Literatur

Lesen: Das Ende des Heel-Verlages

Keine Bücher mehr von Heel

Es hat sich kaum herumgesprochen, das Ende verlief für die Leserschaft still und heimlich: Der Heel-Verlag hat keine Zukunft mehr. Betrüblich für Leser von Auto- und Motorradliteratur. Etliche Titel sind weg vom Markt, ein Mitspieler weniger im Verlagskosmos.

Es ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das heißt, der Heel-Verlag kann seine Insolvenz unter Aufsicht eines Sachverwalters selbst regeln, ist also Insolvenzverwalter in eigener Sache. Im Regelfall bedeutet dieses Instrument der deutschen Insolvenzordnung Hoffnung auf Erhalt des betroffenen Unternehmens durch Sanierung. Nicht aber im Falle des Heel-Verlages, wie der Verleger Franz-Christoph Heel selbst mitteilt. Er strebte einen Verkauf aus der Insolvenzmasse an („übertragende Sanierung“ durch den Käufer), scheiterte aber daran. Es gab Übernahmegespräche durch den Motorpresse-Verlag in Stuttgart (Zeitschriften Auto Motor Sport, Motor Klassik, Mot, Sport Auto etc.). Ein Brancheninsider berichtet, die Verhandlungen seien gescheitert, weil Heel habe weitermachen wollen wie bisher, aber eben andere dafür habe zahlen lassen wollen. Und weitere Aufkäufer als Motorpresse kommen derzeit wohl kaum in Frage. Denn die Branche leidet sehr, vor allem Autobücher sind schwierig zu verkaufen – zum einen, weil das Thema Automobil durch fortwährende wirtschaftliche Hiobsbotschaften derzeit eher negativ besetzt ist, außerdem weil die Leute momentan Sorgen um die Welt- und die eigene Lage haben und deshalb erbauliche Hobby-Literatur für sie weniger wichtig ist, zudem weil Bücher aufgrund der Papierpreise sehr teuer geworden sind und weil die breite Masse langsam aber sicher das konzentrierte Leser längerer Abhandlungen (wie eben Bücher) verlernt. Und in den automobilen Special-Interest-Zeitschriften des Heel-Verlages (Themen Porsche, Ferrari) ist das Anzeigengeschäft eingebrochen. Schlechte Zeiten also für Autobücher und -zeitschriften, noch schlechtere für den Heel-Verlag!

Der Heel-Verlag existierte ab 1980, seit 1998 im denkmalgeschützten Wohnhaus des Gutes Pottscheid in Königswinter, tief im Westen, wo die Sonne versinkt, nahe bei Bonn. Heel verlegte Auto- und Motorradbücher, setzte aber zunehmend auch auf Trend-Themen, war Spezialist für Kalender und hatte einige Special-Interest-Zeitschriften im Programm (Armbanduhren, Thermomix, Porsche, Ferrari). Die Zeitschrift Porsche-Fahrer übernahm schon vor einem Jahr der Bielefelder Delius-Klasing-Verlag (Teil der Medienholding Klambt, spezialisiert auf Yellow Press). Schon damals rumorte die Gerüchteküche bezüglich des Heel-Verlages, die Übernahme war ein Zeichen für den Weg nach unten. Brancheninsider analysieren, Heel habe sein zuvor klares Profil zunehmend verwässert, und Trendthemen hätte eben die Eigenschaften, die auch ihr Inhalt, der Trend, habe: Sie seien kurzlebig, und die Vorbereitungszeit für ein Buch dauere lang. So sei so mancher Trend bereits von gestern gewesen, als Heel mit dem entsprechenden Buch auf den Markt kam. Am 1. Juni dieses Jahres wurde nun das Insolvenzverfahren eröffnet und sehr rasch wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt und die offizielle Website abgeschaltet. Viele Mitarbeiter haben bereits bei anderen Verlagen eine Anschlussbeschäftigung gefunden. Aber die Heel-Autoren schwimmen frei. Gerade in der Autoliteraturbranche ist die Luft dünn. Die wenigen Spezialverlage haben zumeist ihre Stammautoren, welche die wichtigen Themen abdecken. Wer Spezialist für ein solches wichtiges Thema bei Heel war, müsste also einen bei einem anderen Verlag etablierten Stammautor ergänzen oder wegboxen – was beides nicht einfach ist.

Hans-Christoph Heel will das Verlagsgeschäft nicht ganz aufgeben und macht weiter in der Edition Lempertz, Eigentümerin ist seine Ehefrau Antje. Der Schwerpunkt liegt auf Kochbüchern und Regionalia – für Automobilenthusiasten also weniger spannend.

Ganz interessant ist, dass die Heel-Insolvenz im Juni, als sie eingeleitet und vom Insolvenzgericht bekannt gemacht wurde, zunächst kaum medialen Widerhall erfuhr. Recht früh berichtete der Bonner General-Anzeiger (am 12. Juni), für den das Heel-Ende ein Thema der regionalen Wirtschaftsberichterstattung war. Daraus erfuhr auch Caramini-online vom Ende des Heel-Verlages (ein Leser schickte uns freundlicherweise den Artikel des General-Anzeigers zu). Erst jetzt, sechs Wochen später, tröpfeln einzelne Informationen aus dem Netz – gerade so, als sei die Insolvenz eines fast 50 Jahre alten Verlages etwas Selbstverständliches.

afs

Willkürlich herausgegriffen und auf dem weißen Klavier drapiert: drei Autobücher aus dem Heel-Verlag. Kaum ein Autointeressierter hat kein Heel-Buch in seinem Bücherregal stehen.
Foto: afs
Pottscheid, Königswinter