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News 1:18 MCG Opel Corsa B 1993

Der kleine Charmeur

Der Frauenliebling. Der Frauenversteher. Das Mädchenauto. Der Liebling der jungen Damen. Das Auto, das deren Beschützerinstinkt weckt. MCG macht den Opel Corsa B, den kleinen Charmeur, in gleich vier sympathischen Versionen.

In aktuellen Testberichten, beispielsweise erst jüngst in der Auto Motor Sport, wird der heutige Opel Corsa F als ziemlich langweiliger, fahrunaktiver und äußerst durchschnittlicher Kleinwagen beschrieben. Das war längst nicht immer so. Gerade die ersten beiden Generationen waren gut konstruierte und sehr pfiffig ausgestattete Autochen, beider Generationen Design wohl durchdacht und attraktiv. Besonders der zweite Corsa zwischen 1993 und 2000 blieb in bester Erinnerung. Er war der Liebling der Damen jedweden Alters, und gerade die jungen Mädchen liebten ihren Corsa sehr, den ihnen ihr Herr Vater zum Abi schenkte oder den sie sich mit dem ersten verdienten Geld leisteten. Da gab es raffinierte Sondermodelle, geniale Farbtöne, schnuckelige Innenausstattungen, und selbst bei den Felgen ließ sich die Opel-Designabteilung Kreatives einfallen: unvergessen sind die „Bärchen-Felgen“ (Ronal Teddy), welche den Corsa B restlos zum Mädchenauto machten.

Das Styling des Ach-wie-süß-Corsa stammt von Hideo Kodama, und er erntete dafür sehr viel Lob – dafür wurde er für die Figur des Corsa C (der mit den „Hasenohren“) umso mehr gescholten. Kodamas Corsa B setzte auf den Kindcheneffekt mit Kulleraugen, hoher Stirn und babyartigem Kühlergrill, und mit 63 Prozent weiblichen Käufern (und bestimmt noch mehr Prozent weiblichen Fahrern) war er das absolute Frauenauto. Der Innenraum war nicht schnuckelig, sondern fetzig gestylt, je nach Ausstattung sehr farbenfroh. MCG macht den Corsa B in der Ursprungsversion vor dem Facelift im März 1997.

Der Rote ist die Standardausführung, ein Corsa City mit hellgrauer Innenausstattung, Sitzflächen im Design von Tischdecken für Balkon oder Küche, ein absolut unprätentiöses Stino-Auto mit Stahlfelgen und kleinen Plastikradkappen. Für ihn gilt, ebenso wie für die anderen Corsas (Corsen, Corsaren?) eine absolut passgenaue Form, vordere und hintere Abschleppöse in den Stoßfängern, Dachantenne, vorbildgetreue Dekoration. Er ist laut Heckschriftzug ein 1,2i, an den Türen das „City“-Emblem. So schön er von oben ist, so wenig sehenswert ist das Chassis, und nach wie vor bedauern wir an MCG-Modellen ihre Starrachsigkeit. Lenkbare Vorderräder würden den Eindruck sehr beleben. Das Sondermodell Atlanta mit dreispeichigen Alufelgen, das „in echt“ ein Glasschiebedach hatte (fehlt am Modell) ist in schwarzem Unilack gehalten. Dem Schwarz ist ein Hauch Blau beigemischt, aber um es „Dunkelblau“ zu nennen, ist es zu schwarz. Der Atlanta, ein 1.4i, verfügt über ein etwas langweiligeres Interieur, auch hellgrau, die Sitzflächen zwar bunt gepunktet, aber eben so dunkelbunt, dass es beinahe schwarz wirkt. Er ist, wie der rote Joy, mit dem Lenkrad mit Airbag, also 1994er Modell, ausgestattet. Der GSI 16V ist silbern (Rauchgraumetallic), innen hellgrau mit Polsterdesign „Network“. Auch er hat die passende Dekoration, Bespoilerung und die typspezifischen Alufelgen im 3-Dppelspeichen-Design, damals aufpreispflichtig. Er liegt uns nicht als Fotomuster vor. Bleibt der Joy, ebenfalls ein 1.2i, mit (uninspiriert gestalteten) Plastikradkappen auf Stahlfelgen – also die vierte Felgenvariante des MCG-Corsa. Er muss ein ganz frühes Fahrzeug sein, denn hier verbaute MCG das airbaglose Lenkrad. Er besticht durch eine absolut fetzige Außenfarbe, ein sehr intensives Türkismetallic mit Opel-Namen Karibikblaumetallic (obgleich in unserer Wahrnehmung das Grün über das Blau herrscht). Das war eine sehr typische Corsa-B-Farbe, äußerst cool. MCG kombiniert sie mit einem poppigen Interieur, das so schön bunt ist, dass wir es einfach zeigen wollen. Für dieses Unterfangen war uns die Mühe nicht zu viel, das Auto zu zerlegen (geht ganz einfach, vier Kreuzschlitzschrauben), denn durch die geschlossenen Scheiben könnte die Kamera dieses Farbenmeer nicht einfangen.

Mit dem Corsa B ist MCG nicht nur ein fehlerfreies und in seiner Einfachheit gut konstruiertes Modellauto gelungen. Er macht auch einer ganzen Kohorte Freude, die ihn auf den Straßen sah, selber fuhr, ihre (ersten) Autoerfahrungen damit gemacht hat. Und etwas Wehmut schwingt für diese Generation auch mit. Aus dem Straßenbild ist der Corsa B verschwunden, bis auf ein paar arg abgenudelte, letzte Exemplare. Der Corsa B ist reif für den Opel-Splash, ist zum jungen Klassiker gereift. Und gleichzeitig sind all die jungen Mädchen, die ihn damals fuhren, auch keine jungen Mädchen mehr.

afs

Drei von vier Neuen: Kleine Corsa-B-Sammlung von MCG, einer schnuffeliger als der andere.
Modellfotos: bat
Es sind nicht nur die unterschiedlichen Farben und die ausstattungstypische Dekoration, was die Auswahl zur Qual macht. Die Corsas von MCG tragen auch unterschiedliche Felgen und Lenkräder, was ihnen in Summe einen verschiedenen Charakter verleiht.
Normalerweise setzen wir keinen Schraubendreher an, wenn wir Modelle rezensieren. Hier ausnahmsweise schon. Dieses herrlich gestaltete Interieur ist am besten zu sehen, wenn es separat auf dem Fototisch steht.
Sammeln nach Farben. Von oben nach unten, also von groß nach klein die MCG-Neuheit, das Ixo-Modell in 1:24 aus der Kioskserie Die Opel-Sammlung, das Ixo-Fachhandelsmodell in 1:43 und der seinerzeitige Opel-Giveaway-Werber von Herpa in 1:66. Womöglich gab es den Corsa B von Herpa auch in 1:87 im passenden Farbton Karibikblaumetallic, aber in unserer Sammlung befindet sich der H0-Winzling nicht.

Steckbrief:

MCG 18513 Opel Corsa B City 1993 rot, 18514 dito Joy türkismetallic, 18905 dito Atlanta schwarz und 18515 dito GSI 1993 silber. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP je 64,95 Euro.