Faszination Modellautos

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News 1:18 Kyosho Morris Mini Minor Mk I Deluxe 1959

Der Putzometer am Anschlag

Er ist winzig klein, zuckersüß und saugut gemacht: Kyosho hat sich zum zweiten Mal des Ur-Minis angenommen. Der 1959er Morris Mini Minor Mk I Deluxe erscheint aus völlig neuen Formwerkzeugen in old-school-Manier aus Metall, alles zum Öffnen, separater Motor, beste Fertigungsqualität. Genau so wünschen wir uns einen Super-Mini!

Bei der Farbe denkt man an Eisbonbons mit diesem typischen Eisbonbon-Aroma und diesem typischen Eisbonbon-Aussehen, kaltes Blau, durchzogen mit weißen Streifen (glutenfrei, laktosefrei, für Veganer geeignet), diesen kühlen, frischen Geschmack aus Menthol, Pfefferminze und Zitrusfrüchten, dazu der Zuckeraustauschstoff Xylit, der für den „kühlen“ Geschmack sorgt (was er auch bei Zahnpasta und Kaugummis tut!). Wenn man weiß, dass das Aroma Essigsäure-Pentylester heißt, wird das Eisbonbon vielleicht unsympathisch-künstlich. Aber egal. Es schmeckt eben nach Gletschereis und es sieht nach Gletschereis aus. Wie der Kyosho Mini Minor in Clipper Blue (was nicht Gletscherblau heißt, sondern sich auf das schnelle Segelschiff namens Klipper bezieht).

Der Kyosho-Mini ist ein frühes Exemplar seines langlebigen Genres (1959 bis 2000). Angesichts seiner Popularität ist es erstaunlich, wie wenige Ur-Minis es im Großmaßstab gibt, verglichen mit der Enten- und Käfer-Population im 1:18-Kosmos. Es sind eher preiswerte Modelle (Ixo, Solido, Majorette, Motor Max, auch Bburago, aber der ist 1:16), Cult Scale hat einen Resine-Mini im höherpreisigen Segment gemacht, mit den üblichen formalen Defiziten dieses Herstellers, und manche der genannten Minis sind ausschließlich in Rallye-Livrées lieferbar. Wer einen zivilen, frühen Mini möchte, kam und kommt an Kyosho nicht vorbei. Der Mini gehört zu den frühen Kyoshos (19… erschienen) und leider nicht zu den formal besten. Dessen war sich Kyosho bewusst und hat sich der „Causa Mini“ deswegen erneut angenommen. Ein völlig neu konstruiertes Modell, das mit dem 19..er nichts mehr gemein hat! Das ist aktueller Formenbau und aktuelle Kyosho-Qualität, eine rundum schöne Miniatur. Die letzten Modelle aus der originalen 1992er Form erschienen 2010 in Rot, hellem Pastellblau und Weiß, seitdem wurde sie nicht mehr benutzt.

Morris oder Austin? Eine Glaubensfrage!

Kyosho macht einen Mini der ersten Bauserie August 1959 bis Oktober 1967, konkret aus den ersten drei Jahren, denn 1962 tilgte BMC die Bezeichnung Minor, die am Kyosho-Modell den Heckdeckel schmückt. Damals wurde zwischen Morris und Austin Mini differenziert. Die optischen Unterschiede waren gering: Kühlergrill beim Morris mit Gittermuster, beim Austin mit Querstreben, die Schriftzüge und die Farbpalette. Die unterschiedlichen Farben rühren daher, dass die Morris im BMC-Werk Cowley, die Austin in der Fabrik in Longbridge gebaut wurden. Eine unterschiedliche Vertriebsschiene brachte sie unters Volk, es gab Morris- und Austin-Händler, die miteinender in Konkurrenz lagen, und jedes Werk ließ eigene Prospekte drucken. Zudem bezogen beide Fabriken ihre Zulieferteile von unterschiedlichen Lieferanten, sogar die Rohkarossen entstanden bei Pressed Steel für den Austin und bei Fisher & Ludlow für den Morris. Das war natürlich äußerst ineffizient, hatte aber einen eklatanten Vorteil: Bei Streik in einem Werk konnte das andere weiterproduzieren. Und Streiks waren in Großbritannien dank der übermächtigen Gewerkschaften eine weit verbreitete (Un-)Sitte. Für die britische Klientel war die Trennung wichtig. Ob man einen Austin oder einen Morris kaufte, war eine Glaubensfrage (wie bei uns Ford oder Opel). Die Kunden hielten die Autos tatsächlich für unterschiedliche Fahrzeuge. Nicht nur das Image der beiden Marken differierte; die Käufer glaubten auch Qualitätsunterschiede feststellen zu können.

Das Kyosho-Modell ist ein Morris Minor Deluxe mit (am Original) ausstellbaren hinteren Seitenscheiben, Chromleisten an den Fensterrahmen, Radläufen und Türschwellern, größeren Radzierkappen, Teppichbelag statt Gummimatten, mehrfarbige Polsterbezüge anstelle eines Uni-Stoffes und serienmäßiger Umluftheizung. Den Außenrückspiegel hat Kyosho übrigens nicht vergessen. Der wurde in Großbritannien erst 1978 zur Pflicht (in Westdeutschland bereits 1956). Der Mini ist in drei Farben lieferbar, Clipper Blue (innen blau/weiß), Cherry Red (innen rot/weiß) und Old English White (innen rot/weiß) zum selben Preis.

Alles, was der Sammler sich erhofft

Ein old-school-Modell in leckerster Kyosho-Qualität, das alles kann, was der Sammler sich erhofft – außer federn, aber ein früher Mini war schon immer hart wie ein Brett und fuhr sich wie ein Go-Kart, bis 1964 die neue Hydrolastic-Federung kam (und aus Kostengründen1969 wieder den bisherigen Gummipuffern und Teleskopstoßdämpfern weichen musste). Die Türen gehen auf, die Motorhaube auch, der Kofferraumdeckel auch, die Sitze lassen sich komplett nach vorne klappen (beim Mini nicht nur die Rückenlehnen), das Modell ist mit Teppichboden ausgelegt, die Vorderräder lenken zusammen mit dem Lenkrad, und die Lenkung rastet sogar in zwei Positionen je Richtung ein. Im Kofferraum liegt ein Reserverad (nicht herausnehmbar), und der Motor ist separat eingesetzt. Mehr Mini kann man nicht wollen, mehr Mini kann man nicht kriegen. Das ist Mini pur und Mini vom Feinsten!

Der quer eingebaute Motor ist ein richtiger kleiner Wonneproppen, der BMC-A-Series-Motor aus dem Austin A35, 848 cm³ klein, 34 Pferdchen stark. Lackiert ist er in „BMC engine green“, das mit vollem Namen „British Standard Middle Bronze Green BS223“ heißt, ein thermisch stabiler Speziallack, eine frühe Mini-Besonderheit. Er ist verkabelt, hat farblich abgesetzte Details, hat Anbauteile und man kann, wie sich das gehört, am Motor vorbei auf den schwarzen Schreibtisch blicken. Genauso lecker hinten: Der Deckel ist unten angeschlagen (um bei Bedarf das Volumen des winzigen Kofferraums zu erweitern, indem Gepäck auf der offenen Klappe verzurrt wurde), das Reserverad liegt im Kofferraum, der Deckel hat sogar bedruckte Dichtungen. Beide Klappen, also vorne und hinten, sind recht stabil befestigt, die Scharniere also keine Goldschmiedearbeit, aber das ist der Kyosho-Stil. Ein Kyosho-Auto kann man anfassen und muss dazu nicht mal ein Jongleur der Feinmotorik sein. Der Innenraum, mit Teppichboden ausgeschlagen, ist superb, zweifarbig, klappbare Sitze, schwarze Fußmatte auf der Fahrerseite. den Türen sieht man an, dass sie nur eine Außenhaut besitzen, um Ansätze von Ellbogenfreiheit zu garantieren, deshalb auch Schiebe- statt Kurbelfenster im Mini. Und, tatsächlich: Kyosho realisierte die Schiebefunktion. Das Armaturenbrett bewegte sich auf einfachem Niveau, dem Vorbild entsprechend, zentral sitzt ein einziges, von Kyosho bombig umgesetztes Instrument (Tacho mit integrierter Tankuhr). Rechts und links großzügige Ablagefächer. Das mittige Instrument machte es einfacher, Exportversionen mit Linkslenkung anzubieten; das Armaturenbrett musste sich nicht der Lenkradposition anpassen. Kyosho baut einen Rechtslenker.

Der Caramini-Putzometer schlägt wieder voll aus

Von außen alles bestens: Der weiß lackierte Kühlergrill sieht nach Fotoätzteil aus, ist aber aus Kunststoff gefertigt. Was verchromt und separat sein muss, ist verchromt und separat, keine silberne Druckwerke sind zu finden, die Chromleisten rund um die Scheiben sind Bestandteil derselben, aber eben extra verchromt und somit extrem passgenau. Auch die Felgenfarbe Elfenbein entspricht dem Original, bedeckt von kleinen Radkappen und Radzierringen (Attribut der Deluxe-Version), sodass nur das Felgenhorn sichtbar ist.

Der Kyosho-Mini ist absolut putzig. Wir bemühen erneut und gerne den Putzometer, jüngst im Caramini-Einsatz bei der Besprechung des Norev Fiat 500 Giardiniera, der bei diesem Modell voll ausschlägt. Dieser kleine Mini in Clipper Blue bereitet rundweg Freude – wenn man ihn zuhause stehen hat. An der Kasse allerdings oder beim entschlossenen Niederdrücken des Bestell-Buttons sorgt er für ein leeres Schlucken und einen trockenen Mund. Natürlich – alles ist teurer geworden. Aber Kyosho-Modelle sind besonders im Preis gestiegen.

afs

Er ist einfach nur süß. Aber seine Winzigkeit täuscht nicht darüber hinweg, dass er in bester Kyosho-Art konstruiert und gefertigt ist. Auch wenn an einem Morris Mini Minor weniger dran ist als an einem erwachsenen Auto, so macht Kyosho weder Konstruktions- noch Fertigungsabstriche.
Modellfotos: bat
Ganz leckeres Motörchen, quer eingebaut und deshalb das Getriebe darunter. Die Anbauteile sind alle da, können sogar benannt werden (denn es sind nicht viele) und wir zählen vier Zündkabel von den Kerzensteckern zum Verteiler.
Im Kofferräumchen ein Reserverad und ein Kistchen mit dem nötigen Werkzeug. Die beiden Kreuzschlitzschrauben für das Haubenscharnier sind nicht gerade diskret. Aber genau das ist der Kyosho-Stil: Stabilität ist sichtbar.
Innen ist wenig dran am kleinen Kerlchen, aber das Wenige ist perfekt umgesetzt, sogar die Türgummis sind Kyosho ein Druckwerk wert.
Prima detaillierter Unterboden. Das Chassis zwar aus Kunststoff, aber in Wagenfarbe lackiert, der Auspuff als Extrateil. Gut zu sehen die vorderen und hinteren Hilfsrahmen.
The Swingin’ Sixties: Der Mini verkörperte in Großbritannien ein Lebensgefühl, weg vom Bowler und Anzug, von Steifheit und Konservatismus. Der Wagen im Bild ist ein Austin und trägt andere Rippen im Kühlergrill als der Morris. Sonst keine Unterschiede.
Foto: Archiv afs
Jeder mit eigenem Gesicht: Der Morris hat Querstreben mit vertikaler Unterteilung im Grill.
Foto: Archiv afs

Steckbrief:

Kyosho KS08964BL Morris Mini Minor Mk I Deluxe 1959 Clipper Blue. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP des Importeurs Minichamps 234,95 Euro.