unterschied zwischen beiden im technischen Sinne beschränkt sich auf den V8-HEMI-Motor. Der Scat Pack verfügt über 6424 cm³ Hubraum, kommt auf saugende 492 PS, rennt 282 km/h und stürmt in 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Besser kann es der Hellcat Redeye aus 6166 cm³ mit 808 Kompressor-PS, nullhundert in 3,6 Sekunden, Topspeed 327 km/h. Und, ja, wir sprechen von einer viertürigen Full-Size-Limousine, nicht von einem Sportwagen. Und eben das unterscheidet die parallel gebauten Typen Charger und Challenger voneinander ganz wesentlich.

Der Charger basiert, wie der Challenger und der Chrysler 300, auf der DaimlerChrysler LX-Plattform und teilt diese mit dem Mercedes W210 (der ersten E-Klasse mit dem Vieraugengesicht, 1995 bis 2002). 2011 erschien die zweite Generation namens LD. So nennen es die Amerikaner, in good old Europe würde man von einem großen Restyling sprechen, die Plattform blieb dieselbe, die Karosseriebleche differieren. Der angedeutete Hüftschwung des 2005er Modells verschwand, dafür finden sich Blechsicken (Design: Jeff Gale, Interieur Ryan Nagode). Eine flacher stehende Windschutzscheibe sorgt für bessere Aerodynamik, das Interieur wurde komplett neu gestaltet.

Ein Charger ist, egal in welcher Version, politisch unkorrekt, nahezu nicht sozialverträglich, ein automobiler Egomane für egomanische Piloten, ein Auto für Raucher (filterlos), Steakesser (T-Bone), Coca-Cola-Trinker (gewiss nicht Zero), Cowboys im Herzen, für die Bad Boys dieser Welt – und genau diese schmücken sich auch damit, ganz dem Klischee entsprechend. Wer im Krimi einen Charger fährt, ist ebenso von vorneherein der Bösewicht wie derjenige, der auf der Mattscheibe raucht. Da braucht es keinen „Whodunit?“ mehr. Typisch amerikanisch? Jein. Konstruiert in Detroit, klar, aber gebaut in Kanada, die Motoren kommen aus Mexiko. Das Auto ist ein Dinosaurier, erschütternd, martialisch, brüllend laut, hat seine Aggressionen nicht unter Kontrolle. Volle Dröhnung, Heavy Metal, bigger is better, lautet seine Devise, und was für den Amerikaner normal klingen mag, ist für den Europäer eher absurd. Wer einen Charger fährt, kommt mit seinem Nachbarn (mindestens) ins Gespräch und wird, je nach Haltung des Nachbarn, sogar als cool eingestuft. Es ist doch schon mal verdammt cool, wenn Motoren Namen haben, über Hemi hinaus, Namen wie Demon, Hellephant oder Hellcat.

Ein Modellauto, zwei Versionen

AUTOart macht also zwei Versionen, den saugenden Scat Pack und den kompressorbewehrten Hellcat Redeye Jailbreak, was beileibe nicht zwei unterschiedliche Modellautos bedeutet, sondern eben zwei Varianten. Die formenbauerischen Unterschiede liegen in den Anbauteilen, unterschiedliche Felgen (mit farblich unterschiedlichen Brembo-Zangen), differente Motorhaube, zwar jeweils mit Powerdome und Lufthutze, aber bei der Höllenkatze mit zusätzlichen Lufteinlässen rechts und links des Powerdomes. Dieser dem Redeye eigene Deckel wird „Dual Snorkel Bonnet“ genannt. Zudem tragen beide Modelle anders geformte Heckspoiler, beim einen mattschwarz, beim anderen in Wagenfarbe lackiert. Alle weiteren Unterschiede sind dekorativer Natur, also typspezifische Embleme und Logos, die AUTOart bravourös nachbildet, so das rot unterlegte „392 Hemi“ beim Scat Pack und die wütende Katze beim Hellcat. Der Scat Pack trägt seine Dachhaut in Wagenfarbe, der Hellcat in glänzendem Schwarz. Innen: So richtig viel zu sehen ist beim violetten Scat Pack nicht, weil der Innenraum schwarz ist. Mehr Farbe bei der Höllenkatze, da sind die Möbel und Teile der Türinnenverkleidung in rötlich-braunem Leder gehalten. Wir können im Interieur keine strukturellen Unterschiede erkennen, sehr wohl aber hübsche, weiße Gurte im Hellcat, die beim Scat Black schwarz und somit unauffällig sind. Die Machart könnten wir rituell loben, aber Rituale nutzen sich mit der Zeit eben ab… Generell der Tipp, ein Modellauto nicht nur nach der Außenfarbe auszuwählen, sondern die Interieurfarbe durchaus mit in den Entscheidungsprozess einfließen lassen. Wer dunkles Violettmetallic oberlässig findet, muss damit leben, ein unnuanciertes, schwarzes Interieur zu bekommen, in dem Details untergehen, in dem das Auge wenig angezogen wird. Ganz anders beim Wagen in Förstergrünmetallic, bei dem das Auge auf Entdeckungsreise gehen kann.

Das gilt allerdings nicht für den Kofferraum. Hier ist außer Teppichboden gar nichts zu sehen, die Scharniere sind zwar filigran, aber Chrysler formte sie konventionell, und AUTOart blieb nichts anderes übrig, als genau dies zu miniaturisieren. Da bietet das Öffnen der vorderen Haube schon mehr Überraschungen, nämlich zwei völlig unterschiedliche Motoren, an denen nicht mal die Anbauteile identisch sind. Ist ja auch kein Wunder, im Original ist das ebenso, und der eine saugt, beim anderen ist ein Kompressor zugange. Das bildet AUTOart minutiös nach, und Farbe kommt auch ins Spiel. Der Keilriemen am grünen Auto ist grün, der Deckel für das Scheibenwaschreservoir gelb (mit Piktogramm darauf!). Sehr schön (und bereits am jüngst präsentierten Ford F-150 Raptor entdeckt) ist, dass AUTOart die Flüssigkeitsbehälter nicht einfach mattweiß lackiert, sondern neuerdings aus einem milchig-trüb-transparentem Kunststoff fertigt. Das geht eben, weil bei AUTOart derartige Einzelteile separat gefertigt und eingesetzt werden. Die Motorhaube hat zusätzlich zum den konventionellen Scharnieren zwei Haubenlifter. Sehen gut aus und tun, was sie sollen: Sie liften die Haube und halten sie auf. Mit letzterem haben AUTOart-Modelle aufgrund ihres Materiales keine systemimmanenten Probleme. Beide Fahrzeuge tragen das Wide-Body-Paket, was serienmäßig ist, aber nur bei einem Modell von AUTOart thematisiert wird. Gleichgültig, es sind zwei Widebodies, welche den Charger im Original 8,9 cm breiter machen und Platz gewähren für die mächtigen 20-Zoll-Felgen mit 305er-Bereifung. Die trägt natürlich eine Flankenbeschriftung („Pirelli Zero“), die Felgen weisen Ventile auf, nicht angegossen, sondern separat eingedreht, die Bremskaliber mit „Brembo“-Schriftzug sind rot beim Scat Pack und  in einem schwer zu benennenden Hellbraun- oder Pastellorangeton beim Hellcat. Die aus Metall gefertigten Bremsscheiben glänzen nicht nur schön, sondern sehen aus wie gedreht.

Mit dem Charger gab sich AUTOart sichtlich Mühe und offenbar hatte der Produktentwickler Spaß daran, gerade dieses Auto zu schaffen. Die Unterschiede sind nicht groß und doch signifikant, gut herausgearbeitet und verleihen beiden einen unterschiedlichen Charakter. Es ist erstaunlich, dass diesem ewig lange gebauten Fahrzeug, das vor allem in den USA einen enormen Stellenwert genießt, relativ wenige Achtzehner gewidmet wurden. Natürlich Resinemodelle von GT Spirit, aber die weiteren aktuellen Charger von Welly und Jada sind nichts für anspruchsvolle Sammler und zudem stellen sie das 2005er Modell dar, nicht den Charger LD ab 2011. Davon haben wir nun endlich ein High-Class-all-open-Modell bekommen, drei Jahre nach seinem Produktionsstopp. War ja aber irgendwie logisch, nach der jüngsten Challenger-Offensive von AUTOart (Caramini-online vom 21.Mai 2026).

afs

Eine Muscle-Limo, die aus jedem Akt ein Drama macht und Eskapaden liebt. Die Soko Auto-Poser in der bundesdeutschen Provinz jedenfalls reagiert auf jeden Charger-Auftritt mit Blaulichteinsatz. Man könnte auch einen Porsche Panamera Turbo S fahren. Aber will man das?
Modellfotos: Hans-Joachim Gilbert
Brutaler V8 mit Monsterklang, erbarmungslos – vor allem, wenn die Auspuffklappen offen sind. Das ist dann V8-Beat als bestes Nachbarschafts-Entertainment. Völlig unterschiedliche Motoren in beiden Modellen.
Der Hellcat Redeye trägt das optionale Jailbreak-Paket. Es ermöglichte den Kunden, Farben und Ausstattungsdetails beliebig zu kombinieren, es gab keinerlei Ausstattungsbeschränkungen. Also Charger nach Wunsch. Nur zwischen 2014 und 2018 wurde der Charger offiziell nach Europa importiert, 562 Fahrzeuge insgesamt. Doch die große Mehrzahl kam über freie Importeure.
Wie breit 305er-Reifen unter dem Widebody-Paket sind, sieht man am besten von unten. Alle Charger nach 2015 haben eine Chrysler-Achtstufen-Automatik und Allradantrieb. Dazu massive Motorabdeckung mit Unterfahrschutz („Engine Splash Shield“), darüber, halb verborgen, der gusseiserne V8 mit riesiger Ölwanne. Die Auspuffanlage mit sehr dicken Rohren, vorne Doppelquerlenker, hinten Mehrlenkerachse. Gut sichtbar die gelblichen Brembo-Bremssättel.
Steht ganz brav da, in Scottsdale/Arizona, ist aber sehr, sehr böse: 2022er Dodge Charger SRT Hellcat Redeye Jailbreak, genau das AUTOart-Modell.
Foto: HJUdall

Steckbrief:

AUTOart 71752 Dodge Charger SRT Hellcat Redeye Jailbreak 2022 F8green und 71757 Dodge Charger Scat Pack Widebody 2022 Plum Crazy. Fertigmodelle Kunststoff, Maßstab 1:18. UVP je 295,95 Euro.