Jugendsünde
Saturday Night Feeling, Disco, viel Alkohol, hoch gefährliche samstagnächtliche Heimfahrten, testosterongesteuert: Das gehört zu den 80ern und der Scirocco II gehört ebenfalls dazu. Er ist die typische Jugendsünde. Norev bringt eine neue Variante, einen GTX 16V in Flashsilver.
Vor über 70 Jahren erschien der erste sportliche Volkswagen, der Karmann Ghia. Eine sportliche Coupéversion des Volumenmodells gehörte ewig lang zur Kernkompetenz des Konzerns, der Scirocco konkurrierte mit dem Ford Capri und Opel Manta und war eine wichtige Größe am Markt. Mit dem etwas abgehobenen Corrado hatte Volkswagen ein weniger glückliches Händchen, und ihm folgte nach coupélosen Jahren 2008 als letzter Versuch ein neuerlicher Scirocco, nach wie vor auf dem Golf basierend. 2017 gab Volkswagen dieses Segment kampflos auf.
Norev hat zwei Sciroccos im 1:18-Sortiment, nicht die Urversion, aber den jüngsten Scirocco III und seinen Vorgänger Scirocco II, diesen seit Sommer 2024, diverse Farben und Ausführungen, stets die Version nach dem Facelift im Herbst 1988. Das Modell verkauft sich gut, der Scirocco ist heute ein beliebter Klassiker. Zu seinen Lebzeiten war das nicht so, das Vorbild erfüllte nicht die Wünsche seiner Schöpfer, die Verkäufe blieben stets hinter den Erwartungen zurück. Die neue Version von Norev in Flash Silver LP7Y ist eines der zahlreichen Sondermodelle, mit denen Volkswagen den Verkauf zu intensivieren versuchte, ein GTX 16V, trotz Sondermodellstatus lange Jahre zwischen 1983 und 1989 im Programm, 18.920 Mal gebaut. Es half alles nichts. 1985 setzte Volkswagen 33.000 Scirocco ab, 1987 waren es nur noch 27.000 und zwischen 1990 und dem Produktionsstopp im September 1992 sank die Zahl auf jämmerliche 18.283 Fahrzeuge.
Die Version GTX als Nachfolger des GTS vermittelte dem Scirocco GT einen Hauch von Luxus, wie überhaupt Ausstattungsvarianten mit einem „X“ für Luxus stehen. Denn das „x“ scheint das Wörtchen „Luxus“ zu charakterisieren und den Luxus als Daseinsform zu symbolisieren. Zunächst trug der GTX einen Zender-Heckspoiler und ein Kamei-X1-Aerodynamik-Paket. Ab 1984 setzte Volkswagen auf eigen entwickelte Verspoilerung, auch in Wagenfarbe lackiert – nicht so beim Norev-Modell, das sein schwarzes Plastik mit Würde trägt – dabei ist bei ihm konstruktionsbedingt das „Plastik“ gar kein solches, sondern mattschwarz lackierter Zinkdruckguss. Ab 1985 lief der139 PS starke GTX 16V parallel zum GTX mit 112 PS, 1986 ergänzt von der Kat-Version mit 129 PS. Scirocco-Kenner identifizieren die 16V-Version an der speziellen Dachantenne, die auch das Norev-Modell trägt.
Gut recherchiert, professionell umgesetzt, die richtigen Logos an der richtigen Stelle und der rot eingefasste Grill verleiht dem GTX einen Hauch von GTI. Die quer rot und dunkelblau gestreiften Sitzbezüge versprühen 80er-Jahre-Flair, gut gefallen uns die Abschleppösen vorne und hinten sowie die abgedunkelten Rücklichtgläser. Flash Silver ist zeittypisch unoriginell und ein rundum verspoilertes Sportcoupé ist zeittypisch unauffällig, weil sie alle so waren. Der Norev Scirocco, in sealed-Bauweise und lenkbar, symbolisiert die Jugendsünde schlechthin und ist durchaus eine (Kauf-) Sünde wert.
afs



Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev188635 Volkswagen Scirocco II GTX 16V 1988 silber. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 69,95 Euro.