Aus Roosevelts Zeiten
Sieht aus wie eine Limousine aus den 50er Jahren. Ist aber ein Styling aus den 30ern. Der Cadillac Series 60 Special Sedan 1941 von MCG demonstriert augenscheinlich, wie weit voraus das US-Design dem europäischen einst war.
Harley Earl war ein talentierter junger Mann, der im Karosseriebau die modernste Methoden anwandte. Beschäftigt war er in der väterlichen Werkstatt, einem Karosseriebauunternehmen mit angeschlossener Cadillac-Vertretung. Sein Tun gefiel dem Cadillac-Chef Lawrence P. Fisher, der gerne landauf, landab seine Händler besuchte. Er stellte Earl ein und beauftragte ihn mit dem Entwurf für einen neuen LaSalle. Der Wagen war ein voller Erfolg, und der General-Motors-Boss Alfred Sloan richtete daraufhin die „Art and Color Section“ bei GM ein, das weltweit erste Designstudio. Dessen Chef wurde Harley Earl, und aus dem „Art and Color Studio“ wurde rasch die „Styling Division“. Einer von Earls Mitarbeitern war Bill Mitchell, und er sollte 1958 sein Nachfolger als GM-Designchef werden. 1936 wurde Mitchell von Earl zum Cadillac-Designchef ernannt und verdiente sich seine Sporen mit dem Cadillac Fleetwood Series 60 Special Sedan, gebaut 1938 bis 1941. Der war so fortschrittlich gestaltet, dass er gut und gerne als 50er-Jahre-Auto aus Europa hätte durchgehen können, und er war eben so vorbildlich, dass die europäischen 50er-Jahre-Autos sich an ihm orientierten – bevor die Pontonform eine völlig neue Designepoche einläutete. Doch die frei stehenden Kotflügel mit integrierten Scheinwerfern, die nach vorne gepfeilte Motorhaube, das sanft auslaufende Stufenheck sollten bei einigen „altmodischen“ Europa-Autos noch bis in die 60er Jahre hinein Bestand haben (Beispiel: Buckel-Volvo).
Den Cadillac hat MCG schon länger im Programm, der Erstling war schwarz, es erschienen einige zweifarbige Versionen in Folge, und die jüngste, eben lancierte ist in hellem Beige mit dunkelbraunem Dach lackiert, kombiniert mit einem grauen Interieur. Für das letzte Modelljahr 1941, das MCG-Modell, gab es optische Änderungen, die vorderen Kotflügel wurden in die Türen hinein verlängert. Vom 1941er Modell, einem Zweitonner mit 150 PS aus einem 5,7-Liter-V8, wurden 4101 Exemplare gebaut. 1941 war in den USA ein ganz normales Jahr. Der Kriegseintritt erfolgte erst am 7. Dezember, zuvor waren die USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt eher isolationistisch eingestellt und wollte sich in ausländische Konflikte nicht einmischen. Wirtschaftlich befanden sich die USA in einem starken Boom, Fabriken liefen auf Hochtouren, das Leih- und Pachtgesetz (Lend-Lease-Act) ermöglichte massenweisen Export von Rüstungsgütern und Autos, beispielsweise nach Großbritannien und in die Sowjetunion, die Binnenwirtschaft brummte. Da ist es kein Wunder, dass sich ein Fahrzeug vom Schlage des Cadillac Sixty Special gut verkaufte.
Das tut das MCG-Modell offenbar auch, sonst gäbe es nicht regelmäßig neue Farbvarianten. Aktuell kleidet sich der Luxusliner in Honey Beige, das Dach in Madeira Maroon. Abgetrennt werden die beiden Farben durch eine hauchzarte, knallrote Zierlinie, so rot wie die Felgen mit ihren breiten Weißwandreifen. Rote Felgen, egal zu welchem Außenlack, waren eine kurzzeitige US-Luxuswagen-Mode (ebenfalls von Bill Mitchell inauguriert), die sich in der Hot-Rod-Szene bis weit in die 60er Jahre hinein gehalten und dort teilweise heute noch Gültigkeit hat. Der graue Innenraum besticht durch sehr viel Holz, das MCG mit schöner Maserung umsetzt, das Lenkrad ist ein Art-Deco-Kunstwerk für sich. Der Außenglanz wird, wie bei MCG üblich, kombiniert von separat eingesetzten und verchromten Kunststoffteilen und silbernem Druckwerk. Sehr hübsch gemacht ist die Kühlerfigur, die „Flying Goddess“, eine stilisierte Frauenfigur mit wehendem Haar. Die Dame wurde von William N. Schnell entworfen und zierte den Cadillac zwischen 1930 und 1956. Der Cadillac Fleetwood Series 60 Special Sedan 1941 ist eine echte Designikone und ragt unter den rund 70 Fahrzeugen, die Bill Mitchell bei General Motors zeichnete, heraus. Wer sich für das Automobildesign im Wandel der Zeit interessiert, muss ein Exemplar in der Vitrine haben, ob er nun US-Car-Fan ist oder nicht.
afs



Modellfotos: bat

Foto: SG2012

Foto: Archangel12
Steckbrief:
MCG 18656 Cadillac Fleetwood Series 60 Special Sedan 1941 beige/dunkelbraun. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 64,95 Euro.