Karibikluxus und Steueroase
Als der Elfer noch ein Ur-Elfer war, also in seinen ersten Jahren, war Bahamagelb 6805 eine Modefarbe, besonders in der zweiten Hälfte der 60er. Damals eine Sonderfarbe, aber ziemlich populär, nicht nur für den 911, sondern auch für den vierzylindrigen 912. Es ist ein unaufgeregtes, warmes und kräftiges Gelb mit einem leichten Stich ins Orangefarbene. Jochen Rindt fuhr 1967 einen 911 S in Bahamagelb. Womöglich machte seine Popularität und Medienpräsenz die Farbe besonders bekannt (obgleich viele Medien damals noch eher schwarz/weiß waren). In dieser Zeit waren die meisten Autos ziemlich einheitlich in hellem Weißbeigegrau lackiert, und ein kräftig gelbes Fahrzeug stach gewaltig aus dem Einerlei hervor. Porsche war damals schon farbmutig, und die Porschefahrer waren es auch.
Heute, im Zuge der Verklärung jeglicher Vergangenheit als Bestandteil aufgeweckten Marketings und der Erklärung nahezu jeder heute noch halbwegs bekannten historischen Erinnerung zum „Kult“, ist Bahamgelb wieder verfügbar, als Paint-to-Sample-Farbe, also Sonderwunsch, kräftiger Aufpreis. Porsche spricht von der „Brücke zu den Klassikern“, welche diese althergebrachten Farben schlagen können. Nun gut.
Die Bahamas sind ein Inselstaat im Atlantik südöstlich der USA, und als Porsche den Farbnamen wählte, waren die Bahamas noch Bestandteil des Vereinigten Königreichs, Unabhängigkeit seit 1973, aber nach wie vor ist der britische König auch jener auf den Bahamas und man fährt links. Die Hauptstadt Nassau ist vom Bankengewerbe geprägt, die Bahamas gelten als Steueroase und entwickelten sich zu einem Finanzzentrum. Viele Treuhand- und Investmentgesellschaften sowie Banken haben dort ihren Sitz. Eine gute Adresse also.
Als Porsche für Bahamagelb votierte, war der Inselstaat in aller Munde, denn wesentliche Teile des James-Bond-Films Feuerball (englisch: Thunderball) von 1965 wurden hier gedreht. Im Gegensatz zu heute hatte ein James-Bond-Film vor 60 Jahren durchaus Bedeutung! Und die Neuverfilmung von Feuerball von 1983, Sag niemals nie (Never Say Never Again) spielt ebenso auf den Bahamas wie der 2006er Bond Casinio Royale. James Bonds traumhafte Kulisse jedenfalls galt fortan als Symbol für karibischen Luxus und beflügelte den Tourismus, und weil Kuba ab 1961 für US-Touristen wegfiel, besuchten sie die quasi daneben liegenden Bahamas. Die Jugendkultur in den 60ern sah die Bahamas auch als Sehnsuchtsort, nachdem die Beatles große Teile ihres Filmes Help! 1965 auf den Inseln drehten. Manche Stars wählten die Bahamas als Rückzugsort – nicht zuletzt der Bond-Darsteller Sean Connery. Es war jedenfalls eine gute Wahl von Porsche, einen Farbton, der die Farbe des Strandes aufgreift, nach den Bahamas zu benennen.
Und die gibt es nun wieder. Farbe nach Wahl, Aufpreis beim 2026er 911 GT3 genau 11.947,60 Euro. Norev lackiert einen 2021er GT3 in Bahamagelb, damals war der Aufpreis wohl noch etwas geringer. Der GT3 (diesmal kein GT3 RS) ist seit einiger Zeit bekannt, er gehört zu den ersten Vertretern von Norevs Porsche-Adrenalin-Offensive. Ausführlich vorgestellt wurde er in Caramini-online am 16. Mai 2024, damals in Lavaorange M2A, und wir wollen das Damalige nicht wiederholen, zumal es sich mittels eines Mausklicks via Suchfunktion nachlesen lässt. Die Parameter: all open, lenkbar, gefedert, er trägt die serienmäßigen GT3-Räder, die Bremsscheiben sind hochglänzend, also keine Keramikbremsen, und schon damals störten uns die verchromten Auspuffendrohre, die tatsächlich schwarz sein müssten. Sie stören uns heute wieder.
afs



Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 187387 Porsche 911 GT3 (Typ 992/I) 2021 gelb. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 99,95 Euro.