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News 1:87 Brekina Ford Transit LWB Lieferwagen „Meccano/Dinky Toys/Mogul“ 1965

Brekina wirbt für Dinky Toys

Eine richtig nette Idee: Klassische Lieferwagen können für alles mögliche Zeitgenössische werben. Sie können auch unterwegs sein in Diensten von Spielzeugautoherstellern. Brekina bringt nun einen ’65er Ford Transit mit langem Radstand, der Dinky Toys-Spielzeugautos ausliefert. Und führe uns nicht in Versuchung…

Jetzt müssen die Sammler antiquarischer Dinky Toys-Modelle auch noch ein 1:87-Autochen kaufen. Die Armen! Dabei hatten sie sich doch ganz fest vorgenommen, sich niemals auf dieses Kleinvieh einzulassen! Und nun sollen, ja müssen sie dem Vorsatz untreu werden. Schuld an dieser Niedertracht ist Brekina, schon wieder Brekina. Die hatten vor gut einem Jahr einen VW T1b Lieferwagen mit „Tekno“-Werbung gebracht und damit die Tekno-Sammler verführt. Und jetzt machen sie es erneut. Diesmal führen sie die Dinky-Sammler in Versuchung. Und wenn diese der bösen Einflüsterung erliegen und schlechten Gewissens in einem Modellbaugeschäft, in dem man sie nicht kennt, oder anonym über einen online-Händler den Brekina Ford Transit mit „Dinky“-, „Meccano“- und „Mogul“-Beschriftung erworben haben und daheim (ohne Zeugen!) anschauen, dann werden sie feststellen: „Das ist ja ein verdammt gutes Miniaturauto!“ Aber sie werden ohne Zögern ergänzen: „Aber natürlich im falschen Maßstab.“

Dinky Toys ist mehr als eine Marke. In Großbritannien und in Frankreich ist Dinky Toys ein Genrebegriff. Er steht für das Spielzeugauto aus Metall schlechthin. Dort wurden sie produziert, in Liverpool und in der französischen Filiale in Bobigny (zuletzt, Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre in Calais). In Deutschland ist Dinky Toys nicht gar so populär. Fragt man hier einen Nichtsammler auf der Straße, welche Marke er mit einem kleinen Metallauto in Verbindung bringt, so wird er wohl „Matchbox“ oder „Siku“ sagen. Ein Franzose hingegen wird an diese beiden Marken nicht mal denken. Dinky Toys ist auch deswegen so populär, weil dieser Name für das erste Diecast-Miniaturauto überhaupt im Maßstab 1:43 steht.

Frank Hornbys 1908 gegründete Firma Meccano stellte Blechspielzeug her, ab 1920 auch Modellbahnen der Nenngröße 0, was in Großbritannien (und in Frankreich) dem Maßstab 1:43 entspricht. Als Zubehör dazu produzierte Hornby ab 1934 Miniaturautos aus Zinkdruckguss unter dem Namen Meccano Dinky Toys. Das waren die ersten „Metallautos“ im heutigen Sinne, und somit feiern sie nunmehr ihren 92sten Geburtstag. Diese Serie emanzipierte sich rasch vom Modellbahnzubehör und führte ein Eigenleben, bald eröffnete Hornby eine Filiale in Frankreich (die so genannten Dinky-France-Modelle, völlige Eigenentwicklungen, kaum Austausch englischer und französischer Werkzeugformen). 1964 wurde Meccano vom Hauptkonkurrenten Tri-Ang der Gebrüder Lines übernommen, die ihre eigene Miniaturautomarke Spot-On zugunsten von Dinky Toys auslaufen ließen. Zunehmend waren die französischen Dinkys präziser und maßstabsgetreuer als die britischen, doch beide Linien liefen weiterhin parallel, mit nur wenigen Überschneidungen. Die Produktion im französischen Werk Bobigny endete 1970 und zog nach Calais um. Ein Meereshochwasser 1972 ruinierte wesentliche Teile des Werkzeugbestandes (Salzwasser und Stahlformen vertragen sich nicht). Dinky France lagerte die Produktion zwischen 1974 und 1978 nach Spanien zu Pilen aus. Dinky England in Liverpool im Schoße der Lines Brothers überlebte länger, das Werk wurde Ende 1979 geschlossen. Der Name Dinky Toys ging an eine Investmentgesellschaft, die ihn schlecht nutzte, und landete Ende der 80er Jahre in den Händen von Matchbox International. Matchbox hingegen wurde an Mattel verkauft, mithin auch der Name Dinky Toys, wo er heute noch beheimatet ist. Deshalb ist Mattel auch der Lizenzgeber für die in China produzierten Atlas-Dinkys, die ab 2008 als Replikate den Markt fluteten und von Norev hergestellt wurden.

Der Brekina Transit ist bekannt, eine formal bestens getroffene Miniatur. Es handelt sich um die Urversion von 1965, kenntlich am breiten, weiß lackierten Kühlergrill, mit der langen Karosserie, also ein Transit FT 1300, FT 1500 oder FT 1750 (je nach Gewichtsklasse) mit hinteren Zwillingsrädern und deswegen ausgestellten hinteren Kotflügeln, ein so genannter Halbbus mit verglasten, seitlichen Laderaumtüren. Das Modell ist äußerst akkurat mehrfarbig lackiert in den damaligen Meccano-Hausfarben und beschriftet mit „Meccano“ sowie „Dinky Toys“ und „Mogul“, was damals die Blechspielzeugsparte von Meccano war und mit amerikanischem Tonka-Spielzeug konkurrierte. Die Firmenfarben in Mittel- und Dunkelblau, kombiniert mit Weiß, korrespondieren mit der Mogul-Ära (Produktion 1974 bis 1978).

afs

Der Brekina Transit trägt die Meccano-Firmenfarben der letzten Epoche 1970 bis zur Werksschließung 1979. Das Vorbild wurde zwischen 1965 und 1971 gebaut und wahrscheinlich länger genutzt. Somit passt die blaue Farbgebung – wenngleich man mit Dinky Toys eher die frühere Farbkombination zweier Gelbtöne mit roter Beschriftung vor dem geistigen Auge hat.
Modellfotos: bat
Einen ähnlichen Transit gibt es bereits, aber eine Nummer größer, hergestellt von Ixo/Sonic für die Partwork-Serie Véhicules Publicitaires (Oktober 2015 bis September 2019). Ebenfalls ein Transit Lieferwagen mit langem Radstand, aber im Gegensatz zum 1965er Brekina-Modell ein Modell 1971 bis 1974 mit großem Grill, jedoch in den früheren Firmenfarben Weiß/Orange/Gelb/Dunkelblau gehalten – also eine chronologische Inkorrektheit.
Das animierte uns, die alten Dinky mit Eigenwerbung herauszusuchen. Zeitgenössische Originale sind der Bedford TA (A3LC) Kofferlastwagen von 1954, der Bedford CA 10cwt Van von 1952 und der kleine Volkswagen T1b Lieferwagen von 1958, der in der Serie Dinky Dublo im Maßstab 1:76 erschien und für ebendiese wirbt. Der Bedford CF Van von 1969 ist eine Eigenkreation. Der 1954er Austin A40 GV4 10cwt Van ist jüngeren Datums. Er stammt aus der Matchbox-Serie „The Dinky Collection“, die zwischen 1988 und 1993 in Macao produziert wurde (also zu Zeiten, als Matchbox im Besitz der Dinky-Toys-Namensrechte war). Und ein phantasievolles Modell ohne konkretes Vorbild ist der Citroën Type H Fourgon 1950, den Norev für die Atlas-Abonnementserie antiquarischer Dinky-Modelle fertigte, konkret für das 75jährige Dinky-Jubiläum 2009.
Weil es so gut dazu passt: Der „Dinky“-Transit ist nicht das erste Brekina-Modell, das Werbung für Spielzeugautos macht. Vor gut einem Jahr erschien der VW T1b Lieferwagen in „Tekno“-Diensten, und er orientierte sich am originalen, zeitgenössischen Tekno-Modell in 1:43, das ebenfalls mit Eigenwerbung unterwegs war. Es ist mit einem Volvo Amazon Kombi im Profil illustriert, das Brekina-Modell hingegen mit zwei Tekno-Spielzeugautos in Dreiviertelperspektive, der Amazon Limousine und einem Volvo Reisebus.

Steckbrief:

Brekina 34174 Ford Transit LWB Lieferwagen „Meccano/Dinky Toys/Mogul“ 1965 hellblau/dunkelblau/weiß. Fertigmodell Kunststoff, Maßstab 1:87. UVP 23,95 Euro.