Der Säulenheilige
Es gibt viele Anwärter für einen prominenten Platz auf der ewigen Bestenliste der automobilen Meisterleistungen aller Zeiten. Sie sortieren sich nicht nach Leistung oder Exklusivität. Es ist eine kunterbunte Mischung aus Kleinwagen, Designerstücken und Renn- sowie Sportwagen. Einträchtig bilden sie die Glanzstücke der automobilen Historie. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Modellautohersteller unentwegt, diese in handlichem Format abzubilden. Hier ist mal wieder einer von ihnen: Ferrari F40 von KK-Scale in 1:12.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis KK-Scale die Reihe der Musthaves von Ferrari komplettieren würde. Nach dem alten GTO und dem SWB aus den frühen 60ern gibt es ja bereits den 1984er GTO und den 328er GTS in verschiedenen Ausführungen. Auch der Testarossa von 1984 ist schon erhältlich. Da darf der 1987erschienene F40 natürlich nicht fehlen und alles, was sich in Zukunft noch so vorstellen lässt, wird dann nicht mehr Pflicht, sondern Kür sein. Wir sind gespannt und lassen uns gerne überraschen. Da darf sich jeder seine persönliche Wunschliste erträumen. Der F40 ist sicherlich einer der am meisten beschriebenen Ferraris aller Zeiten und es gibt natürlich auch schon unzählige Modelle in allen denkbaren Maßstäben, auch im hier vorliegenden Zwölfer-Maßstab.
Modelle werden heute bekanntlich oft aus 3D-Daten heraus entwickelt, was dazu führt, dass die Unterschiede in der formalen Interpretation immer kleiner werden. Und dennoch gibt es sie immer noch, vor allem, wenn, wie in diesem Falle, keine 3D-Daten zur Verfügung standen und klassische Miniaturisierungsmethoden Anwendung fanden. Im direkten Vergleich kommt es dann zu teilweise erstaunlichen Abweichungen der Modelle unter- und nebeneinander und natürlich auch vom Original. Interessanterweise liegt das Originalitätsempfinden immer noch zu einem guten Teil im Auge des Betrachters, mathematische Korrektheit hin oder her. Da hilft dann im Idealfall der direkte Vergleich mit dem Originalfahrzeug, das draußen im Carport steht. Also nichts wie raus und hinschauen! Kleiner Scherz seitens des Autors – er hat gar keinen Carport, sein Alltags-F40 steht im Freien. Dass trotz der Abweichungen in sich stimmige Modellautos entstehen können, macht ja seit Jahrzehnten den Reiz unserer Sammlermodelle aus.
Der von Pininfarinas Langzeitdesigner Aldo Brovarone im Zenit seiner beruflichen Laufbahn aus dem eher improvisierten Vorläufer 288 GTO Evoluzione meisterhaft weiterentwickelte F40 lässt das Auge des Betrachters entspannt auf wenigen, aber sauber geführten Linien, Proportionen und Details ruhen und verkörpert doch höchste Effizienz und Leistung. Kein pseudosportliches Talmi lenkt von der fast schmerzlich präsenten Effizienz der Ausführung dieses Ferrari ab. Er ist wahrhaftig das letzte Meisterwerk, an dem Enzo Ferrari in persona mitzuwirken seinen Spaß gehabt haben dürfte: das Lebenswerk Ferraris zum Vermächtnis kondensiert. Dass dieses Auto anspruchsvoll zu fahren ist, wissen wir durch diverse kolportierte Unfälle, die nicht zuletzt auf die Überforderung der Fahrer zurückzuführen sind. Wir lernen: Money makes the world go around und manchmal eben auch im falschen Moment ein irre teures Auto. Deshalb beschränken wir klugen Modellautosammler uns auch auf kleinere, nicht mobile Formate und geben unsere Millionen für was anderes aus.
Der F40 von KK Scale präsentiert die inzwischen gewohnte, geschickt konzipierte Teilevielfalt für relativ schmales Geld und zeigt uns die wichtigsten Technikfeatures des Hochleistungssportwagens aus Maranello. Dass wir speziell im Innenraum keine originalgetreuen Oberflächen vor uns haben, bedauern wir ebenso, wie wir uns über das Vorhandensein der meisten Technikkomponenten freuen. Die Scheinwerfer poppen hoch und die hintere Hälfte der Karosserie entblößt großräumig den Motorraum. Ein Manko stellen die etwas zu weit innen stehenden und minimal zu klein wirkenden Rädern dar. Wie schwierig es manchmal ist, ein Modellauto praxisgerecht und langzeittauglich zu gestalten, mag der beigelegte Anwendungshinweis für das mit Vorsicht zu betreibende Aufklappen des Heckteiles sein, um die Lackierung des sichtbaren Haubenscharniers durch zu weites Aufklappen der Haube nicht zu beschädigen. Die vorhandene, separate Aufstellstange gibt hierbei Hilfestellung. Die Fertigungsqualität entspricht dem bei den KK-Scale-Zwölfern gewohnten Standard, mit einer Ausnahme. Zumindest das uns vorliegende gelbe Muster weist zwischen dem lackierten Fahrzeugkörper und den in Gelb durchgefärbten Kunststoffanbauteilen einen erkennbaren leichten Farbunterschied auf. Den F40 gibt es natürlich auch in Rot.
mh




Modellfotos: bat
Steckbrief:
KKDC120252 KK-Scale Ferrari F40 1987 gelb. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 199,95 €.