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News 1:18 Norev Mercedes 560 SEL W126 1985

Endzeitphantasterien

Allzu häufig dürfte er nicht mehr als Variation seiner selbst erscheinen: der Norev Mercedes W126 hat bereits ein langes und erfolgreiches Leben hinter sich, und irgendwann ist jedes Formwerkzeug am Ende. Er kommt nun in einer spannenden Farbkombination: außen diskretes Uni-Schwarz, aber innen völlig rot.

Er dürfte einer der Bestseller der Aachener Norev-Filiale sein: der Mercedes W126. Schon in der zweiten Print-Ausgabe der Caramini, im Herbst 2015, war er bei uns zu Gast. Das damalige Bornitmetallic war bereits die vierte Fachhandelsfarbe, und Industriemodelle hatte es ebenfalls schon gegeben. Er ist also ein „alter Hund“, der W126, und gehört zum Norev-Inventar. Regelmäßig kommen neue Farbvarianten, sowohl in den Fachhandel als auch für den Mercedes-Accessoire-Shop, und wir fragen uns, wie lange die Fertigungswerkzeuge angesichts ihres ruhelosen Daseins noch durchhalten. Auch gehärtete Stahlwerkzeugformen unterliegen einem Verschleiß. Man kann sie prinzipiell reparieren, aber irgendwann kann man sie nicht mehr reparieren. Noch funktionieren sie (visuell) einwandfrei, an ihrem jüngsten „Output“ ist nichts zu beanstanden. Dieser ist ein schwarzer Mercedes 560 SEL mit roter Innenausstattung.

Er ist nicht obsidiniert, trägt kein Metallic. Es ist die älteste Mercedes-Farbe, die sich seit 1953 unverändert hält und noch heute auf der Farbpalette befindet, Schwarz 040, ein Unilack. Die Innenraumfarbe Rot erfuhr zu Zeiten des gemopften W126, also des Norev-Vorbildes, gerade eine Veränderung. Bis Herbst 1984 war es Hennarot 257, danach Mittelrot 277. Wir können uns beim besten Willen nicht festlegen, ob der 560 SEL innen nun henna- oder mittelrot ist, auf dem Computerbildschirm sehen wir auf Vorbildfotos keinen Unterschied. Letztlich ist das aber auch eine akademische Frage. Viel interessanter ist, wie das aussieht. Spitzenmäßig sieht es aus, subjektiv der schönste jemals produzierte Norev-W126. Zu schwarzem Außenlack passt einfach ein rotes Interieur, in den 50er und 60er Jahren war das eine sehr übliche Kombination. In den 70ern trug niemand mehr Schwarz am Auto, und danach wurde schwarzer Karosserielack kaum mehr mit Rot kombiniert, sondern mit gedeckten Farben oder, wenn der Käufer exaltiert genug war, mit knalligem, hellem Gemöbel. Vom Norev-W126 in dieser Konfiguration dürften in 1:echt nicht allzu viele vom Band gelaufen sein.

Er ist innen wirklich komplett rot, röter geht nicht. Schwarz sind lediglich die Armaturenbrettoberseite, das Lenkrad und die Sicherheitsgurte vorne und hinten. Alles andere ist rot, der Dachhimmel ebenfalls, auch der Fußboden ist rot beflockt. Da geht das von Norev schön und wollüstig umgesetzte W126-Holz fast schon unter, denn beider Farbhelligkeit ist dieselbe. Und das Rot endet nicht im Fahrgastraum. Es setzt sich im Kofferraum fort, auch dieser beflockt. Weil es beim W126 Sitte ist, dass die Auskleidung der Kofferraumdeckelinnenseite im selben Ton gehalten ist wie die Ausschlagware, ist auch der Deckel innen rot. Zur Beruhigung derer, die jetzt schon das Schlimmste befürchten: Nein, die Motorhaubeninnenseite ist nicht rot, sondern schwarz. Aber deren Farbgebung ist ohnehin gleichgültig, denn trotz (oder wegen) all der Jahre, die der Norev-W126 bereits hinter sich hat, kann er seine Motorhaube immer noch nicht in einem vernünftigen Winkel öffnen. Es sind nicht mal 45 Grad Öffnungswinkel. Wäre dem im Original so, so würde sich jeder Mercedes-Mechaniker weigern, am Motor zu arbeiten. Beim Original war quasi das Gegenteil der Fall. Für normale Servicearbeiten wurde die W126-Motorhaube schräg aufgestellt (aber in üblichem und brauchbarem Winkel!), und sollte der Motor raus, so gab es sogar eine Stellung im 90-Grad-Winkel.

Den Wagen selbst kennen wir, und wer Mercedes-Limousinen-affin ist, hat mindestens einen Norev-W126 in seiner Vitrine. Als er auf den Markt kam, war er „the Cream of the Crop“, und noch heute kann er gut bestehen. Natürlich sähe er ein wenig anders aus, wäre er eine heutige Norev-Neuentwicklung: Der Motor wäre weniger zweidimensional ausgeprägt, die Haubenscharniere wären feiner, womöglich keine Doglegs mehr, sicherlich Haubendämpfer (und ein größerer Öffnungswinkel vorne), vielleicht würden die Türen von Magneten unterstützt, die Gullydeckelfelgen hätten Ventile (oder auch nicht…), das Lenkrad wäre an die Bewegung der einschlagenden Vorderräder gekoppelt – lauter Technikkram. Allenfalls die aktuelle Machart des Mercedes-Sterns würde die optische Anmutung verändern. Er wäre bestimmt ein zweidimensionales Fotoätzteil und kein wohl geformtes, dreidimensionales, verchromtes Plastikgebilde mehr. Von außen, also rein visuell, wäre somit wohl nicht viel anders, da ist der W126 nach wie vor auf der Höhe der Zeit, macht einen sehr guten Eindruck. Und jetzt in Schwarz mit rotem Interieur – so schön war er noch nie!

afs

Auf den ersten Blick staatstragend, weil schwarz. Auf den zweiten aber höchst individuell, weil kaum jemand das Schwarz mit einer roten Innenausstattung kombinierte. Wer diese Farbverbindung liebt, gerät ins Schwärmen. Und wer sie nicht mag, hat seinen Norev-W126 längst in anderer Farbe in der Vitrine stehen.
Modellfotos: bat
Wahrhaft diabolische Farbkombination: außen Schwarz und innen Rot, und „innen Rot“ gilt auch für den Kofferraum.

Steckbrief:

Norev 183788 Mercedes 560 SEL W126 1985 schwarz. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 95 Euro.