Kein Wonnemonat weil keine Formneuheit
Der Wonnemonat Mai muss ohne Formneuheiten bei der aktuellen Wiking-Auslieferung auskommen. Entschädigt werden wir dafür mit interessanten Farbvarianten bei Personen- und Lastwagen, auch ein Unimog ist mit von der Partie. Neue Bauteilzusammenstellungen gibt es auf der Basis von Magirus Eckhaubern. Alles in allem eine bunte Mischung. Für jeden Wiking-Sammler sollte etwas dabei sein, und sei es nur – wie bei jeder Neuheitenauslieferung üblich – die Gelegenheit für gewisse Herrschaften, ihr permanentes Missfallen kundzutun.
Personenwagen
Der erste, nach dem Zweiten Weltkrieg in München produzierte Personenwagen war der luxuriöse BMW 501, der legendäre „Barockengel“. Doch der Erfolg blieb bescheiden, Mercedes als Konkurrent war zu mächtig. So schlingerte BMW in eine Krise, weil auch der Motorrad-Nachkriegsboom abschwoll. BMW suchte sein Heil in Kleinstwagen, welche die Misere nicht abmilderten und BMW zum Übernahmekandidaten machte. Erst der BMW 700 und danach die „Neue Klasse“ in Gestalt des BMW 1500 bedeutete den Neuanfang. Die BMW Isetta, eine Lizenzproduktion der Iso Isetta des italienischen Motorradherstellers Iso Rivolta, gehörte zu den Rollermobilen, die BMW als Aufsteigervehikel für Motorradfahrer propagierte. Die Isetta, von BMW-Motorradmotoren angetrieben, behielt zwar die beiden Schmalspur-Hinterräder des Originals bei, doch es gab auch dreirädrige Versionen, was in manchen Ländern Steuervorteile brachte. Als „Isetta of Great Britain“ wurde das Fahrzeug in Lizenz im englischen Brighton produziert, auch rechtsgelenkt und dreiräderig. Der Putzigkeitsfaktor sorgte dafür, dass die Isetta auch in Nordamerika bekannt wurde und sogar als Statussymbol angesehen wurde. Wiking legt seine vierräderige Isetta aktuell in Weiß mit schräg über die Karosserie verlaufenden Streifen in den bekannten BMW-Motorsport-Farben wieder auf. Und das Fahrzeug existiert so im Original, das sogar vom „Sports Car Club of America“ und der „Vintage Auto Racing Association“ an Wettbewerben teilnahm. Das Typenschild identifiziert den Ursprung der Motorsport-Isetta als eine der wenigen britische Isettas, die den Weg nach Nordamerika fanden. Im Wiking-Programm erschien die BMW Isetta im Jahr 1996 und erlebte seitdem immer wieder Neuauflagen.
Die neue Farbversion des VW Käfer 1200 basiert auf dem historischen Modell von 1960. Wiking passte die Form mehrmals den Veränderungen des Vorbilds an. So besitzt das Modell Blinker, die ab 1961 die Winker ablösten. Ursprünglich verkaufte Volkswagen den Käfer nur unter den Bezeichnungen „Standard“ und Export“. Nach 1960 erhielten die Fahrzeugbezeichnungen zusätzlich Zahlen, die auf den Hubraum der Motoren schließen lassen. Dass das Modell keine „verchromten“ Stoßstangen besitzt, ist durchaus original. Es handelt sich ganz einfach um einen Standard-Käfer und nicht um das besser ausgestattete Export-Modell. Standard-Käfer hatten damals lackierte Stoßstangen. Im Jahr 1995 brachte Wiking einen VW Käfer 1200 aus neuen Formen auf den Markt. Wiking-Puristen bevorzugen das historische Modell.
Der Ford Taunus G73A ab 1948 entspricht bis auf Winzigkeiten dem Vorkriegsmodell, 1939 herausgebracht, Produktion kriegsbedingt unterbrochen. Ford produzierten G73A („Buckeltaunus“) als ersten Personenwagen ab 1948 in Köln, nachdem die Karosseriewerkzeuge, die sich bei Ambi-Budd in Ostberlin befanden hatten, nach langen Verhandlungen von der sowjetischen Militärverwaltung „freigekauft“ werden konnten. Die Karosserie entstanden aus Kapazitätsgründen in den ersten Monaten nach Produktionsbeginn noch bei Volkswagen. Als einzige Farbe war das Fahrzeug zunächst nur in Nachtschattengrau erhältlich. An diese Vorbildfarbgebung lehnt sich die Neuauflage des Wiking-Modells an, das zuerst im Jahr 1989 erschien.
Der erste Audi 100 (C1) von 1968 ist ein Personenwagen, der eigentlich nie hätte auf den Markt kommen dürfen. Der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Nordhoff (die Auto Union gehörte nach einem Zwischenspiel unter Daimler-Benz-Ägide zum Volkswagen-Konzern) entschied, dass in Ingolstadt keine Fahrzeuge mit der Bezeichnung „Audi“ mehr entwickelt werden durften. Die Gründe waren zum einen, dass sich der Audi F 103 schlecht verkaufte, und zum anderen sollte die Werkhallen in Ingolstadt für die Produktion des VW Käfer genutzt werden. Ohne Wissen des Vorstands ließ der Entwicklungsingenieur Ludwig Kraus, früher bei Daimler-Benz tätig, im Geheimen ein neues Audi-Modell, den 100er, konstruieren. Als das Projekt fertig gestellt war, wagten die „Verschwörer“, den Audi 100 Nordhoff zu präsentieren. Dieser stimmte zu, und anstelle der geplanten 100.000 Einheiten verließen von 1968 bis 1976 stattliche 827.474 Fahrzeuge die Werkhallen in Ingolstadt. Bei Wiking betrat der Audi 100 im Jahr 1971 die Welt des H0-Modellautokosmos. Die Neuinterpretation ist rot mit schwarzem Dach. Anfangs waren Zweifarblackierungen lieferbar, später ersetzte das optionale Vinyldach die aufwendige Zweifarblackierung.
Wiking führt den Volvo 850 Kombi seit 1996 im Katalog. Das sehr gelungene Modell erscheint nun in Hellgelb. Hierbei kontrastieren die senkrechten Rückleuchten besonders gut zur Karosserie. Der 850 Kombi war das erste Kombifahrzeug von Volvo, der senkrechte Rückleuchten erhielt, ein Merkmal aller Volvo-Kombis bis heute.
Lastwagen, Bau- und landwirtschaftliche Fahrzeuge
Jeder Modellautosammler kennt den Magirus KW 15 Kranwagen von Wiking, zum Zeitpunkt seines Erscheinens im Jahr 1981 eine modelltechnische Sensation. Dass er immer noch beliebt ist, zeigt die Tatsache, dass fast alle Sonderversionen nicht mehr erhältlich sind. Das Vorbild wurde ab 1955 gebaut und diente vor allem als Fahrgestell für Kranwagen und als Sattelzugmaschine sowie Großraumkipper, die letzten beiden vorwiegend für den Export. Der luftgekühlte V12-Dieselmotor leistete bis zu 250 PS. Insgesamt wurden 1570 Magirus Uranus gebaut, vorwiegend für Feuerwehren und Militäreinheiten. Wiking macht aus dem Kranwagen nun eine Sattelzugmaschine, setzt einen Rungenauflieger auf die Sattelplatte und spritzt das Ganze in Sandgelb ab. Neben dem Kaelble ist nun ein typisches Fahrzeug entstanden, wie es im Nahen Osten anzutreffen war. Dieses Modell ist des Verfassers persönliches Highlight der Mai-Auslieferung von Wiking.
Auch das Sattelzugmaschinen-Fahrgestell des Magirus Saturn Eckhaubers bekommt eine neue Funktion bei Wiking. Es dient jetzt als Abschleppwagen, eine Kombination, die es wahrscheinlich auch beim großen Vorbild gegeben haben könnte. Damit die Lücke zwischen Fahrerhaus und Kranaufbau nicht zu auffällig wirkt, platziert Wiking hier eine gleichfarbene Seilwinde. Auf dem Fahrerhausdach sitzt ein Stabwarnlicht. Diese Bauteilkombination wirkt durchaus authentisch.
Wiking kann seinen Aufsetztank universell auf der niedrigen Standardpritsche platzieren Das erste Modell war ein MAN 415 mit ESSO-Tank. Das aktuelle Modell zeichnet einen knallig orangefarbenen Magirus 100 D 7 mit Tank in der Gestaltung von „Klöckner Heizöl“ nach. Das Modell erinnert an das Werbemodell für Klöckner Heizöl aus dem Jahr 1974, ebenfalls auf der Basis des Magirus 100 D 7, allerdings als kurzer Tankwagen. Das Unternehmen Klöckner & Co. wurde 1906 als Stahlhandelsfirma gegründet. Im Jahr 1950 stieg man erfolgreich in das Heizölgeschäft ein. Als Fernwärme zunehmend das Heizöl verdrängte, begann der Niedergang. 1990 wurde der Klöckner-Konzern zur Konkursvermeidung an die Deutsche Bank verkauft, die seine Bestandteile an verschiedene Interessenten verteilte. Die Mineralölsparte ging zum 1. Januar 1997 an den Mineralölkonzern Dea.
Ein Großer in der Baustoffbranche ist die Marke „Raab Karcher“, seit Mitte des 19. Jahrhunderts existent. Heute gehört Raab Karcher zu Stark Deutschland und stellt deren umsatzstärkste Handelsmarke dar. Der von Wiking miniaturisierte Mercedes LPK 2223 mit flacher Kipp-Pritsche transportierte im Original kaum Schüttgüter wie Kies oder Sand, sondern Baustoffe wie Ziegel oder Zementsäcke.
Der Unimog U 401 erscheint in der Ausführung als Scheunenfund. Wiking spritzt hierbei des Fahrerhaus in einem zweifarbigen Kunststoff in Smaragdgrün und Rostbraun ab, um eine verrostete Oberfläche zu imitieren. Deshalb ist jedes Modell ein Unikat. Die Pritsche zeigt sich in einen frischen Holzfarbton. Dies lässt vermuten, dass die Pritsche durch Sandstrahlen oder Ablaugen von der alten Farbe befreit wurde. Eine nette Idee, der Unimog im Prozess der Restaurierung. Dazu gibt es passend einen landwirtschaftlichen Pritschenanhänger, der in dieser Kombination zum ersten Mal beim Modell 9 „Weinlese“ des kleinen Wiking-Ladens von Michi Bloeßl erschien. Die Pritsche des Opel Blitz Sattelzugs wurde auf ein zweiachsiges Fahrgestell gesetzt, fertig ist ein schmaler Anhänger, wie er auf vielen kleinen Bauernhöfen im Einsatz war.
kr

Modellfotos: kr










Steckbrief:
Wiking 0808 11 BMW Isetta 1955. Karosserie weiß mit BMW-Motorsport-Streifen. IA und FG schwarz. Stoßstangen silbern. Radkappen weiß. UVP 17,49 €.
0030 04 Volkswagen Käfer 1200 1961. Karosserie und Felgen grünbeige. FG silbergrau. Radkappen silbern. Verglasung getönt. UVP 14,49 €.
0820 05 Ford Taunus G73A 1948. Karosserie und Felgen blaugrau. IA achatgrau. FG silbern. UVP 13,99 €.
0120 49 Audi 100 1968. Karosserie verkehrsrot klarlackiert. Dach schwarz. IA beige. FG und Felgen silbern. UVP 17,49 €.
0264 09 Volvo 850 T5-R Kombi 1993. Karosserie hellgelb. IA und FG schwarz. Felgen grau. UVP 18,99 €.
0518 43 Magirus Uranus 250 A Rungensattelzug. Alle Hauptbauteile sandgelb. Rungen, Suchscheinwerfer, Luftfilter und Kühlergrill olivgrau. Zwei orangetransparente Warnlichter. UVP 28,99 €.
0808 98 Magirus 100 D7 Pritschenwagen mit Öltank „Klöckner Heizöl“. Alle Hauptbauteile und Felgen reinorange. IA basaltgrau. Pritscheneinlage und Unterteil des Tanks schwarzgrau. UVP 22,99 €.
0631 05 Magirus Saturn 156 D 15 S Eckhauber Abschleppwagen 1958. FH, Aufbau und Seilwinde weinrot. FG, Kotflügel, Kühlergrill und Felgen schwarz. Verglasung getönt. Ein orangetransparentes Warnlicht. UVP 21,99 €.
0424 09 Mercedes LPK 2223 Flachpritschenkipper „Raab Karcher“ 1963. FH und Kipp-Pritsche hellrot. IA braun. FG, Felgen, Kotflügel und Kühlergrill schwarzgrau. UVP 22,99 €.
0368 06 Unimog U 401. FH smaragdgrün/oxidrot meliert. IA grüngrau. Pritsche in Holzoptik. FG, Kotflügel, Kühlergrill und Felgen oxidrot. UVP 19,99 €.
0879 06 Landwirtschaftlicher Anhänger. Pritsche grün. FG graublau. Felgen feuerrot. Beiliegend Deichsel mit kleiner Öse. UVP 12,49 €.