Literatur

Lesen: Wartburg Automobile 1966-1988

Leonhardt, Lars: Wartburg Automobile 1966-1988. Salzwedel (Verlag 79 Oktan) 2026. 432 Seiten. ISBN 978-3-9823852-4-2. Preis 49,90 Euro.

Schon wieder ein Buch über Wartburg? Ja, aber das bislang Beste und Umfangsreichste. Der Autor Lars Leonhardt ist der Experte zum Thema Wartburg. Nach seinem Buch über den Wartburg 311 folgt nun Teil Zwei mit der Geschichte des Typ 353 bis 1988.

Zuerst baute das Automobilwerk in Eisenach für den Typ 311 ein völlig neues Chassis. So entstand der Zwischentyp 312 im Jahr 1965. Das war neuer Wein in alten Schläuchen. Durch die allseits bekannte wirtschaftliche Lage in der DDR versuchte man es mit der Politik der kleinen Schritte. Diverse Änderungen an der altbekannten Karosserie des Typ 311 führten letztlich zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis.

Durch die Direktive 23/63 aus dem Jahr 1963 gab es grünes Licht für die Weiterentwicklung des PKW Wartburg. Der Eisenacher Hofdesigner Hans Fleischer stellte den Entwurf des neuen Wagens vor, ein zeitloses Styling, durchaus weltmarktgeeignet, modern, sachlich. Nach der Wende nahm das Karl Clauss Dietel lautstark und öffentlichkeitswirksam für sich in Anspruch. Aber von seinem Entwurf schaffte es in Wahrheit nur der innere Türöffner in die Produktion.

Das Buch beschreibt Jahr für Jahr die Entwicklungsschritte. Auch das Coupé und andere Versuchsmuster werden beschrieben. Das größte Problem war der Zweitaktmotor, in der Basis eigentlich eine Vorkriegskonstruktion und seitdem der Wartburg 353 neu war, also Mitte der 60er Jahre, international auf der Abschussliste. So gab es Versuche mit Motoren von Ford, Morris, Renault, Dacia usw. Es scheiterte an den dafür nötigen Investitionen – obwohl die Importeure in Belgien und Großbritannien sehr interessiert waren und auch Versuchsmuster bauten. Auch der eigenentwickelte Vierzylinder kam über das Versuchsstadium nicht hinweg, so wenig wie der Sechszylinder-Zweitaktmotor von Müller-Andernach. Es gab dann noch einen Dreizylinder-Viertaktmotor. Aber auch dafür war kein Geld da. Dafür danach der sattsam bekannte Deal mit VW. Das Problem der DDR-Planwirtschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es zeigt sehr deutlich die Folgen der Einmischung der Politik. Wo und wie auch immer.

Sehr detailliert werden alle Änderungen über die Jahre der Produktion beschrieben, dazu ein sehr umfangreicher Tabellenteil. Lieferbare Farben, Autoradios, Stückzahlen, Generalvertretungen usw. sind aufgelistet. Viele der handelnden Personen werden vorgestellt. Leider gibt es weder ein Personenregister noch einen Bildnachweis. Nur den Verweis auf die historische Stiftung Automobile Welt Eisenach. Beim Thema Layout kann man geteilter Meinung sein. Viele Bilder sind über die Mitte gedruckt. So gehen mitunter wesentliche Informationen verloren. Zumindest für den Leser. Ob man, wie auf Seite 175 geschehen, dem Verschluss der Kofferklappe eine ganze Seite widmen muss, ist fraglich. Es erklärt sich allenfalls so, dass der Verfasser völlig verliebt in eben diesen Verschluss ist.

Unterm Strich ist es ein sehr informatives Buch zur Geschichte des Automobils aus Eisenach. „Fortsetzung folgt“ steht auf Seite 432. Das Thema wäre dann sicher der Typ 1.3 und das Ende des Wartburg. Es fehlt auch noch die Geschichte des Wartburg im Motorsport. Lassen wir uns im positiven Sinne überraschen.

carba