Schneeraupe aus Laupheim
Pistenbullys sind keine Autos im eigentlichen Sinne. Räder haben sie nicht (ja, doch, aber keine Reifen). Es sind zivile Kettenfahrzeuge, überaus ingeniöse Wesen, faszinierend nicht nur für passionierte Wintersportler. Jägerndorfer bringt einen aktuellen Pistenbully in zwei Versionen.
Auch wenn der Winter vorbei ist, sind Pistenraupen weiterhin im Einsatz und präparieren Skipisten auf Gletschern. Die bekanntesten Fahrzeuge dieses Genres sind die Pistenbullys der Firma Kässbohrer aus dem schwäbischen Laupheim, einem unabhängigen Hersteller, längst abgespalten vom Ulmer Omnibushersteller Kässbohrer. Sie werden in unterschiedlichen Leistungsklassen angeboten. Der österreichische Modellhersteller Jägerndorfer, bekannt durch seine Modelleisenbahnen und Miniaturseilbahnen, hat zur Spielwarenmesse H0-Modelle der Pistenbullys PB 800 und 800W angekündigt und vor kurzem ausgeliefert. Das sind wahre Wunderwerke des Modellbaus! Die Modelle zeichnen die Vorbildfahrzeuge bis ins kleinste Detail nach. Die Kabine ist originalgetreu nachgebildet, alle Anbauteile sind vorhanden und das Räumschild und Fräse sind beweglich gestaltet. Ein besonderes Lob verdienen die Raupenketten, die zwar aus einem flexiblen Kunststoff bestehen, durch die silberfarbene Bedruckung sehr authentisch, wenn nicht sogar metallisch wirken. Jägerndorfer hat sich das Spitzenmodell der Pistenbully-Reihe ausgesucht, den PB 800, und diesen in zwei Versionen verkleinert, wovon eine zusätzlich einen Kran montiert hat.
Angetrieben werden die Fahrzeuge von einem abgasarmen Sechszylinder-Motor von MAN mit 612 PS. Das lange Fahrwerk mit fünf Laufradachsen, die eine größere Kettenaufstandsfläche bieten, sorgt nicht nur für eine optimale Laufruhe, sondern auch für eine gute Steigkraft. Vorne ist ein 5,95 Meter breites und 1,25 Meter hohes Räumschild montiert, von Kässbohrer als „Allway Blade“ bezeichnet. Durch die Bombierung des Räumschilds ergeben sich beste Rolleigenschaften im Schnee. Am Heck finden wir Fräswellen, die für die Schneeaufbereitung sorgen. Besonders starke Dämpfer garantieren einen gleichmäßigen Anpressdruck. Bei Nacht wird die Piste durch LED-Scheinwerfer ausgeleuchtet, mit einer Kamera kann das Ergebnis kontrolliert werden. Ein Überwurfschutz verhindert, dass Schnee auf die Fräse oder auf die bereits präparierte Piste gelangt. Zusätzlich sind noch sogenannte Seitenfinisher vorhanden, die für einen Übergang bei überlappendem Arbeiten sorgen. Für das Arbeiten an Steilhängen kann der Pistenbully mit einem Kran ausgestattet werden, der eine Zugkraft von 4,6 Tonnen besitzt. Die Fahrgeschwindigkeit und die Seilwinde werden elektronisch gesteuert, damit die Zugkraft immer optimal geregelt wird.
Im Jahr 1967 kamen Karl und Otto Kässbohrer, begeisterte Bergwanderer und Skifahrer, auf die Idee, ein Fahrzeug zur Präparierung von Skipisten zu entwickeln. Damit wurde das Präparieren mit Walzen oder Trampeln obsolet, den Betreibern von Skihängen wurde die Arbeit wesentlich erleichtert. Auf dem Ersten Internationalen Skipisten-Kongress in Innsbruck 1969 wurden die Fahrzeuge präsentiert und eine Erfolgsgeschichte begann. Schon drei Jahre später waren Pistenbullys bei den Olympischen Spielen im japanischen Sapporo im Einsatz. Seit 1995, als der Kässbohrer-Konzern zerschlagen wurde, ist die Kässbohrer-Geländefahrzeug-AG in Laupheim selbständig.
Das Prinzip des Antriebs mit Kettenlaufwerken ist nicht neu. Nur der Einsatz im Winter ist noch relativ jung. Fahrzeuge mit Kettenlaufwerken waren besonders im Zweiten Weltkrieg als „Halftracks“ im Einsatz, wenn es darum ging, sich im Schlamm oder Schnee fortzubewegen. Allenfalls das Fahrzeuggewicht bereitete Sorgen, denn die Halbkettenfahrzeuge neigten zum Einsinken in den Untergrund. Die ersten derartigen Fahrzeuge wurden bereits im Ersten Weltkrieg von Citroën entwickelt, mit denen nach Kriegsende Expeditionen durch Wüsten in Asien und Afrika unternommen wurden. Noch bevor der Pistenbully auf den Skipisten zu sehen war, spielten die Kinder der 60er Jahre mit einem Matchbox-Modell, „Snowtrac“ genannt, der sein Vorbild seit 1957 in Schweden hatte. Ein VW-Käfer-Motor diente als Antrieb. Es gab natürlich noch viele weitere, mit Ketten ausgerüstete Fahrzeuge, die weltweit produziert wurden. Aber das bekannteste ist und bleibt der Pistenbully von Kässbohrer.
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Modellfotos: kr




Steckbrief:
Jägerndorfer JC2800 Kässbohrer Pistenbully PB 800. FH und Fräskastenabdeckung rot. FG, Schneeräumer und weitere Anbauteile schwarz. Pritsche und Fräse silbern. Transparenter Überwurfschutz. Gummiketten mit silberner Bedruckung. Zwei orangefarbene Warnlichter. UVP 34,90 €. JC2810 dito PB 800W, jedoch mit Seilwinde. UVP 39,90 €. Beide Modelle aus Diecast und Kunststoff.