Andere Maßstäbe

News 1:12 KK Scale Mercedes 450 SL R107 1985

Unter Geiern

Der Pensionärsgleiter. Zusammen alt geworden oder eine späte Freundschaft geschlossen. Nicht jeder solvente Rentner braucht unbedingt ein Wohnmobil. Landschaft und Sonne genießen gelingt mit entspannter Fahrt im offenen Mercedes R107 mindestens genauso gut. Für Rentner und alle anderen jungen Leut’ macht KK-Scale einen riesigen Mercedes Roadster in 1:12.

Das Kürzel SL steht für Sport Leicht und kennzeichnet die höchste technologische Ausbaustufe der Mercedes-Sportwagen ab den 50er Jahren. Anfangs waren sie als reine Rennsportwagen gedacht, die den Ruf der Marke mit der Teilnahme an dem legendären Straßenrennen Carrera Panamericana auf dem amerikanischen Kontinent verbreiten sollten. Dieses Rennen führte auf der von Texas bis Patagonien führenden Magistrale über mehr als dreitausend Meilen und konnte 1953 von Karl Kling auf einem der SL Prototypen gewonnen werden, obwohl es eine dramatische Kollision mit einem zu tief fliegenden Geier gab, der die Windschutzscheib durchschlug und Klings Beifahrer Hans Klenk schwer verletzte. Was tut man nicht alles für die Legendenbildung!

Die weitere Geschichte des Kürzels ist bekannt. Das Projekt SL war ein Lieblingskind des Mercedes-Entwicklungschefs und ebenfalls begnadeten Rennfahrers Rudolf Uhlenhaut und schaffte es bis in die Serie. Der erste SL war der Flügeltürer und von da an gab es immer ein Fahrzeug mit diesem Kürzel bei Mercedes zu kaufen. Sei es der kleine 190 SL, eine pummelige Kopie des Flügeltürerdesigns mit dem brummigen Vierzylinder aus der Mercedes Mittelklasse 190 oder der nachfolgende 230 SL aus der Feder von Paul Bracq, der wegen seiner konkaven Dachform als Pagode in die Typengeschichte einging, der SL war immer ein Spielfeld der Vielfalt und Eigenwilligkeit der Konzepte. Aber ein verkappter Rennwagen wie der Flügeltüren war nicht mehr dabei.

1971 trat die Baureihe R107 die Nachfolge der polarisierenden Pagode an. Der Neue war ein sehr ernsthaft, um nicht zu sagen schwäbisch konzipiertes Automobil und der Vorreiter der 1972 erschienenen neuen S-Klasse, die damals technisch den absoluten Höhepunkt der Automobilentwicklung darstellte. War das Chassis des 107ers noch von der Pagode beeinflusst, so besiegelte die neue Schräglenkerhinterachse das Schicksal der unseligen Pendelachse und läutete fahrdynamisch ein neues Zeitalter ein. Nur ein Sportwagen, das war der neue SL nicht mehr. Er richtete sich eher an betuchte Genießer, die entspannt und sicher den Annehmlichkeiten ihres Wohlstands frönen wollten. Das war offenbar die richtige Marketingentscheidung, denn die Qualitäten dieses Automobils reichten für sage und schreibe achtzehn Produktionsjahre und eine Gesamtstückzahl von 237.287 Exemplare. Dabei erfuhr das von Friedrich Geiger federführend entworfene Design fast keine Facelifts, abgesehen von der Einführung eines Frontspoilers. Als klassisch schön gilt der Wagen nicht, aber die Fähigkeit zu einer solchen Langlebigkeit ist Auszeichnung genug.

Jetzt kommt er also im Maßstab 1:12 in der jungen Produktlinie von KK-Scale und dort macht er eine gute Figur. Stimmige Proportionen und saubere Details sowie das für diese Modellreihe charakteristische Vorhandensein von zu öffnender Motorhaube und Türen runden das stattliche Erscheinungsbild ab. Wie immer wird mit Geschick auf möglichst geringe Teileanzahl geschaut und durch effektvoll platzierte Farbtupfer ein interessanter Anblick des Motor- und des Innenraumes erzielt. Der große Maßstab und in diesem Falle die gute Zugänglichkeit des Innerraumes laden dazu ein, hier und da mit spitzem Pinsel noch etwas nachzuhelfen. Es gibt für die europäische Version zwei Farbvarianten, eine in Goldmetallic mit schwarzem und unser Fotomuster in Silbergrau mit blauem Interieur. Gold wäre mal eine Abwechslung gewesen, uns gefällt aber gerade die blaue Innenausstattung, weil sie gar so sehr nach seriösem Mercedes aussieht. Auch eine amerikanische Ausführung mit den original und skurril riesigen Stoßstangen als Design-Vernichter gibt es in schwarz und rot zu kaufen. Bobby Ewing lässt grüßen und gegen einen Aufpreis kommt er sogar in Persona (oder besser: in Figura) mit.

Der Roadster steht auf den berühmten Barockfelgen, die sehr schön und filigran ausgeführt sind. Sie stecken auf gut detaillierten Achselementen, sodass sich auch der Blick unter das Modell durchaus lohnt. Im Lieferumfang enthalten ist ein geschlossenes Cabrio-Verdeck, typisch mit den drei markanten Fenstern und ohne Gefummel aufzustecken. Da wir wissen, dass KK-Scale sich darauf versteht, schöne und authentisch wirkende Innenraumoberflächen zu machen, vermissen wir diese bei Verdeck und Sitzen ein wenig. Hier wäre weniger Glanz wünschenswert. Und wenn wir gerade beim Wünschen sind, ein Hardtop stünde auf dem Zettel. Vielleicht kommt es ja später noch. Das Modell ist doch bestimmt auch achtzehn Jahre im Programm.

mh

Viele sind noch auf den Straßen zu sehen, sie beleben die Oldtimerszene. Aber nicht alle sind mehr in Vertrauen erweckendem Zustand und ohne eingehende Prüfung kauft der Interessent leicht die berühmte Katze im Sack und darf sich mit Daimlers Ersatzteilpreisen anfreunden. Die billigste Art, einen echten SL zu fahren, ist sie dennoch, die Baureihe 107 ab 1971, aber weder S noch L stehen auf ihrer Eigenschaftsliste.
Modellfotos: bat
Holz, und sei es nur ein Druckwerk, vermittelt stets einen wertigen Eindruck. KK-Scale vollzieht im Innen- wie im Motorraum den Balanceakt zwischen „so viel wie nötig“ und „so viel wie möglich“. Schönes, sattes Blau im Inneres des KK-Scale-Modells, nicht ausgeblichen von der kalifornischen Sonne.
Die offene Motorhaube gibt den Blick auf einen schön detaillierten Motor frei. Der vorn an ihr hängende Kühlergrill ist durchbrochen dargestellt. Unser Muster ist wohl ein 4,5 Liter großer V8. Es gab ihn auch mit sechs Zylindern. Ein Vorteil von Modellautos ist die Tatsache, dass wir sie nicht betanken müssen.

Steckbrief:

KKDC120181 KK-Scale Mercedes 450 SL R107 1985. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. Geschlossenes Softtop beiliegend. UVP 199,95 €.