Literatur

Lesen:  Matchbox 1-75 (1953-69)

Bowes, Michael und Ernst Plattner: Matchbox 1-75 (1953-69). Eigenverlag 2026. In Deutsch und Englisch. 196 Seiten. Keine ISBN-Nummer. Zu beziehen über www.blurb.de. Preis 107,11 Euro als Hardcoverbuch mit Schutzumschlag und ca. 9,20 Euro als Instant-PDF-Version.

Michael Bowes und Ernst Plattner haben gemeinsam schon mehrere Bücher über altes Spielzeug veröffentlicht. Als neuestes Werk liegt eine historische Abhandlung der Matchbox-Autos der Jahre 1953 bis 1969 vor, dem letzten Jahr, bevor die Regular Wheels von den Superfast-Modellen abgelöst wurden. Nun gibt es ja schon etliche Bücher zum Thema Matchbox, auch der Rezensent hat einige davon in seinem Bücherregal stehen. Doch dieses neue Buch ergänzt die vorhandenen Werke auf ideale Weise. Die beiden Autoren stellen nicht nur alle von 1953 bis 1969 erschienenen Grundmodelle vor, ein wichtiger Abschnitt des Buches zeigt alle jemals erschienenen Kataloge, sogar diejenigen aus Jahren, als es zwei Auflagen gab (1959, 1960 und 1969). Damit ist das Buch ein unverzichtbares Nachschlagewerk für jeden engagierten Sammler der Matchbox-Autos mit den Nummern 1-75 und den „richtigen“ Rädern. Auch werden Neuheiten der jeweiligen Jahre gezeigt, die Modelle mit gleicher Katalognummer ersetzten. Weitere Originaldokumente und zeitgenössische Bilder ergänzen die sehr gut recherchierten Informationen.

Zu Beginn erfährt der Leser Interessantes über den Beginn der Firma Lesney (zunächst mit dem Markenamen Moko), die ihre Miniaturen in einer Art Streichholzschachtel verpackte (Matchbox = englisch für Streichholzschachtel). Die Standardisierung der Schachteln hatte zur Folge, dass die Autos im Maßstab zum Teil doch sehr differierten. Durch die kostengünstige Herstellung der Druckgussformen stellten die in die Hosentasche passenden Metallautos ein große Konkurrenz zu den etablierten Marken wie Dinky Toys dar, vor allem in preislicher Hinsicht. Die Autoren gehen zudem auf die Umstände des Konflikts mit Mattel und deren Hot-Wheels-Modellen ein, die die Spielzeugautoszene der 70er Jahre entscheidend veränderten.

Der Matchbox-Sammler findet auch eine sehr informative Übersicht über die verschiedenen Radtypen und wann diese auf welchen Modellen verwendet wurden. Ein wichtiges Thema ist die maßstäbliche Einordnung der Modelle untereinander, auch für Freunde der Maßstäbe 1:87 und 1:76. Interessant, wie groß die Anzahl der Miniaturen ist, die zur jeweiligen Kategorie passen. Nur kurz erwähnt werden soll an dieser Stelle die Schienendraisine von Eheim beziehungsweise Brawa, die den Aufbau des VW T1 von Matchbox erhielt, sowie Ähnlichkeiten von einigen Matchbox-Autos zu H0-Modellen aus dieser Zeit (zum Beispiel beim Mercedes O 321 Reisebus im Vergleich mit dem Robur-Bus von Espewe). Weitere Themen sind die Episode der Autobahn „Arnold minimobil“, der an die Hot Wheels angelehnte Superfast-Rollbahn sowie Vergleiche zwischen Matchbox- und Wiking-Modellen. Diese Liste ließe sich weiter fortführen, jedoch soll hier dem potentiellen Leser nicht alles verraten werden.

Dem Verfasser gefällt besonders, dass die Autoren nicht nur perfekte Modelle in unbespieltem Zustand zeigen, sondern auch solche aus der Spielkiste mit kleinen Macken. Das möge die „Mint-Boxed-Fraktion“ anders beurteilen. Doch ein jeder soll nach seiner Façon sammeln. Hierzu ist dieses neue Buch eine große Hilfe, auch für alte Hasen. Dieses Buch gehört zumindest in der PDF-Version auf jeden Rechner eines Sammlers, auch wenn das Schmökern in einem echten Buch viel Vergnügen bereitet. Der Rezensent wird sich die Printausgabe mit großer Wahrscheinlichkeit noch zulegen.

kr