Schneider, Peter: Lanz Bulldog 1921-1960. Stuttgart (Motorbuch-Verlag) 2026. 128 Seiten. ISBN 978-3-613-04855-3. Preis 19,95 Euro.
Traktoren gehören wahrlich nicht zur Kernkompetenz von Caramini-online. Früher, zu Print-Zeiten, war das anders. Denn unser damaliger Chefredakteur war Traktor-Fan, -Kenner und Eigentümer eines alten Hanomag. Uns lässt die Landtechnik hingegen ziemlich kalt. Wir besprechen im 1:87-Bereich allenfalls diejenigen Traktoren, die in ein Portfolio gehören, das wir behandeln – zum Beispiel Wiking. Und genau das ist auch der Grund, warum wir uns Peter Schneiders Lanz-Buch genauer anschauen. Es gibt doch so einige Lanz-Modelltraktoren im Programm mancher Miniaturhersteller, die man als Sammler (antiquarischer) Miniaturautos nur deshalb kauft, weil sie von einer bestimmten Marke produziert wurden. Wer die Märklin-8000er-Serie sammelt, hat den Lanz Bulldog und den Fuchs Bagger, obgleich er sich nur für Autos und Lastwagen interessiert. Und das ist nur ein Beispiel von mehreren. Deshalb Schneiders Lanz in Caramini-online. Und dann ist da natürlich noch die Faszination, die auch auf jemanden ohne jegliche Hingabe zu landwirtschaftlichem Gedöns überschwappt, wenn er einmal hört, wie ein Bulldog angelassen wird und wie der Glühkopfmotor klingt. Schließlich existiert noch das legendäre Wort des Glühkopfmotor-Konstrukteurs Fritz Huber, wonach „ein Motor für die Landwirtschaft gar nicht einzylindrig genug sein kann“. Wer den Bulldog hört, stimmt zu. Und will keinen Ferrari beim Beschleunigen mehr hören.
Es gab früher die Buchreihe „Typenkompass“ im Motorbuch-Verlag, kleine Paperbacks zum kleinen Preis, die frühen Exemplare sind schon auseinander gefallen, wenn man sie scharf angeschaut hat, später wurde die Klebebindung besser und haltbarer. Diese Reihe ist still gestorben, aber inhaltlich existiert sie weiter. Heute sind das gebundene 20-Euro-Bücher, wirken wesentlich wertiger, sind aber nicht wesentlich teurer als damals. „Typenkompass“ heißen sie nicht mehr. Aber das ist egal. Peter Schneiders Lanz-Büchlein ist im Sinne und im Geiste eines solchen Typenkompass’ geschrieben. Das Vorwort ist kein solches, sondern umfasst die Geschichte der Firma Lanz, und danach folgen, sinnvoll unterteilt, alle Lanz-Typen in Kurzfassung, ohne Klim und Bim und ohne Brimborium, aber nett geschrieben, aufs Wesentliche reduziert, keine Herausforderung für den Leser, sondern eine fundierte Übersicht ohne zu großen technischen Tiefgang.
Schneider unterscheidet fünf Epochen/Grundtypen und beginnt chronologisch mit der HL-Reihe bis 1927, dann die HN/HE-Typen bis 1955, parallel die Typenreihe 1930 bis 1952. Dann ist Schluss mit dem legendären Glühkopf-Bulldog. Es folgen der Alldog 1952 bis 1960 sowie die Halb- und Volldiesel 1952 bis 1960. Und dann ist Schluss mit Lanz. Schön ist, dass Schneider sich nicht auf restaurierte Fahrzeuge konzentriert, was seine Illustrationen betrifft, sondern sich zu Schwarzweiß traut. Heutige, restaurierte Traktoren in ihrer Pracht und in ihrem Glanz mögen „Eyecatcher“ sein, aber historische Authentizität haben sie kaum. Da sind dem historisch Interessierten doch originale, zeitgenössische Fotos tausendmal lieber, aufgelockert durch die ein oder andere bunte Werbung, garniert mit den technischen Daten jeden Typs. Das Ganze hört ein wenig abrupt auf. Ein paar warme Worte als Ausklang wären nett gewesen. Aber wenn der Verlag das Buch auf 128 Seiten beschränkt, muss sich der Autor von vorne herein zurückhalten. Merke: Jeder Autor möchte mehr schreiben als er darf. Der Verlag hält ihn zurück. Der Autor weiß stets mehr, als er schreiben darf. Jede zusätzliche Seite, jedes zusätzliche Foto kostet den Verlag Geld, das er lieber nicht ausgeben möchte.
Und was ist nun mit dem Märklin-Lanz, wegen dessen wir das Buch überhaupt besorgt haben? Wir haben ihn als Typ HR5 von 1935 identifiziert, wobei es beim Modell gravierende formale Unterschiede gibt: starrer oder beweglicher Auspuff, mit oder ohne „Lanz“-Schriftzug vorne, mit oder ohne Loch für die Befestigung eines Fahrers…. Aber wir sammeln ja keine Traktoren. Wir sammeln aber durchaus Märklin-Modelle der 8000er-Serie. Und dazu gehört nun einmal der Lanz.
afs