Blowin’ in the Wind
Ein Windstoß. Oder eine Böe. Das ist La Rafale auf Französisch. Ein Militär-Kampfjet heißt ebenso, die französische Nationalalternative zum Eurofighter. Dann gab es in Dijon zwischen 1952 und 1955 auch einen Sportwagenhersteller dieses Namens, Basis war der Panhard Dyna X, kaum Output, längst vergessen. Und jetzt heißt ein Renno ebenfalls Rafale, ein Mittelding zwischen viertüriger Limousine, SUV und Coupé – wie man das eben heute hat. Renault bezieht sich mit dem Namen auf seine eigene Vergangenheit: 1933 übernahm Renault den Flugzeughersteller Caudron, und ein Rennflugzeug aus dessen Produktion hieß damals Rafale. Wer mit dem Französischen nicht so vertraut ist, wird sowohl bei Schreibweise als auch bei Aussprache an den alttestamentarischen Männernamen Raphael erinnert, die Kulturigen denken an den Hochrenaissance-Maler Raffael – der mit den lieblichen Madonnenbildern. Lieblich ist der Renault Rafale nicht. Modern ist er.
Nun meinte also auch Renault, eine weitere Crossover-SUV-Coupé-Limousine zu benötigen (oberhalb des Arkana angesiedelt), gefertigt in Spanien und unter Chefdesigner Gilles Vidal von einem Stylingteam gemeinsam entworfen. Front- oder Allradantrieb, winziges 1,2-Liter-Benzinmotörchen mit fröstelnden 131 PS, dazu 68 Elektro-PS, macht zusammen deren 199. Da geht noch mehr, befanden die Ingenieure, und schufen eine Sportversion namens Atelier Alpine 300 (unser Fotomuster). Das ohnehin schon angestrengte Motörchen (zur Erinnerung: der VW Käfer lebte auch mit 1,2 Litern) leistet nun gar 150 PS, und dann kommen gleich noch zwei Elektromotoren hinzu, einer 68, der andere 134 PS stark, was zusammen knackige 305 Pferde ausmacht, die auf allen Vieren auf den Asphalt gebracht werden und den Rafale Atelier Alpine in 6,4 Sekunden auf Tempo 100 schnellen lassen. Wer nachrechnet und darauf kommt, die Addition stimme nicht, der hat recht. Ein Teil der Elektromotorleistung dient lediglich als Generator.
Letztlich versucht Renault mit dem Rafale erneut das, was Renault in den vergangenen 70 Jahren stets misslungen ist, nämlich ein Flaggschiff erfolgreich zu platzieren. Alle großen Renault waren (mehr oder weniger) Flopps, stets verkaufte sich jeder andere große französische Wagen besser als der Renault: Frégate, R30, R25, Safrane, Vel Satis, Latitude, Talisman – an letztere beide, obgleich der Talisman bis 2022 gebaut wurde, erinnern sich wohl nur Insider. Jetzt also Rafale.
Renault lässt, wie gewohnt, Industriemodelle von Norev produzieren, die auch im Fachhandel verkauft werden, und der sehr wohlfeile Preis (25 Euro) schürt die Vermutung, dass auch Norev nicht daran glaubt, der Rafale werde ein Bestseller. Beide Modelle sind völlig korrekt wiedergegeben, der sportliche Atelier Alpine mit breiteren Kotflügeln und speziellen Felgen. Schön und wichtig für Renault-Allessammler, die auch modernen Renaults Vitrineneinzug gestatten. Seien wir froh, dass die französischen Automobilhersteller, im Gegensatz zu den deutschen, jedes neue Modell in 1:43 in Auftrag geben. Schade, dass nicht wenigstens Opel als Stellantis-Bestandteil diese gute Tradition fortführt.
afs


Modellfotos: bat
Steckbrief:
Norev 5179140 Renault Rafale 2024 Rouge DeZir und 517942 Rafale Atelier Alpine 300 4×4 2024 Bleu Summit Matte. Fertigmodelle Zinkdruckguss, Maßstab 1:43. UVP je 24,95 Euro.