1/18

News 1:18 KK-Scale Lamborghini Islero S 1969

Die zurückhaltende Schönheit

Islero war ein Kampfstier aus der Zucht der Ganaderia Miura. Passt also, der Name, zu einem Lambo. Ein diskreter Gran Tourismo mit diskreter Verbreitung (295 Exemplare), bislang in 1:18 sträflich vernachlässigt. Nun kommt er von KK-Scale, und die zurückhaltende Schönheit des Islero wird sehr gut eingefangen.

Er ist so unspektakulär schön, dass es schon wieder spektakulär ist. Der Islero ist ein direkter Zeitgenosse seines berühmteren Markengefährten Espada und könnte doch unterschiedlicher nicht sein. Während der Espada unbestritten eines der außergewöhnlichsten Automobile seiner Zeit war und auch heute noch sehr kühn wirkt, kommt der Islero in scheinbar bescheidener Zurückhaltung daher. Er entfaltet seine Persönlichkeit erst bei näherem Hinsehen und überrascht dann mit ein paar ungewöhnlichen Lösungen, die seinen Charakter signifikant prägen. Da er, anders als der bei Bertone von Marcello Gandini entworfene Espada, der stilistisch von der futuristischen Studie Marzal abgeleitet wurde, auf dem Chassis des Vorgänger-Modells 400 GT 2+2aufbaut, ist er ein sehr kompakter und leichter Grand Tourismo und doch von großer Klasse.

Sein Karosseriedesign erscheint klassisch und eher den 60er als den 70er Jahren verpflichtet, wirkt im Vergleich zur zeitgenössischen Konkurrenz von Ferrari aber doch moderner. Er orientiert sich besonders an der Front im Detail am damals aktuellen, zwei Jahre vorher erschienenen Maserati Ghibli von Giugiaro, einem der richtungsweisenden Designs jener Epoche. Damit verlässt auch er den bekannten Formenkanon der 60er Jahre. Entworfen und gebaut wurde der Islero bei der Carrozzeria Marazzi des Designers Federico Formenti, der wie der Firmengründer Mario Marazzi zuvor bei der 1966 Iin Konkurs gegangenen, traditionsreichen Carrozzeria Touring gearbeitet hatte und dort so ziemlich alles gezeichnet hatte, was diesem berühmten Unternehmen zugeschrieben wird. Die Liaison mit Lamborghini war jedoch vor allem wegen der Qualitätsprobleme nicht von langfristigem Erfolg gekrönt. Dennoch haben wir hier einen hübschen Vertreter der ausgehenden Sixties vor uns. Genauer Betrachtung wert sind zum Beispiel die oberhalb des Kühlergrills und der Heckleuchte platzierten Stoßstangen, welche die flache und lang gestreckte Silhouette des Coupés unterstreichen und das Erscheinungsbild auf originelle Weise strukturieren. Die Säulen des Dachaufbaus sind unglaublich filigran und tragen so zur phänomenalen Rundumsicht bei, die zur damaligen Zeit ja durchaus automobiler Standard war.

Der Modellautoliebhaber profitiert hiervon durch die gute Sicht auf die Elemente des Innenraumes. In einem Wettbewerb für die schönsten Leichtmetallfelgen ever dürften die Lamborghini-Räder ohne Zweifel ziemlich weit vorn landen. All dies verdichtet KK Scale zu einem wunderschönen Modellauto, dem der Betrachter auch gern unter die Karosserie schaut, weil auch das Chassis geschickt Detailvielfalt suggeriert und auffallend filigran daherkommt. Im Innenraum verhelfen matte Oberflächen und sorgfältig kolorierte Details dem Lambo zu einem sehr authentischen Auftritt. Allein die Lenkradnabe des Holz- und Aluminiumlenkrades beeindruckt mit nicht weniger als drei hauchdünnen Chromringen und zeigt sich auch sonst passend dimensioniert, eine Aufgabe, an der auch teurere Modelllabels gerne mal scheitern. Nachdem auch entformungstechnische Kompromisse im unteren Teil der Karosserie offensichtlich Schnee von gestern sind, braucht sich der Sammler zu guter Letzt nur noch über die fein dimensionierten Scheibenwischer zu freuen und ergänzt seine Sammlung historischer Lamborghini nun um ein lang erhofftes, wichtiges Modell. Feruccio Lamborghini war von diesem Auto offenbar ebenso angetan, denn er bevorzugte den Islero lange Zeit als Alltagsauto, allen Miuras und Espadas zum Trotze. Wer, wie der Autor, ein Faible für die italienischen Nobelfahrzeuge der 60er und 70er Jahre hat, kann nunmehr ein hübsches Lineup in der Vitrine versammeln. Ein Verdienst von KK-Scale ist, dazu hin und wieder durch lang ersehnte Raritäten beizutragen.

mh

Als die Sportwagenfahrer noch „Herrenfahrer“ waren und keine neureichen Fußballer oder Influencer, musste auch das Auto den Wohlstand weder optisch noch akustisch hinausschreien. Dass die Piloten ihre hoch motorisierten Gefährte fliegen lassen und harmlose Zeitgenossen damit erschrecken konnten, ist natürlich trotzdem unbestritten.
Modellfotos: bat
Der Designer Federico Formenti hat viele extravagante Modelle für seinen früheren Arbeitgeber Carrozzeria Touring und deren Eigentümer Carlo Felice Anderloni gezeichnet. Seine gestalterische Meisterschaft ist auch diesem zurückhaltenden Entwurf anzusehen. Exponat im Lamborghini-Museum.
Foto: Arnaud 25
Zeitliche Parallelität, aber stilistisch so unterschiedlich, wie es krasser kaum denkbar ist: Islero und Espada in trauter Zweisamkeit.
Foto: Dennis Boberg

Steckbrief:

KK-Scale 181582 Lamborghini Islero S 1969 rotmetallic. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. Ebenfalls erhältlich in Hellgrünmetallic, Hellblaumetallic und Silber, UVP je 79,95 €.