Spielwarenmesse 2026: Caramini-online schlendert durch die Hallen
Die Spielwarenmesse ist mehr als nur ein Medium, um Neuheiten zu präsentieren. Sie ist auch ein Gradmesser, eine Art Fieberthermometer, der den Gesundheitszustand der Branche darstellt. Caramini-online zählt keine Neuheiten auf. Wir schlendern durch die Hallen, reden mit den Ausstellern und ordnen das Gehörte und Gesehene ein.
Warum Caramini-online nicht über die Neuheiten berichtet, die auf der Spielwarenmesse erstmals präsentiert wurden? Weil es Ressourcenverschwendung wäre! Und weil es nicht in unser Portfolio passt. Nach wie vor herrscht ein Wettstreit in einschlägigen Foren und Gruppen in den sozialen Medien darüber, wer welche Neuheit als erster postet. Die Leute rasen mit ihren kleinen Smartphone-Spielzeugen durch die Messe, filmen und fotografieren, was das Zeug hält, und posten noch von Nürnberg aus, was sie gesehen haben. Warum sollten wir diese Kakophonie noch verstärken? Lassen wir es die anderen machen und konzentrieren uns auf der Messe auf das, was wir als unsere Aufgabe sehen: Wir treffen dort die Firmenvertreter live und in Farbe, mit denen wir das Jahr über im Email- oder Telefonkontakt stehen, wir shaken die händs, wir hören uns um, wie es der Branche geht, welche Trends im Kommen sind, welche Lizenzen abgeschlossen oder entzogen wurden, wir schnappen Gerüchte auf, wir versuchen, das Gehörte intellektuell zu inhalieren und zu verarbeiten, um es in kommende Beiträge einfließen zu lassen – schlichtweg: um weiterhin mit dem Adlerblick über Modellautos zu sprechen und nicht am Boden mit den Hühnern zu scharren. Wir schreiben in Caramini-online nicht über Absichtserklärungen, die in Zukunft Realität werden oder vielleicht nie das Licht der Modellautowelt erblicken werden, sondern über Modellautos, die unsere Leser dann kaufen können, wenn wir darüber schreiben. Alles andere weckt unserer Meinung nach nur Gelüste, die unter Umständen nicht befriedigt werden können und dann in Frustrationserfahrungen münden.
Zudem ist die Nürnberger Spielwarenmesse längst kein allgemeiner Kommunikationsort der internationalen Modellautobranche mehr. Zu viele große Akteure, vor allem aus dem 1:87-Sektor, schenken sich den Messeauftritt. Manche, weil es sich für sie nicht lohnt. Andere, weil es ihnen aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation schlichtweg zu teuer ist. Wieder andere, weil deren jugendliches Management derart auf dem Digitaltrip ist, dass eine analoge Messe für sie in den Bereich der prähistorischen Archäologie gehört. Manche auch, weil sie mit der selbstherrlichen Messegesellschaft beleidigt sind. Andere sind nicht nur mit ihr, sondern mit dem ganzen Kosmos ihrer Geschäftspartner beleidigt – mit den Händlern, den Besuchern, den Sammlern, schlichtweg deren Forderungen, deren Wünschen, deren Verhalten.
Kommen tun sie trotzdem. Verkleidet als Privatbesucher. Wir sahen sie, wir trafen sie, wie sie über die Stände der Konkurrenz schlenderten. Es kommen auch die Vertreter der Automobilindustrie – nicht mehr so viele wie früher. Auch sie suchen den Kontakt, beraten Abkommen. Sie wollen ihre Lizenzen verkaufen.
Und wehe, da steht ein Modell in der Vitrine, speziell ein brandneuer Wagen des Jahrgangs 2025/26, der dort nicht stehen sollte. Dann fallen ernste Worte. Denn die viel diskutierten und ebenso viel geschmähten und natürlich auch begehrten Lizenzen greifen umso stärker, je jünger das Baujahr der jeweiligen Fahrzeuge ist. Man darf nicht glauben, Lizenzen seien des Teufels und sie würden ausschließlich die Modellautoindustrie belasten und gleichsam die Kassen der überreichen Konzerne füllen. Oh nein! Es gibt Modellautohersteller, die gieren geradezu nach einer Lizenz, die betteln darum – aber bekommen sie nicht. Denn so wie James Bond die „License to kill“ hat, so bedeutet die Lizenz des Autokonzerns die Eintrittskarte, dessen Industriemodelle exklusiv fertigen zu dürfen. Die Zusammenhänge sind hierbei komplexer, als man denken mag. Natürlich müssen, wie allgemein bekannt, Modelle nicht lizenziert werden, die älter als 25 Jahre sind. Wer sie somit lizenzfrei macht, ist zwar auf der rechtlich sicheren Seite. Aber er bekommt eben vom (verärgerten) Vorbildhersteller generell keine Lizenz, und das Ansinnen, dann auch moderne Modelle, vor allem lukrative Industriemodelle, fertigen zu dürfen, läuft dann ins Leere. Darum überlegt sich so mancher, ob er einen lizenzfreien Klassiker fertigt oder lieber doch nicht. NZG hat nun die Lizenz für AMG (nur AMG, was separat von Mercedes-Benz ist). Das heißt, moderne AMG-Mercedesse sind für alle anderen tabu.
Downsizing ist Trend. Upsizing auch
Gibt es Trends? Lassen sich Trends angesichts der Begrenzung anwesender Hersteller überhaupt festmachen? Ja, schon. Wenn nur ein gewisser Prozentsatz aller Hersteller in Nürnberg präsent ist, die aber mehrheitlich das Gleiche tun, so kann man das guten Gewissens als Trend einstufen. Der Trend geht zu 1:64. Das ist nicht neu, aber es verstärkt sich, und bis auf Norev sind nun alle „global Player“ auf den Zug der Modellautos in 1:64 aufgesprungen. Norev auch, aber Norev sieht darin Spielzeug, so wie Maisto oder Majorette oder Mattel oder Matchbox oder Siku. Für die anderen, die in 1:18 oder 1:43 Etablierten, ist 1:64 hingegen ein Modell- und kein Spielzeugauto. Gleiche Qualität wie 1:43, ebenfalls nichts zu öffnen, teilweise – je mehr der asiatische Markt in Visier ist – mit Beleuchtung oder anderen Gimmicks. Ixo tut es, Kyosho tut es, NZG tut es, Solido tut es, LCD auch, alle tun es. Aber sie interpretieren ihr Tun unterschiedlich. Für die Einen ist 1:64 eine vorwiegend asiatische Angelegenheit, und Asien ist ein wichtiger Markt. Für die anderen ist 1:64 eine Alternative zu 1:43 oder gar das neue 1:43. Für wieder andere ist 1:64 ein komplett anderer Markt mit komplett anderem Kundenpotential: Neuankömmlinge im Hobby, Youngsters, Anfänger, die über 1:64 an 1:18 herangeführt werden sollen und können. Frédérick Guilier-Sahuque von Z-Models sieht bei 1:64 sogar eine ganz andere, zusätzliche Zielgruppe: Er meinte im Gespräch, diese Miniaturen kauften zunehmend auch Frauen. Ein Argument hört man von niemandem: 1:64 ist, ebenso wie 1:24 oder 1:12, eben ein neuer Maßstab, in welchem man das, was längst in den etablierten Maßstäben existiert, erneut machen kann, um sein Portfolio auszuweiten. Obendrein ist der Konstruktionsaufwand gering: Man nehme die ohnehin vorhandenen Daten und rechne sie herunter. Wer sich nicht verrechnet, hat ein gutes Modell. Sich zu verrechnen, das kommt selten vor. Und falls doch, dann hat ein 1:87-Hersteller plötzlich ein 1:76-Modell im Programm. Was auch schon vorgekommen ist. Nein, wir sagen nichts und niemand macht sich lustig…
Was für 1:64 gilt, gilt auch für 1:12, ebenfalls ein Trend. Norev macht seine Zwölfer künftig nicht mehr sealed. Speziell deren als Rohling ausgestellter VW Golf I hinterlässt einen feinen Eindruck (der Boasche und die Pagode auch!) mit seinen zu öffnenden Teilen, und dann noch unterschiedliche Stoßstangen, Lenkräder und Türpappen zur Darstellung verschiedener Jahrgänge – das kommt schon gut! Dafür 1:43: ziemlich tot! Allenfalls Wiederauflagen bei den einen, ein Festhalten am Üblichen bei den anderen, aber nichts, was einen vom Hocker haut. Da muss man, gerade am Ixo-Stand, schon tief eintauchen, um Perlen zu finden: ein Mercedes W123 T-Modell, nicht nur mit AMG-Felgen, sondern auch mit den Scheinwerfern der US-Version zum Beispiel.
1:18 ist nach wie vor der Bestseller und das Maß der Dinge. Ixo zeigt seine Ami-Schlitten nun erstmals all open – und wir meinen, diese Modelle als Prototypen vor Jahren bereits am Stand des Mitbewerbers Z-Modells gesehen zu haben, was natürlich weder Mister Ixo Bernard Peres noch Mister Z-Modells Frédérick Guilier-Sahuque bestätigen wollten. Kyosho steigt ins Thema Fast & Furious ein, zunächst mit einem all-open-’68er Dodge Charger (dem sich übrigens auch andere Hersteller widmen). Überhaupt scheinen Fast & Furious-Modelle begehrt zu sein. Es ist das alte Spiel: In der Branche muss man sich nur daran orientieren, was Mister Ixo getan hat, um zu sehen, was geht. Denn Bernard Peres hat einfach das beste Näschen für Trends. Er hat eine Fast & Furious-Kiosksammlung initiiert, und die Modelle sind quasi ausverkauft, bevor sie ausgepackt werden. Und deshalb springen die anderen nun auf den dampfenden Zug auf.
Den niederländischen Großhändler und Triple-9-Hersteller Tom’s vermissten wir auf der Messe, dafür war Carmodel aus Italien erstmals da, ebenfalls ein Großhändler, der eigene Modellserien lanciert. Vom Inhaber Carlo Pretaroli erfuhren wir, dass seine 1:18-Resinelinie Maxima nach dem kommenden DeTomaso Deauville auslaufen soll, er für seine 1:18-sealed-Diecast-Linie Mitica einen neuen Hersteller fand und er nun völliger Eigentümer der Marke Polistil sei, die er bei Bburago fertigen lässt. Bei NZG machte der vor einem Jahr bereits gezeigte Bugatti Centodieci einen recht fertigen Eindruck. Norev überraschte mit der größten Menge an „Rohlingen“, ein breites Spektrum teils hoch interessanter und lange erwarteter Fahrzeuge (Porsche 944, ’62er Käfer mit Herbie-Potenzial, Mercedes W210, Opel Senator A2 und etliches mehr). Auch MCG zeigt mit interessanten Jung-Oldtimern wie VW Polo I/Audi 50 ein glückliches Händchen in der Vorbildauswahl, der lange erwartete Ford P7 steht kurz vor der Auslieferung, der weit gediehene Rekord D/Commodore B als Viertürer sieht klasse aus und ein Röhrl-Ascona A macht sicher vielen eine Freude. Und wer es wahrlich riesig mag, sah auf dem Eligor-Stand Modelle im Maßstab 1:6, welche die Eligor-Mutter EHK für internationale Partwork-Verlage produziert: BMW M3 E30, Renault 5 und den Golf I GTI, der sich für eine Partwork-Serie in Deutschland in der Testphase befindet.
2026 verspricht, ein interessantes Modellautojahr zu werden. Die Diskrepanz zwischen Ankündigungen und Material gewordenem Modellauto bleibt bestehen, nicht alles Angekündigten dürfte realisiert werden oder realisierbar sein. Nicht zuletzt des leidigen Themas der Lizenzen wegen.
Das Messemodell als Auslaufmodell?
Zuletzt das Thema Messemodelle: gaaaanz traurig diesmal! Wir wollen nicht voll Larmoyanz den vergangenen Zeiten hinterherjammern. Statt dessen erzählen wir, warum im vergangenen Jahr kaum jemand das auf 99 Exemplare limitierte Ixo-Messemodell, einen 1:43-Porsche, bekommen hatte. Die angeheuerten Stand-Ladies am Empfangstresen hatten etwas falsch verstanden und verteilten an jeden, der zufällig vorbeikam, großzügig ein Messemodell. Klar, dass die 99 Exemplare binnen einer Stunde verteilt waren. Und viele Händler, Journalisten und Freunde des Hauses gingen anschließend leer aus. Damit sich dies nicht wiederholt, erhielt man diesmal das Messemodell direkt aus den Händen des Chefs. Ein 1:64-Porsche, eben dem Trend entsprechend.
Nur ein 1:43er war im Angebot, Solido hatte einen aktuellen Elfer GT3 RS, der demnächst in den Fachhandel kommen wird. Natürlich gab es auch einen Ausreißer. Den gibt es immer. Er kam von Simba-Dickie, eine Bobby-Car-Miniatur. Und die sprach dem Trend zum Messemodell-Downsizing absoluten Hohn. Denn das Bobby Car präsentiert sich stolz im Maßstab circa 1:8 und ist damit das relativ größte Messemodell aller Zeiten. Trotzdem weist es ungefähr die Dimensionen eines traditionellen 43ers auf. Und damit diese Reportage überhaupt ein wenig mit Fotos von Give-away-Stücken illustriert werden kann, haben wir sogar drei Modellbahn-Waggons fotografiert. Alleine die Tatsache, dass wir das tun, verdeutlicht die Lage…
afs

Messefotos: afs










Modellfoto: kr

Modellfoto: bat

Modellfoto: bat

Bobbyfoto: bat

Waggonfoto: bat