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News 1:18 Minichchamps BMW 3/15 PS Typ DA4 1931

BMW Dixi: Hat es nie gegeben!

Fast 100 Jahre alt ist die Minichamps-Neuheit, der BMW Dixi. Ein adretter und fescher Kleinwagen aus den 20er Jahren, der den Motorrad- und Flugmotorenhersteller BMW zum Automobilproduzenten machte. Minichamps hat den Kleinen zuckersüß wiedergegeben. Aber hat es ein Auto mit Namen BMW Dixi je gegeben? Nein!

Er kam als Austin zur Welt und Austin verkaufte seine Lizenz in die Welt. Herbert Austins Kleinwagen Seven, zwischen 1922 und 1932 produziert und von Stanley Edge gestaltet, wurde in Lizenz gebaut bei Rosengart in Frankreich, bei Datsun in Japan, bei der American Austin Car Company in den USA sowie in Deutschland bei der Willys-Ovenland Crossley in Berlin-Adlersdorf und bei den Dixi-Automobilwerken, also der Fahrzeugfabrik Eisenach, in Thüringen. Die hatte ab 1898 den Wartburg-Motorwagen (in französischer Decauville-Lizenz) gefertigt und gehört zu den deutschen Autopionieren mit Wurzeln im 19. Jahrhundert. 1904 erhielten die Fahrzeuge den bis 1932 gültigen Markennamen Dixi (lateinisch: „Ich habe gesprochen“). Der bis heute bekannteste Dixi ist der Typ 3/15 PS Typ DA (= Deutsche Ausführung) ab 1927, eben jene Austin-Seven-Lizenz. In dieser Zeit waren die Dixi-Werke ein Übernahmekandidat, bedingt durch die einsetzende Depression und Weltwirtschaftskrise, aber auch, weil der berüchtigte Börsenspekulant Jacob Schapiro zwischenzeitlich Eigentümer war.

BMW wollte in die Automobilproduktion einsteigen und kaufte 1929 Dixi auf. Der kleine Dixi wurde modifiziert von BMW Eisenach weitergebaut, aber stante pede umbenannt in BMW 3/15 PS DA2. Das heißt, einen „BMW Dixi“ gab es nie. Es gab einen Dixi 3/15 PS und einen BMW 3/15 PS. Und 1928, wie es uns Minichamps sowohl auf dem Modell als auch auf der Verpackung mitteilt, gab es auch noch keinen BMW 3/15 PS. Der kam erst im Juli 1929 und wurde bis Februar 1932 gebaut. Gegenüber dem ursprünglichen Dixi verfügte die BMW-Version bei den Limousinen (wofür sich Minichamps entschied) über eine etwas größere Karosserie mit breiteren und bis zum Schweller hinabgezogene Türen. BMW übernahm hierbei das Design der französischen Rosengart-Versionen des Austin und modifizierte die Karosseriekonstruktion zur Ganzstahlbauweise. Diese wurde beim Karosseriewerk Ambi-Budd in Berlin gebaut, wo BMW in direkter Nachbarschaft eine Halle zur Endmontage des Kleinwagens bis 1930 anmietete. Danach erfolgte die Endmontage in Eisenach. 1931/32 wurde der DA2 erneut überarbeitet, nunmehr DA4 mit Karosserieretouchen und neuer Vorderachse, gebaut bis März  und angeboten bis Ende 1932. Das war der letzte Dixi. Fortan baute BMW sechszylindrige Eigenentwicklungen in Eisenach. In München verblieben Teile der die Motorrad- und die komplette Flugmotorenproduktion, BMW-Autos aus München gab es erst nach dem Krieg.

Es ist ein DA4 von 1931. Dixi!

Was ist der von Minichamps so genannte BMW Dixi 1928 nun für einer? Ein BMW Dixi schon mal nicht, denn ein Auto mit dieser Bezeichnung gab es nicht. 1928 stimmt auch nicht, denn damals wurde noch der Dixi 3/15 PS Typ DA1 gebaut, das Minichamps-Modell trägt aber das BMW-Logo auf dem Kühler. Also ein früher BMW 3/15 PS Typ DA2 von 1929 bis 1931 oder ein späterer 3/15 PS Typ DA4 von 1931/32? Letzteres ist korrekt. Das Minichamps-Modell ist die letzte Ausbaustufe des Dixi, kein kleiner angehängter Kofferraum mehr, dafür eine leicht verlängerte und für vier Personen notdürftig ausreichende Karosserie, die Speichenfelgen mit Radblenden verkleidet (von wegen Stahlscheibenfelgen!), und wenn man das Modell umdreht, ist die vordere, von BMW äußerst primitiv konstruierte „Schwingachse“ zu sehen, die bei Fachleuten auf einhellige Ablehnung stieß.

Überhaupt ist das Chassis sehr liebevoll reproduziert. Vom Motörchen (Vierzylinder mit 748,75 cm³, schnuckelige 15 PS, 75 km/h schnell) ist nichts zu sehen, weil die unabhängige Vorderachskonstruktion das Aggregat verdeckt. Man sieht den Leiterrahmen in A-Form aus U-Profilen, die vordere Querfeder und hinten die Starrachse, Minichamps hat sogar an die Kardanwelle gedacht. Durch die Schwingachse hat der Typ DA4 einen leichten Sturz der Vorderräder (sie stehen ein wenig schrägt) im Gegensatz zum Vorgänger mit vorderer Starrachse (hier stehen sie absolut senkrecht). Das hat Minichamps nicht nachvollzogen, denn Modellautos haben fast immer eine Starrachse.

Minichamps hat die Karosserie zweigeteilt und zweifarbig lackiert, dem Vorbild entsprechend. Die Kotflügel sind einheitlich schwarz, nur der Aufbau ist individuell gefärbt. Die Kotflügel sind durch rudimentäre Trittbretter miteinander verbunden. Sehr schön gefertigt ist der verchromte Kühler mit dem freistehenden BMW-Logo (ganz so, wie der Mercedes-Stern auf dem Mercedes-Kühlergrill, bevor der Plakettengrill kam). Die Felgen konstruierte Minichamps wie klassische Stahlscheibenfelgen. Auf ihrer Rückseite ist nicht zu sehen, dass es sich tatsächlich um Speichenfelgen handelt, die lediglich mit einer scheibenförmigen Radkappe verkleidet sind. Die verchromten Nabenabdeckungen tragen das weiß-blaue Emblem. Während die Rücklichter eine separate, rote Linse im Chromrahmen aufweisen, sind die darunter situierten Katzenaugen nur ein Druckwerk. Die Scheinwerfer haben einen schwarzen Lampentopf mit Chromring und schön gravierte Linsen, verbunden durch eine Lampenstange. Das schwarze Dach sieht sehr nach Faltschiebedach aus, ist es aber nicht. Trotz Ganzstahlkarosserie hatte der BMW 3/15 PS DA4 noch eine mit Kunstleder verkleidete Dachhaut. Es gab aber ein Faltschiebedach für den Wagen, BMW nannte das „Sonnenschein-Limousine“. Sehr hübsch gemacht ist die charakteristische Anbringung der Scheibenwischer an der oberen Scheibenkante, mit frei stehendem Gestänge. Die funktionierten übrigens nicht elektrisch. Der Unterdruckwischer bezog seine Kraft direkt vom Saugrohr des Motors, wischte also nur bei laufendem Motor, und das drehzahlabhängig. Im Innenraum des BMW gab es einen kleinen Hebel direkt am Wischerantrieb, der manuelle Bedienung zuließ. Der Fahrer konnte also bei Bedarf die Scheibe von Hand frei wischen.

Minichamps hat mit dem „BMW Dixi“ einen zuckersüßen Oldtimer geschaffen, an dem alles stimmt – bis auf die Minichamps-eigene Bezeichnung des Produktes. Die stimmt überhaupt nicht. Aber wenn das alles ist, was wir kritisieren können, so ist das Gejammer auf hohem Niveau. Der Dixi ist sehr schnuckelig, und es hat fast schon etwas Erhebendes, ein Modellauto anzusehen, dessen Vorbild (fast) 100 Jahre alt ist. Tempus fugit.

Minichamps liefert den Kleinen in drei Farben in identischer Machart aus, die Kotflügel sind stets schwarz. Einziger Unterschied. Beim Dunkelroten sind die Radkappenscheiben ebenfalls schwarz, beim Blauen und Grünen in Karosseriefarbe, zudem ist ausschließlich beim Grünen die Ziersicke unterhalb der Seitenfenster schwarz lackiert.

afs

Der „BMW Dixi“ war ein weit verbreitetes Auto in den späten 20ern und frühen 30ern. Alleine von der DA4-Limousine, dem Minichamps-Vorbild, wurden binnen 13 Monaten 2575 Stück gebaut, und von allen Fahrzeugen dieser Baureihe, also vom Dixi und den BMW-Versionen, waren es 25.356. Etliche davon waren sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg knatternd, altersschwach und ächzend auf den Straßen unterwegs.
Modellfotos: bat
Ein paar Dixi-Impressionen aus dem Archiv: zeitgenössisches Schwarzweißfoto eines frühen BMW 3/15 PS, also des Typs DA2, mit winzigem Kofferraum. Auch wenn hinten Personen sitzen: Diese Version war nicht für vier Erwachsene geeignet. Darum entwickelte BMW den DA4, ohne Kofferraum, dafür mit verlängerter Karosserie.
Foto: Achiv afs
Ein echter Dixi, also kein BMW: Dixi 3/15 PS Typ DA1 von 1927 bis 1929. Ihn hat sein Eigentümer gewaltig aufgepeppt und spendierte ihm eine nachträglich einmodellierte Kühlerfront vom BMW 303/309 (1933 bis 1937). Das Autochen hat lange überlebt, Aufnahme in der DDR in den 50er Jahren. Da diente es nach wie vor als alltägliches Fortbewegungsmittel.
Foto: Archiv afs
Er hingegen ist ein früher Oldtimer. kaum später aufgenommen, aber eben an anderem Ort mit anderer Einstellung zum Automobil (und mit anderem politischem System). Dieser Typ DA2 wurde 1966 in der Schweiz neben seinem Quasi-Nachfolger BMW 700 fotografiert.
Foto: Archiv afs
Wegen seiner Putzigkeit und wegen seiner Popularität war der Dixi respektive BMW 3/15 PS schon immer interessant für Miniaturautohersteller. Hinten das Schuco-1:43-Modell, 2002 erschienen, als Limousine und Tourenwagen, und auch Schuco tat sich schwer mit der korrekten Bezeichnung: Das ist ein BMW 3/15 PS Typ DA2 von Juli 1929 bis Januar 1931 und mitnichten ein „BMW Dixi“ von „1929-1932“. Die beiden davor stehenden 1:50-Modelle mit Pappschachteln stammen von Espewe aus der DDR, offener Tourenwagen mit geöffnetem oder geschlossenem Verdeck, und das sind originale Dixi 3/15 PS mit Linkssteuerung, also DA1 (DA steht für „Deutsche Ausführung“). Die Winzlinge davor sind frühe Brekina-Modelle, das rote Coupé in Bildmitte ein privater Brekina-Umbau von Klaus Dörfer, und der ebenso hübsche wie präzise 1:87-DA4 im Vordergrund stammt von Ricko, ab 2004 von Busch importiert.
Modellfoto: bat

Steckbrief:

Minichamps 155024000 BMW 3/15 PS Typ DA4 1931 dunkelrot, 155024001 dito blau, 155024002 dito grün. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 119,95 Euro.