Die unglückliche Alpine
In Führung liegend, wurde Jean-Luc Thérier auf Alpine A110 bei der Rallye Monte Carlo 1972 Opfer eines Sabotageaktes von „Fans“, was Sandro Munari zum Sieg verhalf. Solido miniaturisiert die unglückliche Alpine des unglücklichen Thérier.
Sie ist doch immer wieder bezaubernd, die alte, die originale Alpine A110 – also jene mit dem Namenszusatz Berlinette Tour de France, die 1961 erschien und bis 1977 gebaut wurde. Umso entzückender wurde sie, nachdem Renault 2017 mit viel Tamtam eine adipöse Wiederauflage unter demselben Namen auf den Markt brachte. Spätestens damals wussten wir, dass Retrodesign nichts als ein einfallsloser Abklatsch des Originals ist (falls wir es beim VW New Beetle noch nicht wahrhaben wollten)! Die neue Alpine A110 hat Solido seit 2018 im Programm, die ursprüngliche erschien 2021 und ist seither in mehreren Straßen- und Rallyevarianten erschienen.
Nun erneut, ein typisches Monte-Carlo-Rallyefahrzeug aus der für Motorsporthistoriker goldenen Ära, Rallye Monte Carlo 1972. Es ist der Wagen von Jean-Luc Thérier mit seinem Copilot Claude Roure mit der Startnummer 1, nach einem Unfall vorzeitig ausgeschieden. Die Monte 1972 war für das Team Alpine Renault ein Debakel, aber, aus der Adlerperspektive gesehen, nur ein temporärer Rückschlag auf dem Weg zur absoluten Rallyedominanz. 1971 hatte es einen triumphalen Dreifachsieg gegeben, und Alpine-Renault galt bei der Monte 1972 als Topfavorit. Der Vorjahressieger Ove Andersson, zeitweise führend, wurde durch einen Getriebeschaden eingebremst und landete auf dem bescheidenen 28sten Platz, Jean-Luc Thérier schied nach einem Unfall ganz aus, der dritte Werkswagen von Jean Andruet kam gerade mal auf den 26sten Platz. Die drei Werkswagen brachten also zusammen gerade mal einen Blumentopf mit nachhause. Pat Moss-Carlsson als Privatfahrerin hielt die Alpine-Flagge wenigstens hoch: Sie gewann die Damenwertung und schaffte den zehnten Gesamtplatz, gefolgt von Jacques Henry/Gérard di Nicola, ebenfalls A110. Sieger war übrigens Sandro Munari auf Lancia Fulvia HF 1600. Immerhin nutzte Alpine das schlechte Jahr 1972 zur Weiterentwicklung und vergrößerte den Hubraum des Motors auf 1800 Kubik. 1973 dann der historische Meilenstein: Alpine war zurück, Dreifachsieg bei der Monte, das Alpine-Team wurde zum allerersten Rallye-Weltmeister (WRC) der Geschichte.
Die Solido-Alpine ist formal ein gutes Modell, Dimensionen und Proportionen stimmen, die Dekoration (Drucke, keine Decals) und die weiß lackierten Stoßstangen entsprechen dem Vorbild, die Felgen auch, die Verarbeitungsqualität ist gut. Solido-üblich lenkt das Modell, die Türen gehen auf, der Innenraum ist nett und farblich gestaltet. Dass die Sicherheitsgurte lediglich ein buntes Druckwerk auf den schwarzen Sitzen sind, belegt, das wir hier von einem Extrembudgetmodell sprechen, bei dem der Controller dem Product Manager übergeordnet ist. Dennoch ist und bleibt die Solido-Alpine ein sympathisches Berlinettchen mit viel Charme. Wer absoluter Fan der A110 Berlinette Tour de France ist, hat seine Kyosho-Modelle prominent in der Vitrine stehen. Wer die ursprüngliche A110 mag, aber sie nicht in die erste Reihe stellen möchte, ist mit dem Solido-Modell gut bedient. Norev hat das gleiche Auto auch im Programm. Aber Norev konzentriert sich auf Straßenversionen und ist somit nicht präsent, wenn Startnummern auf den Türen kleben.
afs



Modellfotos: bat
Steckbrief:
Solido S1804210 Alpine A110 1600 S Rallye Monte Carlo 1972 (# 1, Jean-Luc Thérier/Claude Roure). Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 64,95 Euro.