1/18

News 1:18 Norev Volkswagen T5 Multivan, Transporter Post und Transporter Kommunal

Bullyparade

Der allgegenwärtige Bulli. Unser aller Bulli. Der geliebte und unvergessene T5. Norev hat ihn, als California, als Multivan und als Lieferwagen. Er lässt unzählige Varianten zu. Der Multivan kommt nun in edlem Wheatbeige Metallic, der Lieferwagen in zwei Behördenversionen, Post und Kommunal.

Es ist schon bemerkenswert, dass Moderatoren „lustiger“ Fernsehsendungen meist auch „lustige“ Vornamen tragen. Da dies wohl kaum Zufall sein kann, ist es gewollt und gehört zum guten oder auch lustigen Ton. Jedenfalls nennt sich Michael Herbig „Bully“ und seine Sendung heißt Bullyparade, was uns zur Überschrift animierte. Das beweist: Fernsehen bildet. Aber originell ist es nicht. Auf diese Idee kamen auch schon andere, die gleichzeitig über mehrere Bullis schrieben. So what! Wir können nicht immer originell sein…

Die Norev-Bulliparade also. Wie schreibt man „Bulli“? mit „i“ oder mit „y“ am Ende? Niemand weiß es, weil das Wort nie offiziell verwendet wurde, sondern lediglich ein Spitzname ist. So wie Käfer oder Ente. Anfangs wehrten sich Volkswagen gegen „Käfer“ und Citroën-Deutschland gegen „Ente“. Spitznamen sind schließlich nicht immer image- und verkaufsfördernd. Aber mit zunehmender Etablierung waren die Spitznamen immer positiver konnotiert. Ab den späten 60er Jahren übernahm Volkswagen die Bezeichnung „Käfer“, nach dem Tode des Patriarchen Heinrich Nordhoff, der den Käfer viel ernster nahm als seine Nachfolger und sich gegen den Übernamen vehement wehrte. Er nahm ihn nie in den Mund!  Beim „Bulli“ verhielt es sich anders. So hätte der VW Transporter gerne von Anfang an und hochoffiziell geheißen. Aber der Traktorenhersteller Lanz machte den Wolfsburgern einen Strich durch die Rechnung, hatte er doch bereits einen Bulldog im Programm und befürchtete Verwechslungen. So wurde „Bulli“ zum inoffiziellen Namen, und weil er inoffiziell blieb, ist bis heute nicht klar festgelegt, ob man ihn nun mit „y“ oder „i“ am Ende schreiben soll. Wir haben uns für das „i“ entschieden. Schließlich ist der Bulli ein deutsches Auto, und als er im März 1950 erstmals erschien, war die Manie, alles zu anglifizieren, noch nicht sonderlich ausgeprägt. Im Gegenteil: Damals waren die Bürger der jungen Bundesrepublik den Besatzern gegenüber noch sehr skeptisch.

Die drei Neubullis sind im Prinzip gleich und im Prinzip auch gleich zu den bereits Vorgestellten (Caramini-online vom 10. März 2026, California, und vom 12. Mai 2026, Transporter). Dennoch demonstrieren sie, wie unterschiedlich prinzipiell gleiche Fahrzeuge sein können. Der Multivan als best ausgestatteter T5 auf Pkw-Niveau, familiengerecht, zivilisiert, gar luxuriös und die beiden Behördenfahrzeuge in Diensten der Post und eines kommunalen Baubetriebshofes schmucklos, nutzorientiert, automobile Arbeiterklasse. Ihnen allen gemein sind die Funktionen und Unfunktionen: die Vordertüren öffnen, die Heckklappe öffnet, die rechte Schiebetüre öffnet, die linke Schiebetüre am Multivan öffnet nicht und die Motorhaube öffnet an keinem, zudem lenken die Modelle, federn können sie nicht. Der Multivan ist im Inneren starr ausgerichtet, es lassen sich keine Möbel oder Armlehnen bewegen. Etwas merkwürdig mutet es an, dass am Multivan zwei Schiebetüren vorhanden sind, aber nur eine Funktion hat. Aber das ist eben so. Dafür ist die Funktion der funktionierenden Schiebetüre bei allen bestens konstruiert: eine akkurate Führung der Türe und sie schließt mithilfe eines kleinen Magneten, sodass sie stets geschlossen bleibt, wenn sie geschlossen sein soll und nie wackelt oder ein Eigenleben führt. Der Multivan verzichtet innen auf Teppichboden (bei den Lieferwagen ist im Original ohnehin keiner vorhanden), er kombiniert sein edel wirkendes Wheatbeige Metallic LD1W mit einem hellen Grau im Inneren. Derartige Kombinationen waren vor rund einem Vierteljahrhundert Mode: außen hell und innen hell. Jedenfalls harmoniert das Holz am schwarzen Armaturenbrett und an den Vordertürschalen gut mit dem Außenlack. Ein wenig Norev-unüblich sind die lediglich als Druckwerke behandelten Seitenblinker – das thematisierten wir bereits in den vorherigen T5-Besprechungen. Aber, wie bei der links geschlossenen Schiebetüre: Das ist halt so.

Unauffällige Helden des Alltags

Taxis, Postautos, Kommunalfahrzeuge: Sie sind allgegenwärtig, aber niemand achtet auf sie. Sie werden weder geliebt noch gepflegt, schon gar nicht fotografiert. Man nimmt sie aus dem Augenwinkel wahr, manchmal ärgert man sich über ihr Dasein, vergisst sie sofort wieder. Sie verschleißen im harten Arbeitsalltag schnell, werden nicht alt, müssen bald ersetzt werden. Gibt es eine neue Bulli- oder Mercedes-E-Klasse-Generation, so sind die Post- und Kommunalfahrzeuge und die Taxis als erste ausgestorben. Man hat im Hinterkopf, was man aktuell sieht. Wer erinnert sich heute noch an den VW T5 als Post- oder Kommunalfahrzeug? Niemand. Denn es gibt keinen Grund dafür. Sie sind lediglich Zeugnisse einer Zeitspanne, in welcher sie aktuell waren (also im wahrsten Sinne des Wortes Zeitgenossen). Wer heute einen Film drehen möchte, der um die Jahrtausendwende spielt, tut sich als Requisiteur schwer, einen originalen gelben VW T5 als Pakettransporter zu finden. Da ist es schon einfacher, einen neutralen Transporter extra dafür gelb umlackieren zu lassen.

Norev beschert der Sammlergemeinde, die sich den unauffälligen Alltagshelden verschrieben hat, zwei typische Vertreter des Genres: Der kommunale Bulli hatte sein Vorbild beim Baubetriebshof der Stadt Würselen im Norden Aachens. Lackiert ist er in Kommunalorange, was aber nicht die offizielle Farbbezeichnung ist. Die lautet Tieforange RAL 2011, eine Signalfarbe. Ab ungefähr 1970 konnte die Farbindustrie Orange farbstabil produzieren, aber die kommunalen Fahrzeuge bleiben nach wie vor unauffällig grau oder grün, erhielten jedoch reflektierende Streifen. In den 70ern setzte sich dann Orange bei der Stadtreinigung und generell im kommunalen Bereich durch. Das ist aber nur eine Übereinkunft. Es gibt keine verbindliche Norm, wonach kommunale Betriebe ihre Fahrzeuge in Tieforange lackieren müssen. Aber nahezu alle Kommunen tun es, auch die Straßenbetriebsfahrzeuge auf Autobahnen sind so lackiert. Das Modell trägt, ganz seinem konkreten Vorbild entsprechend, ein Aachener Kennzeichen, reflektierende Streifen und auf den Türen das Wappen der Stadt Würselen. Ansonsten ist es ein stinknormaler VW T5 Lieferwagen, wie in Caramini-online vom 12. Mai 2026 bereits besprochen.

Das Gleiche gilt für den Paketlieferwagen. Er ist mit dem aktuellen Posthorn der Deutsche Post AG geschmückt, gültig seit 1995, als diese aus der Deutschen Bundespost hervorging, Deswegen trägt er auch kein Sonderkennzeichen mehr, das mit „BP“ für „Bundespost“ beginnt, sondern ist ganz normal am Firmensitz Bonn zugelassen, dem „BN“ für Bonn folgt „PD“, was für den Zustelldienst steht – vulgo also ein stinknormaler Paketauslieferungs-Transporter. Seine Farbe ist Ginstergelb RAL 1032 (nicht Rapsgelb, wie von Norev angegeben, denn der Ginster ersetzte 1980 den Raps).

Pakete im Laderaum? Fehlanzeige. So viel Spieltrieb traut uns Norev nicht zu. Eigentlich schade. Was waren das für schöne Zeiten, als Siku in den späten 60er Jahren seinem Mercedes L408 Transporter ein paar Plastikpakete beilegte, die beim Spielen als erstes verloren gingen. Und welche Freude, heute ein solches Ding mint-boxed zu haben, die Pakete noch am Spritzling zusammengehalten.

afs

Tieforange und Ginstergelb: Behörden-Bullis von Norev. Alltagshelden, im Original völlig uninteressant, als Modelle äußerst charmant.
Modellfotos: bat
Luxusgegenstand: Caravelle, Multivan und California galten als Personenwagen, der Multivan war die Topversion mit verschiebbaren Sitzen. Wheat Beige Metallic war verbreitet, sah edel aus und war pflegeleicht.
Die Kommunen greifen seit jeher zum Bulli, seit 75 Jahren, seitdem es Bullis gibt. Die anderen Transporterhersteller kamen nur ausnahmsweise zum Zuge. Vielleicht liegt das daran, dass das Volkswagenwerk als einzige deutsche Autofabrik immerhin in Teilen in öffentlicher Hand ist. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte. Und die öffentliche Hand kauft eben gerne von der öffentlichen Hand.
Auch die Post schwört schon seit Kriegsende auf den Bulli, ist aber lange nicht so konsequent. Und seitdem sie privatisiert ist, muss sie ohnehin ausschreiben. So kamen auch ausländische Hersteller bereits zum Zuge (Renault Kangoo, Iveco Daily). Der Bulli ist längst nicht mehr das Standard-Zustellfahrzeug.
Das waren noch Zeiten: Siku V305, der Mercedes L408 als Paketzustellfahrzeug von 1967, mit bunten Postpaketen im Laderaum, hier noch am originalen Spritzling befestigt. Lustig: Bei ihm konnte man ebenfalls alles bis auf die Motorhaube öffnen, ganz wie beim aktuellen Norev VW T5. Aber lenken kann die alte Siku-Miniatur im Maßstab 1:60 nicht.

Steckbrief:

Norev 188602 Volkswagen T5 Multivan 2003 beigemetallic, 188617 Volkswagen T5 Lieferwagen Post 2003, 188618 Volkswagen T5 Transporter Kommunal 2003. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:18.  UVP je 109,95 Euro.