Ein Erdbeerkörbchen im Spätsommer
Erdbeeren waren in diesem Jahr ziemlich teuer. Regionale Ware kostete in der 500-Gramm-Schale oft zwischen 5 und 6,50 Euro. Das klassische Erdbeerkörbchen, also der Spankorb mit Henkel, ist ein 1-Kilo-Gebinde, das meist an typischen Erdbeer-Verkaufsständen oder auf dem Wochenmarkt angeboten wird. Da sind wir dann schon bei rund 12 Euro. Drei solcher Erdbeerkörbchen ergeben den Gegenwert eines Maxichamps-Modells. Aber weil die deutsche Freilandsaison nun vorbei ist und allenfalls späte Sorten im Angebot sind, kann das Kilo momentan, im Spätsommer, sogar noch teurer sein. Wir sprechen vom Anbaugebiet Osnabrück, nicht von schnöder Importware.
Die Freunde des “Erdbeerkörbchens”, wie das Golf Cabriolet seit Produktionsstart höhnisch genannt wird, erhalten selbiges in 1:43 nun in beiden Versionen. Solido hat in seinem Dauerprogramm das modifizierte Golf Cabriolet mit Karosserieanbauteilen nach dem 1987er Facelift, als es sich längst vom geschlossenen Golf I emanzipiert hatte (Caramini-online vom 18. Januar 2025). Diese Version hat Alleinstellungsmerkmal. Das Ur-Cabriolet hingegen wird von den Platzhirschen gemacht, von Minichamps, Norev und Ixo. Letztere beide sind derzeit nicht fabrikneu lieferbar, und bei Norev-43ern muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob sie überhaupt erneut aufgelegt werden – angesichts der vorherrschenden 1:43-Unlust dieses Herstellers. bei Ixo weiß man das nie so genau, plötzlich sind Neuauflagen da. Jedenfalls momentan aktuell ist die Minichamps-Neuauflage unter dem Label Maxichamps. Das ursprüngliche Modell stellte Minichamps im Dezember 2013 vor; die erste Farbvariante war Gelb, bezeichnet als 1979er Golf GLS. Nun kommt das offene Auto mit dem damals umstrittenen Überrollbügel in zwei populären Farben wieder, im unvermeidlichen und unvergessenen Marsrot LA3A sowie in Floridablau LA5A, einem himmlisch hellen Himmelblau, beides Unitöne und beide Male, wie bei Maxichamps üblich, mit einem minimalst dekorierten, schwarzen Innenraum kombiniert (nur die Armaturen sind hervorgehoben). Aber außen! Da glänzt das Duo, wie ein Minichamps-Modell glänzen, ja spiegeln muss. Laut Heckschriftzug ist das Cabriolet eine GL-Version, die es ab Modelljahr 1982 gab, als Volkswagen die Cabriolet-Modellpalette analog zum geschlossenen Golf restrukturierte. Die äußeren Details sind hervorragend nachgebildet, die Kennzeichengrundplatte ist leer und nichts als schwarz, Stahlfelgen mit kleinen Chromradkappen, sehr gute Bedruckung. So ist die Flankenzierleiste nicht nur silbern, sondern hauchzart schwarz eingefasst, selbst der Türgriff ist zweifarbig bedruckt. Formal passt alles.
Nach wie vor überlegt sich der Freund schöner Karosserieformen, welcher Teufel VW geritten haben mag, die Karosserieoberkante ab der Türe so unmotiviert und schnurgerade ansteigen zu lassen. Aber es ist eine beruhigende Bestätigung des eigenen Geschmacks, wenn man feststellt, dass einem etwas, das einem 1979 schon nicht gefallen hat, 2026 immer noch nicht gefällt. Bekanntlich stammt das Design des Golf I von Giugiaro und wurde vom VW-Chefdesigner Herbert Schäfer massengeschmacks- und fließbandtauglich gemacht. Nicht namentlich überliefert ist, wer die Cabriolet-Besonderheiten zu verantworten hat. Aber sie entstanden ja nicht alleine im Konstruktionsbüro von Karmann und wurden von irgendeinem Ingenieur nebenbei skizziert. Da muss Herbert Schäfer ebenfalls dahinter gestanden haben.
afs


Modellfotos: bat

Steckbrief:
Maxichamps 055180 Volkswagen Golf I GL Cabriolet (Karmann) 1982 hellblau und 055181 dito rot. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP je 37,95 Euro.