Blau ist schwarz
Dass dunkel dunkel ist, ist klar. Dass blau auch schwarz sein kann, wenn dunkel genug, beweist die neue Farbvariante des Norev Ford Mustang. Doppelte weiße Go-faster-Streifen machen ihn nicht nur schneller, sondern auch sehr amerikanisch.
Eine neue Farbgebung für den Ende 2023 erstmals erschienenen Norev Mustang (ohne GT-Package, aber mit Pony-Interior), Nightmist Blue Metallic mit doppelten weißen Längsstreifen, Zulassung in North Carolina. Nightmist Blue Metallic, ein so dunkles Blau, dass es aus jedem Blickwinkel und bei jedem Lichteinfall schlichtweg schwarz wirkt, war für die Modelljahre 1966 und 1967 lieferbar, was Norev weiß und den zuvor als 1965er-Modell deklarierten Mustang diesmal als 1966er benennt. Das passt, denn die Ersten Modelljahre (1964 ½ bis 1966) brachten keine signifikanten Änderungen – dennoch genügend, als dass sie an einem Modellauto sichtbar sind: neuer Kühlergrill (geschlitztes statt Wabenmuster), andere Zierleiste an der Flanke hinter der Tür, neuer Tankdeckel. Hier kommen wir ein wenig ins Trudeln. Norev konstruierte seinen Mustang so, dass der 1965er und der 1966er Jahrgang realisierbar sind. Das wissen wir seit seiner Präsentation. In den frühesten Tagen von Caramini-online, am 14. Januar 2024, war der Norev Mustang auf unserem Prüfstand. Warum erscheint die Farbneuheit nun mit den 1965er Charakteristika, während die Farbe Nightmist Blue erst 1966 lieferbar war? An dieser Kleinigkeit wollen wir uns nicht aufhängen. Sie sei verziehen, denn der Norev Mustang ist ein klasse Modell (sealed-Bauweise, lenkbar).
An der falschen Stelle 10.000 Dollar gespart
Statt Wiederholungen dessen zu schreiben, was wir vor zweieinhalb Jahren bereits verfassten, wollen wir lieber eine vielleicht nicht so populäre Episode aus dem Leben des Ford Mustang kund tun – sein deutsches Leben unter dem Namen T5 und die Gründe für diese Namensverwirrung. Er durfte bis 1979 in der Bundesrepublik nicht „Mustang“ heißen.
Von Anfang an dachte Ford darüber nach, den Mustang auch in Europa produzieren zu lassen – nicht zuletzt, um die in Europa stationierten US-Soldaten direkt beliefern zu können, denn dieser Personenkreis war für die US-Produzenten schon immer wichtig. Die Europa-Produktion des Mustang kam nicht so recht in Gang, Ford in Köln und in Dagenham hatten keine Kapazitäten. Im Ford-Werk Amsterdam wurden zwischen 1965 und 1967 einige Mustang montiert.
Mit dem Namen gab es in Deutschland Probleme. Als Typbezeichnung hatten zwei Firmen bereits ein „Copyright“ auf „Mustang“, Kreidler und die Krupp-Werke. Krupp hatte zwischen 1951 und 1964 einen Lastwagen namens Krupp Mustang produziert und stellte 1968 die Lkw-Produktion gänzlich ein. Beim Mopedhersteller Kreidler lief eine Soft-Geländeversion der Kreidler Florett unter dem Namen Kreidler Mustang vom Band. Ford-USA hätte sich mit beiden einigen können, aber stellte auf stur. Aus damaligen Zeitungsberichten geht hervor, dass beide zusammen nur 10.000 Dollar hätten haben wollen, um Ford die Namensrechte für die Bundesrepublik abzutreten. Die Gründe für den Ford-Trotz sind nicht überliefert. So kam Ford auf die Idee, den Mustang in Deutschland unter seiner internen Projektbezeichnung, nämlich „T5“ anzubieten. Aber da hatte Ford die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Vorgesehen war nämlich, die notwendige Umrüstung von Mustang zu T5, von Ford nur als Formalität betrachtet, durch die deutschen Händler durchführen zu lassen – von den behördlichen Dokumentationen bis hin zum Austausch der Schriftzüge am Auto selbst. Das duldeten die Behörden allerdings nicht – wohl deshalb, weil Kreidler nach der Abfuhr durch Ford Beschwerde eingelegt hatte. So musste die „Germanisierung“ der wenigen für Deutschland vorgesehenen Mustang am Fließband in Dearborn und Metuchem geschehen, was den Konzern sicherlich viel mehr kostete als die „lausigen“ 10.000 Dollar, denn Handarbeit am Fließband ist ein nicht zu unterschätzender Management-Aufwand.
Dabei ging es dabei tatsächlich nur um wenige Fahrzeuge, nämlich diejenigen, die von Deutschen in der Bundesrepublik vom Ford-Händler gekauft und erstzugelassen wurden. Hierzu existieren sogar Zahlen für die erste Zeit, als der deutsche Mustang „T5“ hieß: 1965 und 1966 je circa 600, 1967: 758, 1968: 480, 1969: 486, 1970: 377, 1971: 547, 1972: 452 und 1973: 531. Bis 31. Dezember 1978 hatten Kreidler und Krupp die Namensrechte inne. Danach durfte Ford den Mustang auch in der Bundesrepublik als solchen anbieten.
Diejenigen Wagen, welche in der Bundesrepublik stationierte US-Soldaten über den PX-Shop erwarben, unterstanden nicht deutscher behördlicher Aufsicht, sondern der amerikanischen. Deshalb waren sie auch mit US-Spezifikationen versehen, hatten die üblichen sealed-beam-Scheinwerfer, hinten rote Blinker, trugen Meilentachos, sie mussten nicht zum TÜV et cetera. Das waren schlichtweg „amerikanische“ Autos mit amerikanischer Zulassung, wenngleich sie in der Bundesrepublik verkauft und bewegt wurden.
afs



Modellfotos: bat

Foto: Florian Sauer

Foto: Archiv Ford-USA

Quelle: Archiv afs
Steckbrief:
Norev 182805 Ford Mustang Hardtop 1965 schwarzblau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 75,95 Euro.