Der Vierte für den Fachhandel
Drei Farbvarianten, allesamt attraktiv zweifarbig lackiert, gibt es bereits vom Großen Karmann von Norev. Nun kommt die vierte, diesmal einfarbig Grün, und dies ist die erste Fachhandelsversion. Einfarbig Smaragdgrün steht dem Karmann Ghia 1500 ausgesprochen gut.
Smaragdgrün L514 ist die erste Fachhandelsfarbe. Nach drei Sondermodellen, nach sieben Monaten Wartezeit. Nun kommt das Volkswagen 1500 Karmann Ghia Coupé von Norev in dunklem Grün regulär in den Handel. Warum läuft das eigentlich so?
Es gibt Modellautos, die Norev aus eigenem Antrieb, auf eigene Faust, auf eigene Kosten entwickelt. Die erscheinen ganz normal im Fachhandel. Reine Industriemodelle sind eine Auftragsarbeit seitens Norev’. Sie werden entwickelt, produziert und (zunächst) ausschließlich an den Auftraggeber geliefert. Manchmal rechnet sich auch eine nachgeschobene Fachhandelsversion (nicht immer!), dann nimmt sie Norev nach einer vertraglich geregelten Höflichkeitsfrist ins eigene Programm auf, in anderer Farbe.
Sodann gibt es Modelle, die in Kooperation, beispielsweise mit einem Automobilhersteller, entwickelt werden. Norev zahlt die Entwicklung und der Automobilhersteller klinkt sich mit dem Versprechen einer regelmäßigen Abnahme von Modellen in speziellen Farben ein. So läuft das beispielsweise mit Daimler-Benz. Norev hat dadurch ein geringeres Risiko, weil der Autohersteller eine gewisse Menge garantiert abnimmt. Ähnlich verläuft es mit Modellen, die in Zusammenarbeit mit einem Modellautogroßhändler entwickelt werden. Der bestimmt das Layout (all open oder sealed) und garantiert, das Modell in einer oder mehreren Farben in einer gewissen Stückzahl abzunehmen. Das hat er dann exklusiv, und vereinbart ist, dass Norev seine Fachhandelsversion ebenfalls erst nach einer vertraglich geregelten Frist ins Eigenprogramm aufnimmt.
Für den Sammler hat dies Vor- und Nachteile. Der größte Vorteil ist, dass so manches Modell seine Existenz überhaupt erst dem Wunsch eines engagierten Großhändlers verdankt. Es wäre auf Norev-Initiative nie entstanden. Ein weiterer Vorteil ist die Exklusivität, denn ein Großhändler bestellt eine limitierte Zahl (beispielsweise 1000 Modelle je Farbe), wohingegen Norev für den Fachhandel vermeintlich unlimitiert produziert (tatsächlich natürlich auch limitiert, nämlich so viele, wie verkäuflich sind, aber die Stückzahlen werden nicht kommuniziert). Der Nachteil ist, dass nur jene Fachhändler das Modell im Angebot haben, die bei eben jenem Großhändler bestellen. Und nicht jeder Fachhändler kann jeden Großhändler leiden. Außerdem bestellt nicht jeder Fachhändler via Großhändler. Er kann schließlich auch direkt bei Norev ordern und muss den Umweg über den Großhändler nicht machen.
Das Volkswagen 1500 Karmann Ghia Coupé beauftragte ein Großhändler und erhielt es sukzessive in drei Farben, Seeblau mit weißem, Manilagelb mit schwarzem und Pazifikgrün mit weißem Dach (Auflage je 1000 Stück). Und jetzt ist dieser „Deal“ abgefeiert, der Karmann ist reif für das allgemeine und unlimitierte Fachhandelsprogramm, er kommt erstmals einfarbig, nämlich in Smaragdgrün L514. Wenn die vierte Farbvariante (innerhalb von sieben Monaten) kommt, bedeutet das, dass die Hardcore-Karmannisten bereits versorgt sind und sich wenigstens einen Zweifarbigen bereits besorgt haben. Eigentlich ist das Auto „verbrannt“, der Hype um die Neuerscheinung ist vorbei, das Thema ist gegessen. Gleichsam will Norev sein Produkt natürlich auch allen zugänglich machen und sich selbst damit schmücken, und deshalb wird der Grüne nun nachgeschoben. Bestimmt gibt es Grün-Fans, bestimmt auch Sammler, die sagen, die Karmann-Linie harmoniere nur mit einer einfarbigen Lackierung, und sicherlich sind da auch einige, die ihrem Fachhändler um die Ecke (ja, das soll es noch geben) treu sind, nur bei ihm kaufen und somit nur kaufen, was er im Angebot hat. Der Smaragd hat also durchaus seine Daseinsberechtigung.
Im Sommer schwitzen und im Winter frieren
Das Smaragdgrün ist dunkel, aber nicht zu dunkel, nicht schwarzgrün wie die Tanne, eben grün wie der Smaragd. Innen ist das Modell in jenem hellen Beige gehalten, wie es typisch für die Kunstledersitze von Volkswagen in den 60er Jahren ist. Wenn man das Interieur ansieht, meint der Betrachter, er könne richtig gehend sehen, wie die Passagiere im Sommer auf den Plastikbezügen schwitzen und im Winter frieren und wie sie auf der glatten Oberfläche bei schneller (!) Kurvenfahrt hin- und herrutschen. Trotz Karmann, trotz Osnabrück: Das Coupé ist und bleibt ein Volkswagen, wenngleich es zu seiner Zeit der teuerste und luxuriöseste Volkswagen war. Das Armaturenbrett ist oben schwarz gepolstert, seine Fassade mit den drei Armaturen und der runden Lautsprecherblende ist nicht verkleidet, sondern aus in Wagenfarbe lackiertem Blech gehalten. Norev trifft den Farbton völlig richtig, keine Nuancen zwischen der Metallkarosserie und dem Armaturenbrett. Metallkarosserie? Ja, aber mit Einschränkungen. Der komplette Pavillon ist aus Stabilitätsgründen einteilig und aus transparentem Kunststoff gefertigt. Die Dachhaut ist, ebenso wie das Armaturenbrett, in Karosseriefarbe lackiert, die Fensterumrandungen sind chrombedampft. Überhaupt ist jedes Chromteil entweder separat eingesetzt oder chrombedampft. Außer kleinsten Winzigkeiten (das ist ein Pleonasmus, darüber freut sich der Liebhaber der deutschen Sprache!) wie dem Türschloss oder der Umrandung der Seitenblinker sind keine silbernen Druckwerke zu sehen. Das gibt dem Karmann eine Aura großer Wertigkeit! Natürlich lenkt er, alles geht auf (federn kann er leider nicht) – was die Einzelheiten des Modells betrifft, verweisen wir auf die Präsentation des seeblauen Modells mit weißem Dach (das war der Erstling) in Caramini-online vom 16. November 2025. Und über das Vorbild ist dort auch etliches zu erfahren.
Die vierte Farbe/Farbkombination also. Es wäre noch einiges möglich. Zwischen 1962 und 1963 bot der Karmann-Farbtopf zehn Farben, die mit jeweils einer optionalen Dachfarbe kombiniert werden konnten. 1964 kamen neue Farben hinzu, alte fielen weg, nun waren es elf Grundfarben, ab 1965 wieder zehn, 1966 reduzierte sich das Angebot auf neun, 1967 auf sieben und im letzten Produktionsjahr 1968/69 waren es noch sechs, jeweils mit schwarzem oder weißem Dach lieferbar. Bei einzelnen Tönen war die Dachfarbe sogar Cobaltblau, Fontanagrau oder Texasbraun, und das Weiß des Daches war auch nicht stets dasselbe. Die Frage ist nur, ob ein Nischenmodell wie der Karmann Typ 34 noch so sonderlich viele Norev-Versionen zulässt.
afs




Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 188648 Volkswagen 1500 Karmann Ghia Coupé Typ 34 1962 dunkelgrün. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 99,95 Euro.