Die Skulptur
Ein Industrieauftrag ist immer schön für einen Modellautohersteller. Und für den Sammler kann er bedeuten, dass ein Modell erscheint, mit dem niemand gerechnet hat. So ist es mit dem Genesis X Gran Berlinetta VGT. Den macht Norev für Genesis als Achtzehner, und nun kommt er in den Fachhandel.
Wenn eine Marke neu lanciert wird, braucht es eines Zugpferdes, eines Autos, über das man spricht. Ein Concept Car kann ein solches Auto sein. Genesis ist die in den USA bereits bekannte Luxusmarke des Südkoreaners Hyundai, und Genesis ist seit 2021 auch in Europa präsent – aber noch kein Begriff in der Branche. In Deutschland wurden 2024 nur rund 1000 Genesis neu verkauft, der Bestand hier zugelassener Genesis liegt bei rund 1500 Fahrzeugen. Das ist nicht der Brüller, und deshalb will Hyundai seiner Submarke Genesis seine Unabhängigkeit wieder nehmen und sie enger in die Hyundai-Strukturen integrieren.
Das Symbol für Genesis in Europa ist knallorange, hat Wespentaille, ist ein skulpturhaftes Concept Car, wurde im Dezember 2023 in Barcelona präsentiert und war zwei Monate später in der Computer-Rennsimulation Gran Turismo 7 verfügbar. Guter Einstieg also. Seine Designphilosophie nennt Genesis „Athletic Elegance“, Genesis-Chefdesigner ist Luc Donckerwolke und das Concept Car schuf Tony Chen. Absolut stark ist die Farbe namens Magma, ein sehr kräftiges Orange, das laut Genesis „auf die Vulkane Koreas und die Emotionen, die Leidenschaft und die Lebendigkeit der koreanischen Kultur“ verweist. Einen Motor hat die Studie auch: einen 870 PS starken 3,3-Liter-V6 plus einen 201 PS starken E-Motor, also 1071 PS, schlappe 400 km/h schnell.
Genesis ist auf sein Concept Car sehr stolz und vermarktet es offensiv – wozu auch gehört, ein schönes 1:18-Modellauto im Portfolio zu haben. Die Südkoreaner haben sogar Jacky Ickx, mittlerweile über 80 Jahre alt, aus der Versenkung geholt, als Markenbotschafter, denn der Gran Berlinetta VGT sollte eine Art Vorbote für das Genesis-Motorsportengagement ab 2026 sein. Ickx drehte Demorunden mit dem Wagen am Rande des 12-Stunden-Rennens im australischen Bathurst Ende Januar. Genesis möchte mit dem Team Genesis Magma Racing in den Langstreckensport einsteigen, 2026 die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft, 2027 in den USA die IMSA Sportscar Championship – also gleich die Meisterklasse, Le Mans und Daytona.
Genesis hat in seiner Merchandising-Collection ein paar Modellautos im Angebot, in 1:43 den viertürigen G70 und das SUV GV70 für je 74 Dollar (Hersteller Ixo/Sonic), in 1:18 den G90 für 1006 Dollar (Hersteller TSM), das Gran Berlinetta Concept Car von Norev ist – zumindest momentan – nicht von Genesis lieferbar. Wenn wir aber die Preise der Ixo-Modelle mit denen vergleichen, die Ixo im Fachhandel verlangt, so hat Genesis seine Miniaturen ziemlich optimistisch kalkuliert. Und was sollte auch an einer Industrieversion des Norev-Modells anders sein als am Fachhandelsmodell? Das Vorbild ist schließlich ein Einzelstück.
Das Norev-Modell zeigt eine eindrucksvolle Präsenz – durch das skulpturenhafte Äußere und natürlich durch die schrille Lackierung. Dabei ist es ein ziemliches Budgetmodell: nichts zu öffnen, keine Lenkung, keine Federung, und die Bodenplatte ist im wahrsten Sinne eine solche. Die Miniatur ist also ähnlich wie ein Resine-Modell konstruiert: Sie kann nichts außer schön aussehen. Diesen Anspruch erfüllt der Genesis allerdings voll und ganz.
afs



Modellfotos: bat

Foto: Genesis
Steckbrief:
Norev 188032 Genesis X Gran Berlinetta VGT 2024 orange. Fertigmodell Zinkdruckguss, Maßstab 1:18. UVP 79,95 Euro.