Grau wie ein Araber
Edel mit Weißwandreifen aufgemacht, innen in zurückhaltendem Schwarz und außen in mausigem Arabergrau lackiert: Norev macht den Mercedes W108 in einer äußerst ungewöhnlichen Farbgebung, exklusiv erhältlich über die Mercedes-Accessoire-Schiene.
Wie grau ist ein Araber? Ist ein Araber überhaupt ein Mensch oder ist es ein Pferd – bezogen auf die Mercedes-Farbbezeichnung? Das zu entscheiden, ist schwierig. Mal abgesehen davon, dass eine Farbbezeichnung heute niemals nach einer ethnischen Gruppe erfolgen würde, weil das einen Skandal hervorrufen würde – weder arabische Menschen noch Araberpferde sind grau. Der Mensch schon mal gar nicht (was seine Haut betrifft, vielleicht im Alter sein Haar), aber der Araber als Pferd ist auch nicht zwingend grau. Alle Farben seien zulässig, klärt uns Brehms Tiefleben auf. Alle Farben beinhaltet auch Grau, und das nehmen wir als Indiz, dass sich Daimler-Benz seinerzeit bei der Benamung der Farbe am Pferd orientierte. Das ist einerseits logisch – und andererseits eine Ehrenrettung für den Konzern in der Jetztzeit, die nicht mit seinerzeit vergleichbar ist. Denn Arabergrau 124 gab es auf der Mercedes-Palette zwischen 1963 und Frühjahr 1972. Damals dachte man anders. Man lackierte auch anders, sollte man meinen. Aber das Arabergrau ist heute moderner und modischer denn je – das Wehrmachtsgrau als Unilack ist nicht nur in aller Munde, sondern auch auf aller Blech. Damals, in den 60ern, verbindet man es am ehesten mit der Heckflosse, eher mit dem Sechs- als mit dem Vierzylinder, und mit frühen Pagoden (Norev lackierte vor nicht allzu langer Zeit die Pagode in Arabergrau, Caramini-online vom 3. März 2024). Mit dem W108 eigentlich weniger – und wenn, dann mit frühen Modellen, also dem 250er. Als aus diesem der 280er wurde, im fernen Jahr 1968 war’s, war Arabergrau zwar noch im Mercedes-Farbenpool, aber es war altmodisch, out, von gestern, passé. Außerdem war es eine Sonderlackierung, also gegen Aufpreis.
Die schwarze Innenausstattung ist natürlich denkbar. Aber ist sie erste Wahl? Würde nicht Rot viel besser passen? Mag sein, aber hätte, hätte, Fahrradkette – Daimler-Benz orderte den W108 bei Norev so, wie Norev ihn lieferte und nicht so, wie irgendwer ihn sich wünschen mag. Und Geschmäcker sind bekanntlich Geschmackssache.
Das Auto selber kennen wir, es ist nicht neu. Aber es ist sehr gut. Besonders schön sind die Zierleisten an der Flanke und am Schweller gestaltet: nicht bloß silbern bedruckt, sondern chrombedampft. Im Kofferraum findet sich ein unverdecktes fünftes Rad, ebenfalls mit weißem Ring, aber mit Radkappe, was einem Reserverad eigentlich nicht zu Gesichte steht. Trotz älterer Norev-Konstruktion wirkt der Motor sehr dreidimensional, und vor allem herrscht Farbe unter der Haube vor, der Block und seine Anbauteile sind silbern (im Original Block aus Gusseisen, Kopf aus Alu), die Batterie und die Flüssigkeitsbehälter sind in mattem Weiß gehalten. Die Scharniere der beiden Hauben sind etwas krude, alte Norev-Schule, dafür haben die Türen versteckte Scharniere und schließen mit sattem Klang. Die schwarze Innenausstattung hat ihre Vorteile. Von Schwarz hebt sich das hölzerne Braun am Armaturenbrett gut ab, bei Rot wäre das nicht der Fall. Wer diesen 280 SE konfigurierte, investierte zwar in optionale Weißwandreifen, beließ es aber beim schwarzen Lenkrad. Das Elfenbeinfarbene hätte ein paar Taler Aufpreis gekostet. Er war offenbar ein Schwarzseher und kultivierte das auch im Auto. Der Boden ist an diesem Modell ebenfalls sehenswert – schon alleine, weil man an Autos aus den 60er und 70er Jahren noch Technik zu sehen bekam. Und Norev hat sie gut nachgebildet, vor allem die (veraltete und seinerzeit viel diskutierte) Eingelenk-Pendelachse ist schön anzusehen. Die via Mercedes vertriebenen Modelle tragen auf dem Boden einen Aufdruck mit ihrer Ersatzteilnummer. Das haben Norev-Fachhandelsmodelle nicht.
Den exakten Zeitpunkt, ab wann das Modell im Mercedes-Shop zu kaufen sein wird, können wir nicht sagen. Wir wissen, wann Norev an Daimler-Benz liefert. Aber wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis Daimler-Benz das Modell als verfügbar listet. Der Araber dürfte und sollte wohl Ende Mai erhältlich sein.
afs




Modellfotos: bat

Steckbrief:
Norev B6 604 0718 (Mercedes-Bestellnummer) Mercedes 280 SE W108 1968 Arabergrau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 120 Euro.