1/18

News 1:18 NZG Mercedes-AMG GLE 53 Coupé C167 2023

Eklektizismus

Unten ein SUV, in dem man erhöht und gut geschützt sitzt. Oben ein coupéhafter Pavillon, aus dem man entweder wohlwollend oder herrisch herausblickt. Das definiert ein SUV-Coupé wie den Mercedes-AMG GLE 53 C167. Eine Mixtur aus unten Masse und oben Eleganz, von NZG ganz dem Vorbild entsprechend 18 Mal herabgezirkelt.

In der Kunstgeschichte existiert der Begriff des Eklektizismus. Er besagt, grob ausgedrückt, dass das Beste mehrerer Stilrichtungen miteinander verbunden und vermischt wird. Und er beinhaltet folgerichtig auch die Tatsache, dass zwei gute Dinge, wenn sie miteinander vermischt werden, etwas noch Besseres hervorbringen können, aber nicht müssen. Im Autodesign ist es nicht viel anders, denn Autodesign ist ein Filialbetrieb der darstellenden Kunst. Ein Geländewagen ist nicht nur anders definiert als ein sportliches Coupé, er sieht auch anders aus (und obendrein ist er anders konstruiert). Die SUV-Coupés versuchen auf eklektizistische Weise, beide Genres miteinander zu vermischen („Crossover“ wird das gerne genannt). Sie schaffen das, es ist nicht schwierig. Man zeichne ein coupéhaftes Dach auf den Karosseriekörper eines SUV, jeder Achtjährige kann das. Ob das Ergebnis dann harmoniert, in Form und Funktion, sei dahingestellt.

SUV-Coupés waren eine große Mode, die am Abklingen ist, und sie waren eine internationale Mode, auf der die deutschen Premiumhersteller kräftig mitgeschwommen sind. Einige SUV-Coupé-Elaborate sind bereits nachfolgerlos verendet. Grund dafür ist auch die nicht-mehr-Zugänglichkeit des russischen Absatzmarktes. Dort, vor allem in dortigen Metropolen, waren SUV-Coupés sehr en vogue. Der Pionier war der BMW X6 ab Ende 2007, und er begründete den eigenen Begriff SAC (Sports Activity Coupé), der sich aber nicht durchsetzte. In den 2010er Jahren boomte das Segment, Mercedes, Porsche, BMW und Audi sind nach wie vor aktiv. Daimler-Benz hat allerdings angekündigt, das kleinere GLC- und das große GLE-Coupé mittelfristig auslaufen zu lassen, um das Modellportfolio auszudünnen. Zunächst aber gab es im Mai 2026 ein Update für das Topmodell, den Mercedes-AMG GLE 63 S 4Matic, überarbeiteter V8-Biturbo mit 612 PS dank Flatplane-Kurbelwelle. Sie reduziert die rotierenden Massen und lässt den Motor leichter hochdrehen. Optik für ihn und den kleineren AMG GLE 53: neue Frontpartie mit größeren Lufteinlässen und andere Lichtsignatur.

NZG macht das Mercedes-AMG GLE 53 Coupé, das es auch als nicht-Coupé gibt, somit als konventionelles SUV. Das ist der GLE V167, und das Coupé, letztlich das gleiche Auto mit anderer Dachlinie, ist der GLE C167, beide gibt es seit 2019 und beide sind gebürtige Amerikaner (produziert im Mercedes-Werk Tuscaloosa). Von Anfang an gab es zwei AMG-Versionen, den GLE 63 mit 4-Liter-V8-Motor mit anfänglich 571 und später 612 PS plus 22 Elektropferden obendrauf sowie den GLE 53 mit 3-Liter-Reihensechszylinder mit 435 und seit Mai 2026 sogar 449 PS, ebenfalls mit 22 zusätzlichen Batterie-PS. NZG macht die Version seit dem Facelift im Juli 2023 und vor der zweiten Modellpflege im März 2026. Die Unterschiede sind aber dermaßen marginal, dass sie, auf Modellautobasis, vernachlässigt werden können.

Das Modellgewicht korrespondiert mit dem des Originals

Das Modell hat eine ungeheure Vitrinenpräsenz. Ein riesiger Karosseriekörper, sehr hoch, und darauf ein niedriger Dachpavillon. Ob das ästhetisch schön ist oder gar zusammenpasst oder nicht, mag jeder für sich entscheiden. Dem Modell ist sein Zweck anzusehen: Die hohe Sitzposition des SUVs, gepaart mit einer vermeintlich eleganten, coupéhaften Dachform (Designer Robert Lešnik), sehr ausladende Radhäuser, Panamericana-Grill, äußerst massig. Das Modell kommt daher wie das Original, und das ist es, was zählt: NZG hat den Charakter hervorragend eingefangen und nach unten gezirkelt. Die 1,3 Kilo der Miniatur korrespondieren mit dem Gewicht des Originals, ein 2,8-Tonner. Auch das opulent edle Interieur, das eher Amerikaner als Europäer anspricht, ist bestens wiedergegeben. Es ist zweifarbig schwarz-weiß, wobei es einen Touch edler wirken könnte, wenn nicht nur das Weiß eine lackierte Farbe wäre, sondern auch das Schwarz. Armaturendisplay und der direkt anschließende Screen sind hinter Glas und spiegeln schön, das Druckniveau ist hoch und vielfältig angewandt. Die Vordersitze sind längs verschiebbar, was mittlerweile fast schon ein Standard-Feature bei NZG-Modellen ist, die Rücksitzbank hingegen ist es nicht, aber beim großen Vorbild kann sie dies auch nur gegen Aufpreis.

Aufpreispflichtige Extras gibt es bei Modellautos nicht, die Freude des Sammlers am Konfigurieren muss sich auf die Auswahl der Außenfarbe beschränken. Da bietet NZG Mystikblau Metallic, Obsidianschwarz und Ireland Green Metallic, unser Muster. Das haben wir deshalb ausgewählt, um vom Schwarz-Weiß-Silber-Einerlei abzuweichen. Das trifft natürlich auch auf Mystikblau zu. Aber Ireland Green Metallic ist nun einmal die Präsentations- und Launch-Farbe des AMG 53 Coupé, so testeten ihn die Medien, so vermarktet ihn sein Hersteller, und so wollen ihn wohl die meisten Sammler in die Vitrine stellen. Denn so kennt man ihn. NZG spendierte ihm als Extra das Night-Paket und zeichnet die dunkel getönten hinteren Scheiben nach (die wahlweise entfallen können, aber eben nur beim Vorbild). Ebenfalls optional sind die 22-Zoll-Schmiederäder im Kreuzspeichendesign, glanzschwarz lackiert, das Felgenhorn silbern, dahinter rote Bremszangen und gut nachgebildete -scheiben. Was uns an NZG-Modellen gut gefällt, ist die „unabhängige Radaufhängung“. Damit meinen wir, dass die Modelle hinten keine starre Achse haben und die Räder ausschließlich synchron drehen, sondern jedes für sich. Vorne ist das selbstverständlich und gar nicht anders lösbar, wenn die Vorderräder lenkbar sind. Und das sind sie ja! Der einzige Chrom am Modell ist der Mercedes-Stern im Grill, die Heckschriftzüge sind silberne Drucke. Die Mercedes-Sterne in den Digitalscheinwerfern sind natürlich nicht zu sehen, denn sie gehören (neben der beleuchteten Kühlergrillumrandung) zu den wenigen Optikunterschieden des 2026er Facelifts, das NZG natürlich nicht nachbildet. Das Panorama-Schiebedach ist serienmäßig.

Wäre des Modell in Obsidianschwarz lackiert, so wäre es nur ein Brocken. Ireland Green Metallic steht diesem Brocken ausgezeichnet und entbrockt ihn ein wenig. In dieser außergewöhnlichen Farbe können wir nicht umhin, dem Fahrzeug einen gewissen Schick zuzubilligen. Und dem Modell steht Ireland Green so gut wie dem Vorbild.

afs

Das ist dann mal ein Statement und ein Auftritt: AMG GLE 53 Coupé in Ireland Green Metallic. Das Original hat (natürlich!) eine serienmäßige Auspuff-Klappensteuerung. Ein Statement soll man ja nicht nur sehen, sondern auch hören.
Modellfotos: bat
Viel Luxus, edle Atmosphäre: schwarzes Nappa-Leder, kombiniert mit Macchiatobeige. Die Sicherheitsgurte sind ebenfalls schwarz. Sie sind schön gemacht. Aber, schade, man sieht sie nicht, weil schwarz auf schwarz.

Steckbrief:

NZG 111500032 Mercedes-AMG GLE 53 Coupé C167 2023 grünmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 150 Euro.