Phantasievolle Cabriolets
Die warme Jahreszeit kann kommen, zumindest wenn es nach den Modellentwicklern von Wiking geht. Cabriolet-Fahren ist angesagt und deshalb schickt der Hersteller aus Lüdenscheid gleich drei offene Pkw-Miniaturen auf die Reise ins Grüne. Drei weitere Farbvarianten bekannter Modelle und ein Feuerwehrfahrzeug ergänzen die Palette an neuen Modellfahrzeugen. Damit nicht genug, legt Wiking das legendäre Landhaus und Garage mit Klapptor in einer „Schwedenoptik“ mit rotbraunen Holzwänden und weißen Fenster wieder auf.
Alle drei neuen Cabriolet-Modelle sind auf die bewährte Art und Weise entstanden: ratzfatz Dach ab. Für den DKW Junior, den Ford Taunus 17m P3 und den Opel Rekord PI entwickelte Wiking neue Frontscheiben, denn im Formenbestand gibt es nichts Passendes. Die Inneneinrichtungen und Verdecke stammen allerdings von vorhandenen Miniaturen, die leider allesamt die integrierten Lenkräder aufweisen. Ein Umbau auf eingesetzte Lenkräder hätten die Verkaufspreise nochmals deutlich erhöht. Kurios wirken nur die integrierten Kopfstützen beim Ford, die gab es zur damaligen Zeit noch nicht. Um die Schnittkanten zu kaschieren, besitzen die drei Modelle einen Überzug aus Klarlack. Da von DKW erst beim Nachfolger des Junior, dem DKW F12, serienmäßig Cabriolets (hergestellt vom Karosseriebetrieb Baur) angeboten wurden, muss es sich beim Vorbild des Wiking-Modells um einen Eigenumbau handeln. Das Taunus 17m Cabriolet wurde im Original von Deutsch aus Köln umgebaut, es entstanden ungefähr 150 Fahrzeuge, die aber anders aussahen als das Wiking-Modell und 2+2-Sitzer waren. Die offene Version des Opel Rekord PI muss ebenfalls einen Eigenumbau zum Vorbild haben, denn die von Autenrieth gefertigten Fahrzeuge erhielten deutlich sichtbare Änderungen an der Karosserie (unter anderem längere Türen, optionale Heckflossen, ebenfalls 2+2-Sitzer). Statt des von uns verwendeten Wortes des „Privatumbaus“ oder „Eigenumbaus“ könnte natürlich auch das böse Wort der reinen Phantasie stehen, dem Kompromiss zwischen Anspruch und Wirklichkeit oder dem Willen, es sich leicht zu machen. Das sollte jedem Wiking-Sammler klar sein. Dennoch stellt das Trio eine interessante Bereicherung der Sammlung dar.
Nach einer schwarzen Farbversion legt Wiking die Borgward Arabella de Luxe in einer sehr attraktiven Ausführung in Rot mit schwarzem Dach neu auf. Nur die Luxusversion trug den Namen Borgward, die normalen Fahrzeuge liefen unter der Bezeichnung Lloyd. Gebaut wurde der Personenwagen der unteren Mittelklasse von 1959 bis 1963, also über den Borgward-Konkurs hinaus. Insgesamt kam die Arabella, als einziges Fahrzeug der Lloyd-Werke mit einem Vierzylinder-Motor ausgestattet, auf eine Produktionszahl von 47.042 Exemplaren. Wiking führte es zwischen 1961 und 1964 im Programm. Es gab das Modell in den Farben Kieselgrau, Himmelblau und Rot, wobei letztere die bei Weitem seltenste Farbe ist.
Vom Opel Rekord A gibt es zwei Versionen im Wiking-Sortiment, eine zeitgenössische zweitürige Ausführung aus dem Jahr 1965 und eine viertürige, die im Jahr 2005 als Veteran das Licht des Modellautokosmos’ erblickte. Die letzte Farbversion dieses Modells im Serienprogramm gab es vor 17 Jahren, also wurde es Zeit für etwas Neues. Die Wahl fiel auf eine weiße Karosserie mit schwarzem Dach, die Inneneinrichtung ist in Rot gehalten. Sehr schick. Das Design des Opel Rekord A unterschied sich deutlich vom Vorgänger, dem Rekord PII. Die Karosserielinie war geglättet und nüchterner, außerdem legte das Fahrzeug in der Größe zu.
Nochmals Opel, dieses Mal ein Lieferwagen auf der Basis des Opel Rekord PII. Wiking hat die C-Säule des bekannten Caravan herausgetrennt und die hinteren Scheiben in Wagenfarbe bedruckt, um die beim Vorbild vorhandene Verblechung zu imitieren. Im Internet lassen sich Fotos eines (vermutlich restaurierten) Originalfahrzeugs finden, das sich Wiking zum Vorbild für seine gelungene Verkleinerung genommen hat. Wiking kann also nicht nur ganze Dächer abschneiden, sondern auch einzelne Dachstreben. Von den Schnittstellen ist nichts zu sehen, gekonnt gemacht.
Als einziges Nutzfahrzeug in der Neuheitenauslieferung erscheint ein Unimog U 1700 in Feuerwehrausführung als Trockenlöschfahrzeug, bei Wiking traditionell „Pulverlöschfahrzeug“ genannt. Das historische Modell, ein Unimog U 404 S, erschien 1964 und verweilte zehn Jahre lang im Katalog. Neuauflagen gab es ab dem Jahr 2002. Interessant war die Verwendung des Aufbaus 2022 auf einem Opel Blitz A, nach einem Vorbild auf einem Sportflugplatz in der Nähe von Kempten im Oberallgäu. Nun dient ein Unimog U 1700 als Basis für das Pulverlöschfahrzeug, und der Aufbau passt erstaunlich gut, die Wirkung des Modells ist authentisch. Da sich am Fahrerhaus bereits ein Suchscheinwerfer befindet, hat Wiking die entsprechende Öffnung am Aufbau verschlossen. Und tatsächlich entstand das Modell nach einem realen Vorbild. In jedem der deutschen Tanklager, betrieben durch die bundeseigene Fernleitungs-Betriebsgesellschaft und verbunden durch ein Pipeline-System, war ein Unimog U 1300L als Trockenlöschfahrzeug (TroLF 750) stationiert.
Das Landhaus: Diese Überraschung ist Wiking gelungen. Das legendäre Landhaus einschließlich Garage mit Klapptor erscheint in einer sehr attraktiven Ausführung als Schwedenhaus. Jeder Schwedenkrimikonsument im Fernsehen kennt die meist in Rotfarbtönen gestrichenen Holzhäuser, die das Bild vieler Ortschaften in Schweden prägen. Durch eine geschickte Bedruckung bringt Wiking das Erscheinungsbild dieser Häuser mit weißen Fenstern und Türen sowie Gebäudeecken perfekt rüber. Eine super Idee. Das historische Landhaus bot Wiking von 1948 bis 1960 an, ein langer Zeitraum, aber so richtig beliebt war es nicht bei den Wiking-Sammlern. Im Rahmen der Serie „Meilensteine der Wiking-Geschichte“ gab es Neuauflagen als Traumhaus im Bau (2013) sowie als Bürogebäude der ASG-Spedition (2018).
kr


Modellfotos: kr






Steckbrief:
Wiking 0121 03 DKW Junior Cabriolet 1959. Karosserie himmelblau mit Klarlack. IA und Verdeck schwarz. FG und Felgen silbern. UVP 18,99 €.
0200 04 Ford 17m Cabriolet 1960. Karosserie weiß mit Klarlack. IA und Verdeck schwarz. FG und Felgen silbern. Weißwandreifen. UVP 21,49 €.
0080 38 Opel Rekord P1 Cabriolet 1957. Karosserie schwarz mit Klarlack. IA und Verdeck schwarz. FG und Felgen silbern. Weißwandreifen. UVP 19,49 €.
0180 01 Borgward Arabella de Luxe 1959. Karosserie karminrot mit schwarzem Dach. FG und Felgen silbern. Verglasung getönt. Weißwandreifen. UVP 14,99 €.
0847 06 Opel Rekord A 1963. Karosserie weiß mit schwarzem Dach. IA signalrot. FG und Lenkrad schwarz. Stoßstangen und Kühlergrill silbern. UVP 19,99 €.
0071 46 Opel Rekord 1960 Caravan Werkstattwagen „Opel Schnelldienst“. Karosserie pastellblau. Hintere Scheiben pastellblau bedruckt. IA silbergrau. Verglasung getönt. FG und Felgen silbern. UVP 17,49 €.
0604 03 Unimog U 1700 Feuerwehr-Pulverlöschfahrzeug „Total“ 1975. FH und Aufbau karminrot. IA, FG, Felgen, Kühlergrill und Suchscheinwerfer schwarz. Stoßstange und Kotflügel weiß. Zwei blautransparente Warnleuchten. Gummireifen. UVP 21,49 €.
1120 01 Landhaus Schwedenhaus. Wände weiß, Außenwände außen mit braunroter Holzbretteroptik bedruckt. Dach korallenrot mit Schindelbedruckung. Außenleuchte transparent. Bodenplatte gelbgrün. UVP 26,99 €.
1140 05 Garage zum Schwedenhaus. Wände weiß, außen mit braunroter Holzbretteroptik bedruckt. Dach schiefergrau. Garagentor braunrot. Bodenplatte gelbgrün. UVP 17,49 €.