Elfer pur mit Anflügen von Pubertät
Reduce to the Max. Das war der erste Werbeslogan von Daimler-Benz für seinen Smart, als dieser 1997/98 erschien und City Coupé hieß, noch nicht Smart Fortwo. Zur KK-Scale-Neuheit passt dieser pointierte Spruch viel besser, zum Porsche 911 RS der Generation 964, als 1:12-Riese nun erschienen.
In dem Moment, in dem die nächste Entwicklungsstufe eines klassischen Automobils für unverzichtbar erachtete Details in Technik und Design für immer in die Geschichtsbücher schickt, kommt in allen Kommentaren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Satz: „Dies ist der letzte echte …“ (was auch immer). Ergänzt wird dies dann sinngemäß durch: Leute, greift noch einmal zu, bevor es zu spät ist und ihr nur noch den Schatten seiner selbst kaufen könnt oder warten müsst, bis der Gebrauchtwagenmarkt eine Gelegenheit bietet. Heckgetriebene Alfa Romeos mit dem legendären Doppelnockenwellen-Vierzylinder, VW Käfer mit der flachen Frontscheibe oder der Saab 900 als letzte Evolutionsstufe des 99ers zählen in diese Kategorie.
Der Porsche 911 erntete diesen Kommentar gleich mehrfach. Der Übergang vom Chrom- zum G-Modell mit seinen massiven Stoßfängern und dann wiederum der Übergang zum hier von KK-Scale realisierten Modell mit den überaus glatten Kunststoffstoßfängern wurde jedes Mal von Verlustängsten begleitet. Dabei war die Elfer-Welt doch eigentlich immer noch weitgehend in Ordnung, blieb doch das Erscheinungsbild der Grundkarosserie weitgehend unangetastet und kein Liter Kühlwasser hatte sich bis dahin unter die Heckklappe verirrt. Erst der immer noch luftgekühlte Nachfolger 993 ging dann doch erkennbar aus dem Leim. Mit den stärker angeschrägten Scheinwerfern und den weiter ausgestellten Kotflügeln weichte die klassische, asketische Linie erstmals deutlich auf, auch wenn die Fahrzeugzelle inklusive Dach und Türen immer noch der ersten Generationen entstammte. Dies führte zu einer Veränderung der Proportionen, die bei den vielen späteren Generationen bis heute ungehemmt angehalten hat und aus dem einst schlanken Wägelchen mit dem Kreissägensound eine flatschige Kröte gemacht hat – wenn diese despektierliche Wahrnehmung hier einmal erlaubt sei.
Der 964 RS von 1992 ist dagegen noch ein Porsche von altem Schrot und Korn, der uns hier im Modell mit den schönen Cupfelgen entgegen rollt und ansonsten jedweder überflüssigen Details entbehrt, im Original wie im Modell eine Wohltat. Wie bei KK-Scale nicht unüblich, gibt es eine weitere Felgenvariante in Form von Speedline Felgen, die zwar auch zeitgenössisch sind, dem Auto aber einiges von seiner Filigranität stehlen. Wer sich nicht entscheiden kann, hat die Möglichkeit, den Felgensatz zum Tauschen separat zu ordern. Das Interieur ist schwarz, wie es schwärzer nicht sein könnte. Das ist dem Original geschuldet. Auch hier regiert der nackte Verzicht auf allen Tand und alle Gewichtsverursacher. Die auf das Nötigste reduzierten Türverkleidungen sind in ihrer Askese schon fast wieder manieriert. Der klare Blauton (Maritimblau) unterstreicht das reduzierte Erscheinungsbild vorteilhaft, sodass das Modell angenehm authentisch wirkt. Alternativ ist das Modell in Weiß, Rot und Schwarz lieferbar. Uns fiel die Entscheidung für das blaue Exemplar nicht schwer. Eine Besonderheit gibt es jedoch und das ist der ausfahrbare Heckspoiler, der in der Dimension und Funktion mit dem Grillrahmen identisch ist und mit einem filigranen Mechanismus beweglich gehalten wird.
Auch einem nicht ausgewiesenen Elfer-Fan bringt dieses Modell den Porsche näher. Bei längerer Betrachtung sagen wir, ein hübsches Auto. KK-Scale hat zurzeit ein wenig einen Lauf mit interessanten Versionen auf Basis des klassischen luftgekühlten Heckmotor Porsche, und das in beiden Maßstäben des Hauses. Der Wunsch des Autors wäre eine Erstausführung des Modells 928.Warten wir ab, ob sich der Hersteller eines Tages traut.
mh


Modellfotos: bat



Foto: Werksfoto Porsche/Archiv afs
Steckbrief:
KK Scale KKDC1202244C Porsche 911 (964) Carrera RS 1992 blau. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:12. UVP 199,95 €.